Piloten stimmen ab: Streik bei Lufthansa

Frankfurt/Main - Die Piloten der Lufthansa streiken. Über 90 Prozent der Mitglieder der Pilotenvereinigung Cockpit haben für den Arbeitskampf gestimmt. Ein Termin ist bereits festgesetzt.

Bei den Abstimmungen bei der Lufthansa Passage, der Frachttochter Lufthansa Cargo und Germanwings gab es eine Zustimmung zwischen 93 und 94 Prozent, wie die Gewerkschaft am Mittwoch in Frankfurt am Main mitteilte. Die Tarifkommission fühle sich mit dem Ergebnis von der Belegschaft gestärkt.

Die Vereinigung Cockpit hat die Piloten bei der Lufthansa für die kommende Woche zu einem viertägigen Streik aufgerufen. Der bundesweite Ausstand soll am Montag um Mitternacht beginnen und bis einschließlich Donnerstag dauern, wie Tarifexpertin Ilona Ritter am Mittwoch in Frankfurt mitteilte.

Vier Tage lang Chaos befürchtet

Aufgerufen sind 4.500 Kapitäne und Kopiloten in Passagier- und Frachtmaschinen sowie der Tochter Germanwings, wie die Vereinigung Cockpit am Mittwoch mitteilte. Der Ausstand beginnt in der Nacht zum Montag und soll erst am späten Donnerstag beendet werden. Damit drohen im deutschen Luftverkehr tagelang chaotische Verhältnisse. Die Lufthansa kritisierte den Streik als unverhältnismäßig.

Lufthansa-Streik: Das müssen Passagiere jetzt wissen

Flugausfälle, Verspätungen, lange Schlangen: Was Passagiere zum Pilotenstreik wissen sollten. © dpa
1.) Wann genau wird gestreikt? Begonnen hat der Ausstand der Piloten in der Nacht zum Montag, 22. Februar, um 00.00 Uhr. Beendet sein soll er nach Ankündigung von Cockpit erst am späten Donnerstagabend, 25. Februar, um 23.59 Uhr. © dpa
2.) Welche Ausmaße hat der Pilotenstreik? Die Lufthansa hat die Streichung von zwei Dritteln ihrer Flüge in dem betreffenden Zeitraum angekündigt. Von den täglich rund 1.800 Flügen starten also nur 600. © dpa
Auch Auswirkungen auf andere Länder waren schon am Montag zumindest in geringen Umfang spürbar - schließlich sind die Airports in München und Frankfurt am Main wichtige internationale Drehkreuze. © dpa
3.) Wer streikt? Aufgerufen sind 4.000 der 4.500 Piloten und Co-Piloten in Passagier- und Frachtmaschinen bei der Lufthansa sowie ihrer Tochter Germanwings. Wie viele Piloten jeweils tatsächlich streiken, ist offen. © dpa
Weil die Vereinigung Cockpit bei den Beschäftigten des Lufthansa-Kernkonzerns einen hohen Organisationsgrad hat, wurde jedenfalls eine hohe Streikbeteiligung erwartet. © dpa
4.) Was wollen die Piloten mit ihrem Streik erreichen? Sie wollen vor allem ihre gut bezahlten Arbeitsplätze im Lufthansa-Konzern schützen. Nach Darstellung der Gewerkschaft werden diese zunehmend in billigere Gesellschaften verlagert. © dpa
Ursprünglich wollten die Piloten zudem 6,4 Prozent mehr Gehalt - bei einem Stopp der Auslagerung ihrer Jobs wären die Piloten aber wohl zu einer Nullrunde bereit. © dpa
5.) Welche Rechte hat ein Passagier bei Verspätungen? Laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung können Fluggäste schon bei kürzeren Verspätungen auf Rechte pochen. © dpa
Bei Abflugverzögerungen von zwei Stunden bei Kurzstrecken, drei Stunden bei Mittelstrecken und vier Stunden bei Langstrecken muss auf Wunsch “für das leibliche und kommunikative Wohl“ des Fluggastes gesorgt werden, wie die Verbraucherzentralen betonen. © dpa
Im Klartext: Passagiere haben dann Anspruch auf kostenlose Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Faxe oder E-Mails sowie - falls nötig - Hotelübernachtungen inklusive Transfer. Wer seine Reise nicht mehr antreten will, kann bei einer mindestens fünfstündigen Flugverspätung sein Geld zurückverlangen. © dpa
6.) Was, wenn der Flug gestrichen wird? Wer am Flughafen erfährt, dass seine Verbindung gestrichen ist, hat die Wahl, den Ticketpreis erstattet zu bekommen oder sich mit einem Ersatzflug zum Ziel bringen zu lassen. © dpa
Die Fluggesellschaft muss dann eine alternative Beförderung unter gleichen Reisebedingungen und zum frühestmöglichen Zeitpunkt ermöglichen. Gegen Schadenersatz- oder Ausgleichszahlungen wehren sich die Fluggesellschaften in der Regel und verweisen oft auf die außergewöhnlichen Umstände - auch bei Streiks. © dpa
7.) Was sollten Passagiere noch tun? Sich bei einer Flugannullierung den konkreten Grund am Flughafen schriftlich bestätigen lassen. Damit können sie ihre Rechtsposition unter Umständen verbessern, falls es später vor Gericht geht. Wer sich offiziell beschweren will, muss sich dazu an das Luftfahrt-Bundesamt wenden. © dpa

