Jörg Teibach – vom Karosseriebauer zum Geigenbauer aus Leidenschaft

Aus Liebe zur Musik

Arbeit mit Geduld und Fingerspitzengefühl: Etwa 120 Stunden braucht Geigenbauer Jörg Teibach für ein Instrument. Foto: Koch

Kassel. Am liebsten sind ihm Fichten aus den Dolomiten. Auf dem kargen Boden wachsen die Bäume langsam. Ihr Holz ist leicht und fest. Jörg Teibach arbeitet daraus die Decken für seine Geigen.

Fichte für die Oberseite, Bergahorn für Hals, Boden und die Zargen, die Flanken des Instruments, Ebenholz für das Griffbrett: Der Geigenbau ist anspruchsvoll. Er fordert gutes Material, sorgfältige Arbeit – und Zeit. Etwa 120 Stunden braucht Teibach in seinem Kasseler Atelier für ein Instrument.

Weitere 20 Stunden verlangt die Lackierung. Ein Dutzend Schichten werden auf das Holz aufgetragen. Teibach arbeitet mit einem ätherischen Öl-Lack, der mit Pigmenten der Krapp-Wurzel angerührt wird. Die leuchtkräftige Mischung, die sich mit einem warmen, rötlichen Ton über das Holz legt, beeinträchtigt am wenigsten die Resonanz der Geige und bleibt immer etwas elastisch.

Durchschnittlich fünf neue Geigen baut Teibach pro Jahr. Wer eine kauft, muss 8000 bis 10 000 Euro ausgeben. Zweites Standbein des Ein-Mann-Unternehmens ist die Reparatur klassischer Streichinstrumente. „Das verschlingt die meiste Zeit“, sagt der 42-Jährige. Er bringt es auf 60 000 bis 80 000 Euro Umsatz im Jahr – beim Geigenbau kommt die Passion vor dem Profit.

Mit neun Jahren hat Teibach, der aus Immenhausen bei Kassel stammt, begonnen Geige zu spielen. Sein Vater, ein Schreiner, sammelte alte Instrumente und reparierte sie am Küchentisch. Der Sohn machte zunächst eine Lehre als Karosseriebauer, folgte dann aber der Liebe zur Musik und studierte Geige an den Musikakademien in Kassel und Frankfurt. Damals reparierte er seine eigenen Instrumente und die seiner Kommilitionen. „Aber der Neubau einer Geige war für mich ein Rätsel. Nach einigen Jahren als Geigenlehrer und Musiker in klassischen Ensembles wollte der Nordhesse genau das wissen: An der Berufsfachschule für Musikinstrumentenbau im bayerischen Mittenwald lernte er Geigenbau. Dreieinhalb Jahre dauerte die Ausbildung.

Am Anfang einer Geige stehen massive Holzplatten für Decke und Boden. Aus ihnen wird die Wölbung herausgearbeitet. Erst dann beginnt die Arbeit an der Innenseite. Die Seitenteile werden gehobelt und dann nass an einem heißen Biegeeisen geformt. Die Form der Geige ist im wesentlichen immer gleich – der typische Klang des Streichinstruments verlangt einen bestimmten Korpus. Teibach nimmt die Formen auf, mit denen die alten Meister Stradivari, Amati und Guarneris vor Jahrhunderten Maßstäbe gesetzt hatten.

Eingespielt

Gute Geigen haben nicht nur ihren Preis, sie wollen auch behandelt werden wie Schätzchen. Wer die Töne unsauber spielt, zerstört die Fähigkeit des Holzes, frei zu schwingen. Die Geige klingt nicht mehr. Neue Geigen müssen von ihrem Musiker sorgfältig eingespielt werden. Doch Teibach greift nicht nur beruflich zum Instrument: In seiner Freizeit spielt er in einem Jazz-Ensemble Geige.

Von Barbara Will

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