Lokservice aus einer Hand

Klaus Weiß

Kassel. Klaus Weiß kennt das Geschäft mit der Wartung und Reparatur von Loks wie kaum ein anderer. Der Maschinenbau-Ingenieur war viele Jahre in leitender Funktion bei namhaften Lokbauern für den Service zuständig, zuletzt als Chef der entsprechenden Abteilung im Bombardier-Werk in Kassel.

Doch irgendwann war der gebürtige Marburger, der heute mit seiner Ehefrau in Espenau (Kreis Kassel) lebt, die schwerfälligen Konzernstrukturen leid und machte sich 2005 mit seiner mgw Service GmbH & CoKG selbstständig. Mit drei Leuten fing es an.

Heute arbeiten 30 Menschen für Weiß - in Deutschland, in der Schweiz, Italien und Schweden. Sie warten und reparieren Elektroloks privater Bahnbetreiber. 120 Zugmaschinen werden von der kleinen Kasseler Firma betreut – Tendenz steigend.

mgw ist laut Weiß der einzige Hersteller-unabhängige Lokservice neben der Deutschen Bahn. Denn die Hersteller warten und reparieren nur ihre eigenen Loks. Und das auch gern, weil das Geschäft gute Margen bringt. „Unser Vorteil ist, dass wir alle Loks pflegen und schneller und flexibler sind“, sagt Weiß.

Der Erfolg gibt ihm Recht. 2009 setzte mgw 5,9 Millionen Euro um, in diesem Jahr sollen es gut acht Mio. werden. Die Ertragslage sei gut, sagt Weiß, ohne Zahlen zu nennen. Er will aber kein Wachstum um jeden Preis. „Dann hätte ich ja irgendwann ähnliche Strukturen wie in der Industrie. Das muss ich nicht haben“, sagt er. Überdies sei die Ausbildung von Service-Technikern langwierig. Und ohne absolut fachkundiges Personal funktioniere das Geschäft nicht. „Wir haben bereits Aufträge abgelehnt“, sagt er ohne Bedauern.

Von einem Wohnhaus in Kassel aus koordinieren insgesamt elf Beschäftigte den Einsatz der 20 Service-Techniker vom Nordkap bis Sizilien. In Krefeld betreibt mgw sein zentrales Ausbesserungswerk, wo Bombardier- und Siemens-Lokomotiven auf Herz und Nieren geprüft, gewartet und repariert werden. Außerdem nutzt mgw Lokhallen der Hersteller, der Bahn oder anderer Betreiber. Je nachdem wo die Lok steht, wird der Service-Standort ausgesucht – europaweit. „Die Loks kommen nicht zu uns, wir reisen ihnen hinterher“, sagt der 52-Jährige, den Mitarbeiter als kompetent, verbindlich und kollegial beschreiben. Und falls es länger dauert, bekommt der Kunde eine der beiden firmeneigenen Zugmaschinen als Ersatz.

Die Hotline in Kassel ist rund um die Uhr mit einem Techniker besetzt, der viele Defekte telefonisch und online beheben kann. Ein spezielles Programm zeigt auf Knopfdruck nicht nur, welchen Status ein Auftrag hat, sondern auch, wo genau die betreuten Loks in Europa stehen oder fahren – in Echtzeit.

Weiß gehört ein Drittel des Unternehmens. Je ein Drittel halten seine Stellvertreterin Antje Wallraff sowie der japanische Mitsui-Konzern. Der weltgrößte Lok-Verleiher fungiert als stiller Teilhaber. Er half beim Firmenaufbau, weil er für seinen Fuhrpark in Europa einen einzigen Service-Partner wollte.

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