Getriebewerk in Baunatal will Ausstoß nochmals um zehn Prozent steigern

VW legt Schippe drauf

Volles Haus: 4500 Beschäftigte des Volkswagen-Werks Kassel in Baunatal nahmen gestern an der turnusgemäßen Betriebsversammlung teil. Foto: Volkswagen/nh

Baunatal. Zusätzliche Fertigungslinien im Getriebebau, neue Anlagen im Presswerk und in der Abgasanlagen-Produktion, der Ausbau der Aggregate-Aufbereitung und die Erweiterung des Original Teile Centers - im Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal wird bis 2015 so viel investiert wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Mindestens 1,2 Milliarden Euro will der Konzern in sein zentrales Komponentenwerk in Nordhessen stecken, davon allein rund 570 Millionen in den beiden nächsten Jahren.„Das ist die größte Arbeitsplatz- und Standortsicherungsoffensive in der Geschichte des Werkes“, sagte Betriebsratsvorsitzender Jürgen Stumpf am Dienstag während einer Belegschaftsversammlung.

3,46 Millionen Getriebe wird das weltweite Getriebeleitwerk im Konzernverbund in diesem Jahr ausliefern - fast 38 Prozent oder 950 000 mehr als 2009. Und Werkleiter Hans-Helmut Becker sagte, dass „wir 2011 noch eine Schippe drauflegen müssen“. Dann nämlich sollen es mit 3,8 Mio. Getrieben nochmals zehn Prozent mehr werden.

Aber der Erfolg hat auch seine Schattenseiten. Ein Großteil der 13 000 fest Beschäftigten arbeitet in drei Schichten rund um die Uhr, teilweise an sieben Tagen die Woche. Vor allem der Absatzboom bei Volkswagen in China zwingt die Baunataler VW-Werker, alles zu geben. Allein die Schwesterwerke in der Volksrepublik nehmen in diesem Jahr 460 000 Getriebe aus Baunatal ab, weil die dortigen Fertigungskapazitäten bei weitem nicht ausreichen.

Damit die Stammbelegschaft diese zusätzlichen Mengen überhaupt bewältigen kann, wird sie derzeit von 1500 Leiharbeitern unterstützt. Von denen will der Betriebsrat möglichst viele in feste Beschäftigung bringen. Die Gespräche mit der Konzernführung laufen - Ergebnisse werden im Frühjahr erwartet. Wie viele sich Hoffnung auf einen festen Job bei Volkswagen in Baunatal machen können, ist noch unklar.

Neben neuen festen Stellen forderte Stumpf aber auch den raschen Ausbau der genehmigten Kapazitäten, einen verbindlichen Freizeitausgleich für Mehrarbeit sowie ausreichende zeitliche Abstände zwischen Schichtwechseln.

Gleichwohl stimmten er und die Werkleitung die Belegschaft drauf ein, dass es keine schnelle Abhilfe geben werde. Erst wenn die geplanten Erweiterungen ab Ende 2011 zu greifen beginnen, sei mit einer Entspannung zu rechnen.

Becker sagte, dass es Ziel sein müsse, das Arbeitspensum mit 15 Schichten in der Woche zu schaffen. Derzeit sind es bis zu 21. Und er mahnte die gesamte Belegschaft, weiter an Kostensenkungen und Qualitätsverbesserungen zu arbeiten. In diesem Zusammenhang verwies er auf den harten internen und externen Wettbewerb. Von den in diesem Jahr im Konzern verbauten bis zu 7,4 Mio. Getrieben stammen 3,4 Mio. aus Baunatal, 2,8 Mio. aus anderen Konzernwerken sowie 1,3 Mio. von Dritten. In China sei eine Verdreifachung der Jahreskapazität auf eine Mio. geplant. Die Vergabe von Aufträgen an Baunatal unterliege keinem Automatismus. „Wir müssen jeden Tag besser werden“.

Von José Pinto

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