Arbeitsplätze in Gefahr?

Gewerkschaften kritisieren Linde-Aufsichtsratschef Reitzle

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Mehrere Hundert Mitarbeiter des Industriegase Herstellers Linde-AG demonstrieren gegen geplante Linde-Praxair-Fusion.

München - Linde-Beschäftigte haben am Donnerstag an mehreren deutschen Standorten gegen die geplante Fusion mit dem US-Gasekonzern Praxair protestiert.

Sie fürchten den Verlust tausender Arbeitsplätze und der Mitbestimmung. Bei einer Kundgebung vor der Linde-Konzernzentrale in München kritisierte der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler den Linde-Aufsichtsratsvorsitzenden Wolfgang Reitzle: „Wenn Herr Reitzle die Fusion mit seiner doppelten Stimme im Aufsichtsrat durchpeitschen will, ist das ein Vorgang, der seinesgleichen sucht. Es kann keine Fusion gegen den Willen der Beschäftigten geben.“

Linde-Aufsichtsratsmitglied Xaver Schmidt von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sagte in Hannover, Linde sei hochprofitabel und brauche Praxair nicht. Das deutsche Unternehmen „eignet sich nicht für Monopoly-Spielchen seines Aufsichtsratsvorsitzenden“. Nach einer Fusion seien massive Stellenstreichungen zu erwarten.

Linde teilte dagegen mit, das Zusammengehen würde die Arbeitsplätze sicherer machen, „wenn wir wettbewerbsfähiger, innovativer und erfolgreicher sind“. Für die meisten Arbeitnehmer würde sich im Alltag nichts ändern.

In Deutschland beschäftigt Linde 8000 Mitarbeiter an 31 Standorten. An der Protestkundgebung vor der Linde-Zentrale in München nahmen trotz strömenden Regens rund 800 Beschäftigte teil. Sie zeigten Spruchbänder mit Sätzen wie „Die Fusion macht uns platt - für Gewinne satt“, „Sie haben uns verraten“ oder „No to Preixle“. Die Stimmung war aufgeheizt, für Reitzle gab es mehrfach gellende Pfeifkonzerte.

Aktionen liefen an über 30 Standorten in Deutschland und Europa - nicht aber in Dresden. Der Vorstand will die dortige Niederlassung mit 500 Mitarbeitern schließen, hat aber für den Fall einer Fusion eine Standort- und Beschäftigungsgarantie gegeben - für alle 8000 Linde-Mitarbeiter in Deutschland.

Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle will die Fusion möglichst noch vor der Hauptversammlung am 10. Mai über die Bühne bringen. Lesen Sie bei Merkur.de „Linde: Der Kampf um die Mega-Fusion“.

Reitzle will Linde mit dem US-Konkurrenten zum größten Gasekonzern der Welt verschmelzen und so ein geschätztes Einsparpotenzial von einer Milliarde Euro heben. Praxair-Chef Steve Angel soll das neue Unternehmen dann aus den USA führen. Die Konzernholding soll in Irland angesiedelt werden, das würde Steuern sparen und dürfte die Mitbestimmung schwächen.

Linde - Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle.

dpa

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