Der Medizinkonzern B.Braun entwickelt Medikamente – Das kostet Millionen

Langer Weg zu Patienten

Wegbereiter der Produktion: Im Pharma-Technikum testet der Medizintechnik- und Pharmahersteller B.Braun Melsungen neue Produkte und stellt kleine Mengen her. Hier werden Produkte unter Reinraumbedingungen abgefüllt. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 41 000 Menschen, davon 5600 am Stammsitz Melsungen im Schwalm-Eder-Kreis. Foto: B.Braun

Melsungen. „Eigentlich sind wir ein Ingenieur-Unternehmen“, sagt Ralf Harand. Zunächst eine ungewöhnliche Aussage für jemanden, der beim Medizintechnikhersteller B. Braun Melsungen AG für die Pharma-Entwicklung mit verantwortlich ist.

Aber der Konzern in Familienbesitz setzt in seiner Pharmasparte nicht auf die finanziell hoch riskante Entwicklung völlig neuer Wirkstoffe, sondern konzentriert sich auf verbesserte Rezepturen, Fertigungsprozesse und einfachere Anwendungen – etwa bei Ernährungslösungen, die Patienten über die Venen bekommen. Nicht alle Nährstoffe vertragen sich miteinander. Die Lösung: Die Melsunger bieten einen Beutel an, der die einzelnen Substanzen in getrennten Kammern enthält. Unmittelbar vor Gebrauch werden deren Wände geöffnet, und die Inhaltsstoffe mischen sich.

Dank dieser Strategie schaffen etwa 60 bis 70 Prozent der Braunschen Pharmaprojekte den langen Weg bis zur Markteinführung. Von 100 völlig neuen Präparaten, die erstmals an Menschen getestet werden, kommen hingegen nur neun auf den Markt. Die übrigen scheitern während des Erprobungs- und des Zulassungsverfahrens. Mit ihnen sind zwei- oder dreistellige Millionenbeträge verloren.

Klinische Ernährung, Antibiotika, Schmerz- und Narkosemittel und verbesserte Generika (Nachahmer-Präparate) sind die Hauptprodukte der Pharmasparte, die 2009 allein im Krankenhausgeschäft 700 Millionen Euro zum Konzernumsatz von 4,02 Milliarden Euro beitrug. Bis zu zwölf Jahre dauert die Entwicklung.

Von der ersten Idee, bis zum Start des Projekt vergehe ein Jahr, sagt Ute Bauer, Leiterin der Klinischen Entwickung der Pharmazeutik-Sparte. Denn zunächst wird jede Idee von einer Steuerungsgruppe unter die Lupe genommen: Vorteile gegenüber der bisherigen Behandlung, Wirksamkeit und technische Umsetzbarkeit sind dabei nur einige Stichpunkte. Gleichzeitig gilt es, den Produktionsprozess zu entwickeln – von der Herstellung kleiner Mengen für Studien bis zur Massenproduktion. Immer wieder werden die Verfahren angepasst.

Neue Wirkstoffe werden zunächst an Tieren, dann gesunden Menschen, schließlich an Gruppen von bis zu 4000 Patienten getestet. Werden nicht alle dieser aufwändigen klinischen Studien gebraucht, verkürzt sich die Entwicklungszeit auf etwa sieben Jahre. 23 Produkte sind derzeit bei B. Braun in der Entwickung. Jedes von ihnen wird fünf bis zehn Millionen Euro bis zur Zulassung kosten.

Diese ist eine der letzten Hürden. Sie muss, mit teils sehr hohem Aufwand, in jedem Land beantragt werden, in dem das Produkt verkauft werden soll. Oft sind die Preise gesetzlich reguliert, sagt Harald Weis, der für Zulassungsfragen zuständig ist.

In Ländern wie China und Indien wächst neue Konkurrenz für die Pharmahersteller. B.Braun reagiert. „Wir werden die medizinische Entwicklung verstärken“, so Harand. „Aber mit riskanten Produkten werden wir nicht anfangen.“

Von Barbara Will

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