Industrie- und Handelskammer Kassel hat mehr Geld als geplant

Luft für Beitragssenkung

Beiträge senken: IHK-Kritiker Kai Boeddinghaus

Kassel. Die Mitgliedsbetriebe der Industrie- und Handelskammer Kassel (IHK) sind offenbar besser durch die Wirtschaftskrise gekommen als angenommen – und können sich deshalb Hoffnungen auf eine Senkung der IHK-Beiträge machen.

Um insgesamt eine Million Euro im Jahr könnte die Kammer ihre Unternehmen entlasten, heißt es aus ihr nahen Kreisen. Die IHK selbst nennt keine Zahlen. Doch „wir loten die Perspektiven einer Beitragssenkung aus“, bestätigt IHK-Sprecher Thomas Rudolff. Übernächste Woche steht das Thema auf der Tagesordnung der Vollversammlung. Sie ist das Parlament der Kammer. Ein Beschluss soll im Dezember folgen. Wie viel der einzelne Betrieb spart, ist noch nicht raus.

Hatte die IHK Kassel, der rund 65 000 Mitglieder per Gesetz angehören, für 2009 noch mit einem Überschuss von 25 000 Euro gerechnet, sollen es unterm Strich tatsächlich rund zwei Mio. Euro mehr geworden sein. Für 2010 zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung ab.

Die Höhe der IHK-Beiträge richtet sich nach dem Gewinn ihrer Mitglieder. Weil deren aktuelle Bilanzen häufig nachklappen, erwartete die Kammer die Folgen der Wirtschaftskrise erst in den Jahren 2011 bis 2013 mit einem kumulierten Verlust von rund vier Mio. Euro. Doch nach neueren Prognosen wird wohl ein kleines Plus von 76 000 Euro auflaufen. Jede IHK bittet ihre Mitglieder mit einem Grundbeitrag und einer Umlage zur Kasse. Erstere beträgt bei der Kasseler Kammer 50 bis 350 Euro. Als Umlage werden bei den Nordhessen 0,29 Prozent vom Gewinn fällig, wobei Erträge bis 5200 Euro beitragsfrei sind.

Kai Boeddinghaus, IHK-Mitglied und zugleich Geschäftsführer des IHK-kritischen Bundesverbandes für freie Kammern (bffk), forderte bereits Ende 2009 eine künftige Beitragssenkung. Diese solle rückwirkend bereits 2010 einsetzen. Boeddinghaus verweist zudem auf hohe Rücklagen der IHK Kassel – allein 9,3 Mio. Euro seien frei verfügbar.

Unterschiedliche Beiträge

In Deutschland gibt es 80 Industrie- und Handelskammern. Wie viel ihre Mitglieder an sie überweisen müssen, ist höchst unterschiedlich, wie der bffk ausgerechnet hat (siehe Tabelle). Besonders stark fallen die Unterschiede bei größeren Unternehmen ins Gewicht. Ein IHK-Mitglied mit 2,8 Mio. Euro Gewinn zahlt in Frankfurt einen Jahresbeitrag von 5370 Euro. Die Kasseler verlangen 8470 Euro, die Darmstädter 13 680 Euro.

„Fläche kostet Geld“, begründet Rudolff die unterschiedlichen Beitragshöhen. Die IHK Kassel sei bundesweit die Kammer mit dem größten Einzugsgebiet. Auch würden in den hessischen Kammern Gebühren, die Mitglieder im Zusammenhang mit der Berufsausbildung zahlen, nicht kostendeckend erhoben.

Von Barbara Will

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