Griechenland kann seine Schulden schwer begleichen: Einnahmequellen wie der Tourismus brechen weg

Leere Strände, leere Kassen

Warten auf Urlauber: In Griechenland - hier ein Strand auf der Insel Kos - sinkt der Umsatz in der Tourismusbranche. Diese aber gehört zu den Haupteinnahmequellen des Landes. Foto: dpa

Athen. Fetakäse und Olivenöl - sie gelten als Exportschlager Griechenlands. Aber verdient der Staat damit genug, um seinen Schuldenberg abzubauen? 30 Milliarden Euro sollen die EU-Staaten Griechenland im Ernstfall leihen. Eigentlich ein gutes Geschäft für die Gläubiger, da der Mittelmeerstaat dafür hohe Zinsen zahlen würde. Doch ob Griechenland die Kredite zurückzahlen kann, ist fraglich.

„Die wirtschaftlichen Chancen Griechenlands sind skeptisch einzuschätzen“, sagt Prof. Heinz-Jürgen Axt, Vizepräsident der Südosteuropa-Gesellschaft in München. Was fehlt, sind verlässliche Einnahmequellen.

Ein- und Ausfuhr: Griechenland ist auf Importe angewiesen. Es gibt nur wenige Großunternehmen, Schwerindustrie ist so gut wie nicht vertreten. Der Staat führt mehr ein, als er ausführt. Allein im Februar 2010 lag das Handelsdefizit nach Schätzungen des griechischen Statistikamtes bei über zwei Milliarden Euro. Die meisten Güter importiert Griechenland aus der Bundesrepublik. Umgekehrt ist Deutschland nach Italien der zweitgrößte Abnehmer von griechischen Waren (siehe Grafik).

Landwirtschaft: Griechenland ist ein Agrarland. Nahrungsmittel, Tabak und Wein machten 2009 fast ein Drittel des von Griechenland nach Deutschland exportierten Warenwerts aus. Trotzdem führt Griechenland deutlich mehr Lebensmittel ein als aus. Im Februar 2010 hat Griechenland Lebensmittel und Tiere im Wert von 205 Millionen Euro exportiert, aber für 353 Millionen Euro importiert. „Die Griechen kaufen lieber importierte Waren als einheimische“, sagt Heinz-Jürgen Axt. Statt selbst produziertem Fetakäse liegt in griechischen Supermarktregalen deshalb oft Kuhmilch-Weißkäse aus Dänemark.

Tourismus: Geld verdiente Griechenland in der Vergangenheit vor allem mit dem Tourismus. Doch das ist vorbei: 2009 sank der Umsatz der griechischen Touristikbranche laut dem Griechischen Statistikamt um 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit lag er nach Angaben des griechischen Hotelverbandes bei 14,6 Milliarden Euro. Das macht sich bemerkbar, schließlich trägt der Tourismus 15 Prozent zum Bruttoninlandsprodukt bei. „Griechenland ist nicht mehr wettbewerbsfähig“, sagt Axt. „Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht. Griechenland ist teurer als die Türkei, bietet aber schlechteren Service.“

Schifffahrt: Neben dem Tourismus hat auch die Schifffahrt lange Zeit dazu beigetragen, Griechenlands Defizit auszugleichen. Der Staat verfügt über eine der weltgrößten Handelsflotten. Doch die Finanzkrise hat den Handel mit Rohstoffen zum Erliegen gebracht - und damit vielen griechischen Reedern die Aufträge genommen.

Kapitalinvestitionen: Eine Chance für Griechenland, die Krise zu überwinden, könnten Kapitalinvestitionen in Südosteuropa sein. „In Mazedonien ist Griechenland zum Beispiel der größte Kapitalinvestor“, sagt Axt. Wenn sich die Märkte in Südosteuropa erholen, könnte Griechenland davon profitieren.

Vermarktung: Vor allem aber muss Griechenland mehr Abnehmer für die eigene Ware finden. „Griechische Landwirte beklagen sich, dass ihre Produkte im Ausland zu schlecht vermarktet werden“, sagt Axt. Griechenland mache zum Beispiel sehr guten Wein - aber in deutschen Supermärkten lande meist nur die Billigware.

Von Judith Féaux de Lacroix

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