Bund der Versicherten: Schuldenschnitt wirkt sich auf die Rendite bei Lebensversicherungen aus

Kunde spürt es am Überschuss

Berlin. Droht Ansteckungsgefahr von den Banken auf die Versicherer? Um sich Klarheit zu verschaffen will die Finanzaufsicht Bafin derzeit von den Versicherern wissen, wie viel Geld die Branche bei den Banken angelegt hat. Dafür haben die Gesellschaften bis zum 7. November Zeit.

„Wir gehen von einer Größenordnung von etwa 55 Prozent der Kapitalanlagen aus“, sagt Jörg von Fürstenwerth, Vorsitzender der GDV-Hauptgeschäftsführung. Zum 30. Juni beliefen sich die Gesamtkapitalanlagen der Lebensversicherungen auf 746 Milliarden Euro. Ein Großteil dieser Geldes sei geschützt und damit „nicht unmittelbar von der wirtschaftlichen Situation der Bank abhängig“. so machen etwa gesicherte Pfandbriefe rund 40 Prozent der Kapitalanlagen aus. Grundsätzlich wird das Geld der Versicherten in insolvenzgeschütztem Sicherungsvermögen verwahrt.

Zwar gibt es immer wieder derartige Anfragen – „in regelmäßigen Abständen und ohne konkreten Anlass“, wie die Bafin betont –, aber derzeit steht ein möglicher „Schuldenschnitt für Griechenland“ im Raum. Auswirkungen hätte solch ein Schuldenschnitt auf die Lebensversicherungen.

Das Dilemma: Bei Abschluss einer Lebensversicherung garantiert der Versicherer einen Garantiezins auf den Sparanteil. Diesen Zins legt das Bundesfinanzministerium fest. Er gilt für die gesamte Versicherungsdauer. Den Garantiezins gibt es für 90 Prozent des Beitrags. Die verbleibenden zehn Prozent sind für die Leistung im Todesfall und die Kosten der Gesellschaft. Attraktiv wird eine Lebensversicherung durch die Überschussbeteiligung, vorausgesetzt es sollen keine Hinterbliebenen abgesichert werden.

Dieser Überschuss variiert, je nachdem wie gut eine Gesellschaft wirtschaftet. Um den Garantiezins zu erwirtschaften, müssen Versicherer in Anlagen mit guter Bonität investieren. Dies waren auch Staats- und Unternehmensanleihen etwa von Banken. Doch deren Wert ist nicht sicher.

„Das Engagement der deutschen Versicherer in Griechenland ist mit deutlich unter 0,3 Prozent der gesamten Kapitalanlagen außerordentlich gering“, sagt von Fürstenwerth.

Die Folgen: „Eine 100prozentige Garantie auf den Garantiezins gibt es nicht“, sagt Thorsten Rudnik, Mitglied im Vorstand des Bundes der Versicherten. Er geht davon aus, dass die Überschussbeteiligung gestutzt wird. Rein rechnerisch würde dies der Kunde an einem Abschlag bei der Zahl hinter dem Komma merken. Lebensversicherungen sind unterschiedlich gesichert: über einen Sicherungsfonds, in den die Versicherer zwei Promille der Netto-Rückstellungen einzahlen. 2008 warenes 136 Millionen Euro. Die Auffanggesellschaft Protektor AG greift, wenn ein Versicherer die Verträge nicht mehr fortführen kann.

Von Martina Wewetzer

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