Konzerne drängen auf den Wassermarkt – In Deutschland dominieren Kommunen

Laufende Geschäfte

Kassel / Göttingen. Wasser ist kostbar – und bringt Geld. Auf 400 bis 500 Milliarden Euro schätzt eine Studie der Deutschen Bank den jährlichen Investitionsbedarf der weltweiten Wasserwirtschaft, eine Summe, die die öffentliche Hand allein nicht aufbringen kann. Bahn frei für Unternehmen also, um sich in die Wasserwerke einzukaufen?

In Deutschland blieb der Investoren-Run um die rund 6400 Wasserversorger bislang aus. „Es hat nie eine große Privatisierungswelle gegeben“, sagt ein Sprecher des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU) in Berlin. Zwar sind 42 Prozent der Wasserversorger privatrechtliche Unternehmen. Aber die Firmierung als Aktiengesellschaft oder GmbH heißt nicht, dass den Kommunen die Kontrolle über das Wasser durch die Finger rinnt. Sie sind in der Regel Hauptgesellschafter – und wachen damit auch über den Wasserpreis.

Dabei wird es wohl auch bleiben – Beispiel Kassel: Eine Privatisierung „ist gesellschaftlich nicht machbar“, sagt der Sprecher der Städtischen Werke, Ingo Pijanka. Stattdessen möchte Anteilseigner Vattenfall seinen Anteil von fast 25 Prozent loswerden. Das dürfte nicht leicht werden, denn das Land Hessen hat den Versorger angewiesen, den nach Unternehmensangaben kostendeckenden Wasserpreis um 37 Prozent zu senken.

Hohe Investitionen

Dabei muss die Wasserwirtschaft hohe Investitionen stemmen. Zwei Milliarden Euro flossen 2009 in Deutschland in die Trinkwasserversorgung, 3,5 bis vier Mrd. Euro verlangt die Abwasserentsorgung. „Einen Investitionsstau haben wir nicht“, sagt Pijanka dazu. Die Kasseler plagt ein anderes Problem: Nach Prognosen der 70er Jahre, die einen steigenden Pro-Kopf-Verbrauch für Wasser bei gleichzeitig zunehmender Einwohnerzahl voraussagten, wurde das Netz ausgebaut. Stattdessen schrumpfte die Bevölkerung, die außerdem sparsamer mit Wasser umgeht als früher.

Die Folge: Die Rohre sind an einigen Stellen überdimensioniert und müssen zur Reinigung gespült werden.

Geschlagen geben sich internationale Wasserkonzerne im kommunal-beherrschten Geschäft jedoch nicht. So versorgt Veolia Wasser, eine Tochter der französischen Veolia Environnement, in Deutschland 4,8 Millionen Menschen mit Wasser, arbeitet mit 450 Kommunen zusammen und ist Mehrheitsgesellschafter von drei Stadtwerken.

Die Wassersparte von Veolia Environnement, nach eigenen Angaben weltweit Branchenführer, setzte 2008 weltweit 12,5 Mrd. Euro um, von denen 1,16 Mrd. Euro als operativer Gewinn blieben. Konkurrent Suez Environnement (Paris), der weltweit 76 Mio. Menschen mit Wasser versorgt, brachten die flüssigen Geschäfte allein in Europa einen Gewinn von 866 Mio. Euro vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ein.

Für den deutschen Energiekonzern RWE war der Ausflug in die Welt der Leitungen und Kläranlagen hingegen ein Schlag ins Wasser: Der Konzern stieß die in England und den USA eingekauften Versorger Thames Water und American Water wieder ab und macht lieber dem Rivalen Eon beim Geschäft mit Strom und Gas verstärkt Konkurrenz.

Von Barbara Will

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