Deutschland vor Sonderkonjunktur durch Wiederaufbau? – Konjunktur gedämpft

Kursstürze an den Börsen

Besorgte Blicke: Ob in Tokio oder in Frankfurt – erneut standen am Dienstag die Börsen unter dem Japan-Schock. Sowohl der Nikkei 225-Index als auch der deutsche Leitindex Dax mussten kräftige Verluste verbuchen. Fotos: dpa/dapd

Frankfurt. Die Atomkatastrophe in Japan hat am Dienstag weltweit die Börsen abstürzen lassen. In Tokio versuchten Anleger in Panik ihre Aktien loszuwerden. Die Verkäufe lösten die größten Verluste seit der Finanzkrise 2008 aus. Zeitweise krachte der Nikkei 225 um 14 Prozent nach unten.

In Deutschland verlor der Dax zeitweise über fünf Prozent. Um 17.30 Uhr notierte der deutsche Leitindex bei 6663 Punkten, das war ein Minus von 2,96 Prozent. Außer den Papieren von Solar- und Windkraftspezialisten gab es gestern fast keine Gewinner mehr. Quer durch alle Indizes rutschten die Aktienkurse ab.

?Wieviel Geld wurde seit Beginn der Katastrophe an der Börse in Tokio vernichtet?

!Marktstratege David Buik von BG Partners geht davon aus, dass allein an der Tokioer Börse über 530 Milliarden Euro an Werten vernichtet wurden.

?Wohin flieht derzeit das Geld der Japaner?

!Im wesentlichen ging es in den vergangenen Tagen in deutsche und US-amerikanische Staatsanleihen. An den Devisenmärkten wurde Geld in US-Dollar und Schweizer Franken angelegt. Dies belastete zeitweise den Euro. Er kostete 1,39 Dollar, 0,28 Prozent weniger als am Vortag. Der japanische Yen hält sich nach wie vor auf hohem Niveau. Ein Euro kostete 112,78 Yen.

?Welche Auswirkungen hat dies auf die Deutschland?

!Ulrich Blum, Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, bezeichnet die Lage als unklar. Er schloss nicht aus, dass es in Deutschland zu einer Sonderkonjunktur durch den Wiederaufbau kommen könnte. Denn Japan wird in großen Mengen neue Anlagen kaufen müssen. Auch seien Umwelttechnik und –technologien zur Behebung der Schäden notwendig.

?Warum senken Wirtschaftsinstitute dann ihre Konjunkturerwartungen?

!Zwar befindet sich die deutsche Wirtschaft in einer robusten Verfassung, dennoch könnten die Ereignisse die Dynamik der Wirtschaft eintrüben, weil Lieferketten nicht aufrecht erhalten werden können und Bauteile fehlen. Deshalb sackte der Konjunkturindex, der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung monatlich erhoben wird, um 1,6 auf 14,1 Punkte.

?Warum fallen nun die Ölpreise?

!Hauptgrund ist nach Meinung der Experten die drohende Ausweitung der Atom-Katastrophe in Japan und damit ein Rückgang der Ölnachfrage, da in Japan die Betriebe die Produktion drosseln. Gestern kostete ein Barrel (159 Liter) 108,34 Dollar, 5,33 Dollar weniger als am Vortag.

Von Martina Wewetzer

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