Leitzins auf Rekordtief

EZB versorgt Banken weiterhin mit Billiggeld

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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, gab am Mittwoch die neue Zins-Entscheidung bekannt.

Frankfurt/Paris - Die EZB bleibt auf Krisenkurs und hält das Geld im Euroraum extrem billig. Es wird sogar über neue Nothilfen für Banken diskutiert. Die Währungshüter demonstrieren Handlungsbereitschaft.

Die Europäische Zentralbank (EZB) versorgt die Banken im Euroraum weiterhin mit extrem billigem Geld. Der Leitzins bleibt auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat bei seiner auswärtigen Sitzung am Mittwoch in Paris, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Der EZB-Rat tagt jedes Jahr zweimal außerhalb des EZB-Sitzes Frankfurt.

Ökonomen hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Da sich die Konjunktur allmählich erholt, gibt es keine Notwendigkeit, den rekordniedrigen Leitzins von 0,5 Prozent weiter zu senken. Allerdings wird der Zins auf absehbare Zeit auch nicht steigen - das bekräftigen Europas Währungshüter seit Juli bei jeder Gelegenheit.

Insgesamt bleibt die EZB - wie die US-Notenbank Fed - auf Krisenkurs: Die wirtschaftliche Lage in vielen Euroländern ist noch fragil, die Probleme im Bankensystem sind bei weitem nicht gelöst, und die Regierungskrise in Italien macht die Lage nicht einfacher.

Schon wird über neue Nothilfen für Banken diskutiert. Zumindest signalisierte EZB-Präsident Mario Draghi, dass die Notenbank Geldhäusern - falls nötig - eine neue Finanzspritze geben könnte. Der Italiener konstatierte Anfang vergangener Woche im Brüsseler Europaparlament, die vorzeitige Rückzahlung alter Notkredite aus den Jahren 2011 und 2012 - damals hatten sich Banken bei der EZB insgesamt mehr als eine Billion Euro für die ungewöhnlich lange Frist von bis zu drei Jahren geborgt - zeige zwar, dass „die Banken weniger abhängig von der EZB sind“. Allerdings treibe der Rückgang dieser Liquidität die Kreditraten am Markt für kurzfristige Geldleihen. Dies könnte die einsetzende wirtschaftliche Erholung abwürgen.

Unter Ökonomen ist umstritten, ob ein neuer Langfristkredit für Banken (LTRO) Sinn ergeben würde: Das drängendste Problem - die schleppende Kreditvergabe an Unternehmen - werde eine solche Maßnahme wohl kaum mildern, meint etwa Ralph Solveen von der Commerzbank. Schon bei den letzten beiden Geschäften dieser Art 2011/2012 („Dicke Bertha“) kam die Masse des billigen Geldes nicht - wie von den Währungshütern beabsichtigt - bei Unternehmen und Verbrauchern an. Stattdessen parkten Kreditinstitute das Geld bei der EZB.

Mit einer schnellen Entscheidung zu einem neuen Langfristkredit rechnen Volkswirte nicht, die EZB wolle vor allem Handlungsbereitschaft demonstrieren. Weichen stellen könnte die EZB dagegen schon bald in Sachen Transparenz: Bis zu diesem Herbst sollten Vorschläge erarbeitet werden, in welcher Form die Protokolle der Ratssitzungen veröffentlicht werden könnten. Bislang liegen die Protokolle 30 Jahre lang unter Verschluss.

dpa

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