KVV sorgt als Stadtkonzern für Energie und Nahverkehr in Kassel

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Gehört mit zum KVV-Konzern: Die KVG, die mit Straßenbahnen (Foto) und Bussen jedes Jahr 46 Millionen Fahrgäste transportiert. Die Stadtwerke versorgen ihre Kunden auch mit Gas, zum Konzern zählt zudem das Telekommunikationsunternehmen Netcom am Königstor. Ebenfalls zum Konzern gehört das Müllheizkraftwerk.

Kassel. Alles unter einem Dach: In der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV) mit insgesamt 1900 Mitarbeitern hat die Stadt die Aktivitäten zur Versorgung der Bürger gebündelt.

Zu den Aufgaben des Konzerns zählen die Versorgung mit Strom, Gas, Wasser und Fernwärme. Zudem betreibt die KVV den öffentlichen Nahverkehr in der Stadt und ebenso die städtischen Hallen- und Freibäder. Im Müllheizkraftwerk Kassel wird Abfall verbrannt und dabei Strom und Fernwärme gewonnen.

Die KVV-Tochter Städtische Werke AG und ihre Schwesterunternehmen produzieren rund die Hälfte des in Kassel verbrauchten Stroms in eigenen Kraftwerken. Die Stadtwerke betreiben nicht nur die größte Fotovoltaikanlage in der Region, sondern sind zusammen mit den neuen Windkraftanlagen auch der größte Produzent von Strom aus regenerativen Energien.

Das in früheren Zeiten sichere Geschäft wird freilich nicht leichter im knallharten Wettbewerb und in einem immer schwieriger werdenden Markt. „Jetzt geht es uns noch gut“, sagt KVV-Vorstandschef Dr. Michael Maxelon über den Stadtkonzern. Damit das auch in Zukunft so bleibe, müsse aber jetzt gehandelt werden, „aus einer Position der Stärke heraus.“ Maxelon will die Kosten künftig um etwa 27 Millionen Euro jährlich senken, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Und in den kommenden Jahren sollen zusätzlich 350 Arbeitsplätze abgebaut werden.

Der scharfe Wettbewerb auf dem Strom- und Gasmarkt und steigende Kosten machen den Unternehmen unterm Konzerndach das Leben schwer. Die Preise für Strom und Gas oder KVG-Fahrkarten noch weiter zu erhöhen, wird nicht ins Auge gefasst. „Höhere Preise sind schwierig“, erklärt Maxelon. Die Antwort könne nur lauten: „Wir müssen unsere Kosten verringern.“ Dabei gehe es um etwa zehn Prozent der jährlichen Kosten von rund 270 Millionen Euro.

Dr. Michael Maxelon

Die beiden zentralen Unternehmen im Konzern sind die Stadtwerke und die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG). Zwar wird mit dem Verkauf von Strom, Gas und Fernwärme weiterhin Geld verdient. 2016 lag der Gewinn der Stadtwerke bei 17,8 Millionen Euro. Damit werden im Konzernverbund aber die Verluste der KVG ausgeglichen. Das Nahverkehrsunternehmen hatte 2016 mit Straßenbahnen und Bussen 14,7 Millionen Euro Miese eingefahren.

Annähernd eine Milliarde Euro muss die KVV nach realistischen Berechnungen bis zum Jahr 2030 investieren, um alles in Schuss zu halten und wettbewerbsfähig zu bleiben. Auch diese gigantische Summe ist wohl nur dann zu schultern, wenn es gelingt, die Kosten wie geplant zu verringern.

350 Jobs sollen wegfallen

Im hart umkämpften Markt für Strom und Gas sind für die Städtische Werke AG Umsatzsteigerungen kaum mehr möglich. Dass die Stadtwerke trotzdem weiter Gewinne erwirtschaften, ist aber für die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) wichtig. Denn der öffentliche Nahverkehr ist ein Zuschussgeschäft, Geld kann da nicht verdient werden. Und die hoch verschuldete Stadt Kassel kann nicht noch mehr Geld zuschießen. Mit den Gewinnen aus der Energiesparte des KVV-Konzerns werden die Verluste aus dem Zuschussgeschäft öffentlicher Nahverkehr ausgeglichen. Insgesamt hat die Stadt Kassel im Vorjahr mit 23,3 Millionen Euro den Nahverkehr mit Bussen und Bahnen unterstützt. Macht bei insgesamt 46 Millionen Fahrgästen einen Zuschuss von annähernd 50 Cent pro Fahrt mit den blauen Bussen und Trams. Sinkende Erträge und steigende Kosten sind die Gründe dafür, dass der Konzern in den nächsten Jahren 350 Arbeitsplätze abbauen und seine Kosten um etwa 27 Millionen Euro jährlich senken will, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. 

Besonders die Jobverluste sorgen für harsche Kritik der Gewerkschaft Verdi und des Betriebsrats. Zwar müssen die Mitarbeiter nicht gleich um ihre Jobs fürchten. Denn in den nächsten fünf Jahren kann keiner auf die Straße gesetzt werden. Es gibt Tarifverträge und Betriebsvereinbarungen, in denen betriebsbedingte Kündigungen bis Ende des Jahres 2022 ausgeschlossen sind. Nach diesem Termin schließt KVV-Vorstandsvorsitzender Dr. Michael Maxelon aber auch betriebsbedingte Kündigungen nicht aus. Er will sie aber nach Möglichkeit vermeiden. Der Personalabbau im Konzern solle vor allem dadurch erfolgen, dass Mitarbeiter, die in Rente gehen oder aus privaten Gründen den Job wechseln, nicht mehr ersetzt werden. Zudem wird überlegt, Mitarbeitern Geld anzubieten, wenn sie freiwillig ausscheiden. Derzeit hat der Konzern insgesamt noch rund 1900 Mitarbeiter. Der Personalabbau wird zu einem beträchtlichen Teil die Stadtwerke treffen, wo insgesamt etwa 900 Beschäftigte arbeiten.

KVV ist Tochter der Stadt Kassel

Die Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV) ist eine hundertprozentige Tochter der Stadt Kassel. Unter dem Konzerndach der Muttergesellschaft arbeiten die Stadtwerke und die KVG, die Verkehrsgesellschaft

Nordhessen

(KVN), das Müllheizkraftwerk und die Fernwärme GmbH sowie das Telefonunternehmen Netcom und weitere kleinere Tochterunternehmen als Dienstleister für die Bürger. Die Konzernbilanzsumme liegt bei rund 870 Millionen Euro jährlich, es gibt insgesamt 1875 Mitarbeiter und 60 Auszubildende.

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