Die großen Vier kämpfen mit Verlusten in den Bilanzen – Verkäufe und Fusionen trotz Krise nicht in Sicht

Landesbanken auf Schrumpfkurs

Landesbank Berlin Chef: Johannes Evers Fotos: Landesbanken/dpa

Die Finanzkrise hat vier der sieben Landesbanken auch 2009 kräftig durchgeschüttelt. Wie tief die Spuren sind, zeigt sich an den bereits veröffentlichten Geschäftsberichten. Trotz begonnener Restrukturierungsprogramme zeichnet sich ab, dass ein Teil der Landesbanken die Krise nicht überleben wird oder zumindest noch Jahre brauchen wird, um wieder Tritt zu fassen.

Bei den großen Vier häufen sich die Verluste: bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) zu der auch die Rheinland-Pfalz Bank und die SachsenBank gehören, der WestLB, der BayernLB, zu der zu großen Teilen die SaarLB gehört, und der HSH Nordbank.

Gewinn machten die Helaba und die Landesbank Berlin. Die NordLB verbuchte bis zum 30. September 2009 ein Plus. Die Bilanz steht noch aus. Zu ihr gehört zu großen Teilen die Bremer Landesbank.

Bad Bank für den Ballast

Gemeinsam ist den Verlustbanken, dass sie mit staatlicher Hilfe gerettet wurden und deshalb den Eigentümer wechseln sollen. Oft gehören die Landesbanken den jeweiligen Bundesländern und den regionalen Sparkassenverbänden – zu unterschiedlichen Anteilen. Auf Druck der Europäischen Union muss die WestLB bis Ende 2011 verkauft werden – nur so genehmigte sie Milliardenhilfen. Jetzt wird die WestLB aufgespalten – in eine Kernbank und eine Bad Bank für den bilanziellen Ballast. Die Schrumpfkur ist der Preis für die Beihilfen. Ähnliche Lösungen für weitere Landesbanken werden folgen.

Das alte Sündenregister

Verkauf als Lösung? Doch wer bindet sich eine marode Bank ans Bein? Private Käufer sind nicht in Sicht, und selbst die gesunden Landesbanken agieren ohne erkennbare Geschäftsmodelle am Markt. Gleiches gilt für Fusionen – wer sollte mit wem zusammengehen? Die Gefahr, die Katze im Sack zu kaufen, ist höher als das Vertrauen in den eigenen Reihen. Zumal Verkauf oder Fusion der Landesbanken vor 2015 für die Länder noch ganz andere Risiken bergen. Erst in fünf Jahren läuft die Gewährträgerhaftung endgültig aus. Das heißt, die Eigentümer haften in vollem Umfang für Verbindlichkeiten, die die Banken bis Juli 2005 eingegangen sind und die nicht länger als bis 2015 laufen, sagen Fachjuristen der Kanzlei Linklaters. Bei einem Verkauf verlieren die Länder den Durchgriff auf die Banken, haften aber für die Risiken – dem Steuerzahler wäre dies kaum zu vermitteln.

Generell stellt sich die Frage, ob Zusammenschlüsse die Probleme der Banken lösen. Würde man zum Beispiel die HSH Nordbank mit der NordLB fusionieren ergäbe dies geografisch Sinn, aber auch ein Klumpenrisiko bei Schiffsfinanzierungen. Beide Banken sind mit Milliarden in dieser Branche engagiert. Bleibt einzig der Verkauf von Beteiligungen der Landesbanken – jüngstes Beispiel: Die LBBW will sich von Anteilen an der Deka, dem Investmentfondsspezialisten der Sparkassen, trennen.

Offiziell steigt bislang noch niemand auf dieses Angebot ein – aber hinter den Kulissen wird schon kräftig ausgelotet. Aus informierten Kreisen heißt es, dass sich die Helaba dafür interessiert und auch regionale Sparkassenverbände liebäugeln mit den Deka-Anteilen.

10 000 Stellen zu viel

Doch wie sich auch immer die Neuordnung der Landesbanken vollzieht – Experten erwarten, dass mindestens 10 000 der bundesweit 60 000 Stellen wegfallen.

Von Martina Wewetzer

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