Insolventer Versorger Teldafax will weiterhin Strom und Gas liefern

Kunde tappt im Dunkeln

Stromdiscounter Teldafax kämpft ums Überleben und verspricht gegen Geld die Kunden auch künftig mit Strom und Gas zu beliefern. Foto: dapd

Düsseldorf. Deutschlands größter Stromdiscounter Teldafax hat Insolvenz angemeldet. Was bedeutet das für die 350 000 der einst 700 000 Kunden des Unternehmens?

?Müssen Teldafax-Kunden damit rechnen, bald im Dunkeln zu sitzen?

!Nein. Die Versorgung mit Strom und mit Gas ist auf jeden Fall gesichert, wie die Bundesnetzagentur betont. Im schlimmsten Fall – wenn Teldafax tatsächlich die Versorgung einstellen müsste – fiele der Konsument in die sogenannte Grundversorgung zurück. Allerdings müsste der Verbraucher dafür etwas tiefer in die Tasche greifen als beim Troisdorfer Billiganbieter. Er könnte sich aber sofort einen neuen Anbieter suchen.

?Was plant Energieanbieter Teldafax?

!Teldafax hat angekündigt, seine Kunden weiter mit Strom und Gas zu beliefern. Gleichzeitig müssten sie auch ihre Rechnungen weiter bezahlen, sagte der Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters. Zahlreiche Netzbetreiber hatten die Durchlieferungsverträge wegen Zahlungsversäumnissen gekündigt.

?Teldafax hat vielen Kunden Strom gegen Vorkasse verkauft. Ist das Geld jetzt weg?

!Wahrscheinlich ja. Wer bei Teldafax von dem Angebot Gebrauch machte, den Strom billig gegen Vorkasse zu beziehen und dafür die Stromkosten bis zu ein Jahr im Voraus bezahlte, dürfte nach Einschätzung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen von seinem Geld nicht mehr viel wiedersehen. „Diese Kunden haben jetzt denkbar schlechte Karten“, urteilt der Jurist der Verbraucherzentrale, Jürgen Schröder.

?Gibt es Schlupflöcher, wie Teldafax-Kunden ihr Geld zurückbekommen können?

!Nur im Ausnahmefall. Wenn Teldafax das Geld per Einzugsermächtigung erhielt und die Abbuchung weniger als sechs Wochen her ist, kann der Kunde die Abbuchung bei seiner Bank rückgängig machen, erklärt Schröder. Bezahlt werden muss nur der verbrauchte Strom.

?Was muss der Kunde tun, wenn der Strom von Teldafax ausbleibt und er in die Ersatzversorgung fällt?

!Der Stromkunde hat drei Monate Zeit, sich einen neuen Stromanbieter zu suchen. Der Strom vom Grundversorger ist meist teurer, so die Verbraucherzentrale. Der schnelle Wechsel spart Geld.

?Wie bewerten Regional- Versorger die Insolvenz?

!„Wir haben von der Insolvenz aus den Medien erfahren und sind überrascht. Bislang war es ein normales Lieferverhältnis“, sagt E.on-Mitte-Sprecher Günther Birmes. Der Regionalversorger prüfe weitere Schritte. Teldafax hat im E.on-Mitte-Netzgebiet 11 000 Strom- und 2000 Gaskunden, im Gebiet der Städtischen Werke Kassel sind es weitere 2500. Die Kasseler haben nun die Verträge gekündigt. Man müsse davon ausgehen, dass Teldafax die Forderungen für die Netznutzung in sechsstelliger Höhe nicht begleichen werde, so Sprecher Ingo Pijanka.

?Warum sind Behörden wie die Bundesnetzagentur nicht eingeschritten?

!Offiziell gibt die Bundesnetzagentur kein Statement zu einzelnen Unternehmen ab. Aus Kreisen der Behörde heißt es, dass die Agentur keine juristisch verlässliche Handhabe gesehen habe, um Teldafax zu stoppen. Über die Preisgestaltung entscheiden die Unternehmen – egal, wie rentabel diese ist. So konnte Teldafax Strom zu Werbezwecken auch unter dem Einkaufspreis liefern. (dapd/ntz/mwe)

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