Lektionen im Loslassen

Tausende Abiturienten erwarten jeden Sommer sehnsüchtig ihre Studienplatzzusage. Flattert diese ins Haus, beginnt für sie ein neuer Lebensabschnitt – und für die Eltern gleich mit. Denn mitzuerleben, wie die Kinder aus dem Haus ausziehen, ist für viele eine große Veränderung.

„Sie sollten sich Zeit nehmen, um darüber nachzudenken, was es für sie bedeutet, dass ihr Kind auszieht“, rät Ulrich Gerth, Vorsitzender der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung in Fürth. Beim Loslassen hilft, mit dem Partner Pläne zu machen, ein neues Hobby zu suchen oder alte Freundschaften zu vertiefen.

Der Schritt falle insbesondere jenen Eltern schwer, deren einziges oder letztes Kind auszieht: „Viele Eltern sprechen von einem großen Einschnitt, einer Lücke, die ihr Kind hinterlässt“, sagt Elmar Basse, Psychologe in Hamburg.

Heiko Schäfer aus Berlin ist so ein Nesthäkchen. Im Sommer zieht er als letztes von drei Kindern aus und geht zum Studium nach Zittau. Mit Heiko werden sie in diesem Sommer das vorerst letzte Mal in den Urlaub nach Dresden fahren. „Bei dieser Gelegenheit sehen wir uns auch gleich die neue Wohnung in Zittau an und unterschreiben den Mietvertrag“, erzählt seine Mutter Sabine. Oft verlangen die Vermieter eine Bürgschaft der Eltern. Ausgesucht habe Heiko die Wohnung aber alleine.

Dass sich die Eltern bei der Suche nach einer Bleibe im Hintergrund halten, rät auch Carola Hettstedt vom Landesverband Thüringen des Deutschen Familienverbandes. „Die Wohnungssuche ist einer der ersten Schritte, die junge Erwachsene in ihrem selbstständigen Leben gehen.“ Dazu gehörten auch Details: „Die Kinder sollten ruhig eigenständig ausrechnen, wie viel Geld sie jeden Monat benötigen.“ Sind Eltern unsicher, wie viel sie ihrem Nachwuchs monatlich zahlen sollen, können sie sich am BAföG-Höchstsatz orientieren, empfiehlt Hettstedt.

Eltern sollten sich aber dazu zwingen, ihren Kindern nicht alles hinterher zu tragen. „Ihnen sollte schon klar sein, dass sie nun weitgehend auf eigenen Beinen stehen müssen“, erklärt Ulrich Gerth. Zurückhaltung sei auch beim Kontakthalten gefragt. „Von Verpflichtungen wie jeden Sonntag anrufen zu müssen, rate ich strikt ab“, warnt Gerth. (tmn)

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