In der Auseinandersetzung geht es vor allem um die Sicherung von Arbeitsplätzen, die der Konzern nach Darstellung der Gewerkschaft zunehmend in billigere Gesellschaften verlagert. Für eine Garantie wären die Piloten auch zu einer Nullrunde bereit gewesen. Dem Unternehmen reichen die Zugeständnisse aber offenbar nicht aus. Wie Konkurrenten hat die Lufthansa seit der Finanzkrise mit drastisch sinkenden Einnahmen zu kämpfen, auch weil viele Passagier billigere Klassen als früher buchen.

Gespräche bereits 2009 gescheitert

Die Gespräche mit der Lufthansa scheiterten bereits im vergangenen Jahr. Seit Mitte Januar lief die Urabstimmung. Wie die Gewerkschaft mitteilte, stimmten in allen drei betroffenen Konzernteilen die Mitglieder mit einer Mehrheit zwischen 93 und 94 Prozent für den Arbeitskampf. Der Streik wird wahrscheinlich einer der größten in der Geschichte des früheren Staatsunternehmens.

Bei einem Pilotenausstand im Jahr 2001 war das Unternehmen nur tageweise betroffen. Sollte die Gewerkschaft ihre Drohungen wahrmachen, ist mit Auswirkungen auf andere Länder und Kontinente zu rechnen. Die Flughäfen Frankfurt und München werden von vielen ausländischen Passagieren zum Umsteigen genutzt.

Internationale Auswirkungen

Lufthansa ist zudem ein führendes Mitglied der Star Alliance, der unter anderen die amerikanische United Airlines und Singapore Airlines angehören. Wegen des Streiks besteht die Gefahr, dass für deren Kunden viele Lufthansa-Anschlussflüge von Deutschland aus wegfallen. Das Unternehmen will nach eigenem Bekunden alles daran setzen, die Auswirkungen des Streiks so gering wie möglich zu halten. “Im Interesse des Unternehmens und seiner Kunden ist die Vereinigung Cockpit aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um dort eine konstruktive Lösung zu erarbeiten“, hieß es in einer Mitteilung.

Das Unternehmen habe zahlreiche Vorschläge zur Arbeitsplatzsicherung gemacht. Eine wie von der Gewerkschaft verlangte Regelung lehnt das Unternehmen aber ab. “Eine Festschreibung des heutigen Status quo, wie von der VC gefordert, würde letztlich die Reaktionsmöglichkeiten der einzelnen Airlines inklusive Lufthansa stark einschränken“, hieß es in einem Schreiben des Managements an die Piloten im Januar. Das verhindere Wachstum.

dapd/dpa

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