Lufthansa-Tarifkonflikt: Fronten bleiben verhärtet

+

Frankfurt/Main - Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber telefonierte zwar am Samstag mit dem Vorsitzenden der Pilotenvereinigung Cockpit, Winfried Streicher, die von der Fluggesellschaft gestellten Vorbedingungen für Gespräche lehnte Cockpit aber ab.

Lufthansa-Konzernsprecher Klaus Walther bestätigte den telefonischen Kontakt zwischen Mayrhuber und Streicher. Die Fluggesellschaft sei dialogbereit, wenn Cockpit vorab bestätige, “von Forderungen, die die unternehmerische Freiheit unzulässig beschränken, wie Markennutzung und Auslandsbeteiligungen, abzurücken und nicht erneut zum Gegenstand der Verhandlungen zu machen“.

Lufthansa-Streik: Das müssen Passagiere jetzt wissen

Flugausfälle, Verspätungen, lange Schlangen: Was Passagiere zum Pilotenstreik wissen sollten. © dpa
1.) Wann genau wird gestreikt? Begonnen hat der Ausstand der Piloten in der Nacht zum Montag, 22. Februar, um 00.00 Uhr. Beendet sein soll er nach Ankündigung von Cockpit erst am späten Donnerstagabend, 25. Februar, um 23.59 Uhr. © dpa
2.) Welche Ausmaße hat der Pilotenstreik? Die Lufthansa hat die Streichung von zwei Dritteln ihrer Flüge in dem betreffenden Zeitraum angekündigt. Von den täglich rund 1.800 Flügen starten also nur 600. © dpa
Auch Auswirkungen auf andere Länder waren schon am Montag zumindest in geringen Umfang spürbar - schließlich sind die Airports in München und Frankfurt am Main wichtige internationale Drehkreuze. © dpa
3.) Wer streikt? Aufgerufen sind 4.000 der 4.500 Piloten und Co-Piloten in Passagier- und Frachtmaschinen bei der Lufthansa sowie ihrer Tochter Germanwings. Wie viele Piloten jeweils tatsächlich streiken, ist offen. © dpa
Weil die Vereinigung Cockpit bei den Beschäftigten des Lufthansa-Kernkonzerns einen hohen Organisationsgrad hat, wurde jedenfalls eine hohe Streikbeteiligung erwartet. © dpa
4.) Was wollen die Piloten mit ihrem Streik erreichen? Sie wollen vor allem ihre gut bezahlten Arbeitsplätze im Lufthansa-Konzern schützen. Nach Darstellung der Gewerkschaft werden diese zunehmend in billigere Gesellschaften verlagert. © dpa
Ursprünglich wollten die Piloten zudem 6,4 Prozent mehr Gehalt - bei einem Stopp der Auslagerung ihrer Jobs wären die Piloten aber wohl zu einer Nullrunde bereit. © dpa
5.) Welche Rechte hat ein Passagier bei Verspätungen? Laut der EU-Fluggastrechte-Verordnung können Fluggäste schon bei kürzeren Verspätungen auf Rechte pochen. © dpa
Bei Abflugverzögerungen von zwei Stunden bei Kurzstrecken, drei Stunden bei Mittelstrecken und vier Stunden bei Langstrecken muss auf Wunsch “für das leibliche und kommunikative Wohl“ des Fluggastes gesorgt werden, wie die Verbraucherzentralen betonen. © dpa
Im Klartext: Passagiere haben dann Anspruch auf kostenlose Mahlzeiten, Erfrischungen, zwei Telefongespräche, Faxe oder E-Mails sowie - falls nötig - Hotelübernachtungen inklusive Transfer. Wer seine Reise nicht mehr antreten will, kann bei einer mindestens fünfstündigen Flugverspätung sein Geld zurückverlangen. © dpa
6.) Was, wenn der Flug gestrichen wird? Wer am Flughafen erfährt, dass seine Verbindung gestrichen ist, hat die Wahl, den Ticketpreis erstattet zu bekommen oder sich mit einem Ersatzflug zum Ziel bringen zu lassen. © dpa
Die Fluggesellschaft muss dann eine alternative Beförderung unter gleichen Reisebedingungen und zum frühestmöglichen Zeitpunkt ermöglichen. Gegen Schadenersatz- oder Ausgleichszahlungen wehren sich die Fluggesellschaften in der Regel und verweisen oft auf die außergewöhnlichen Umstände - auch bei Streiks. © dpa
7.) Was sollten Passagiere noch tun? Sich bei einer Flugannullierung den konkreten Grund am Flughafen schriftlich bestätigen lassen. Damit können sie ihre Rechtsposition unter Umständen verbessern, falls es später vor Gericht geht. Wer sich offiziell beschweren will, muss sich dazu an das Luftfahrt-Bundesamt wenden. © dpa

Lufthansa-Vorstand Christoph Franz erklärte, über das Thema Arbeitsplatzsicherheit könne sofort verhandelt werden, “wenn VC ihre unerfüllbaren und rechtlich unzulässigen Forderungen über die Ausweitung deutschen Tarifrechts ins Ausland fallen lässt“. Es seien keine Arbeitsplätze ins Ausland verlagert worden; “es hat noch nie einen Stellenabbau im Lufthansa Passage Cockpit gegeben, und das ist auch derzeit nicht geplant.“

Dazu erklärte die Vereinigung Cockpit, sie stehe vorbedingungslosen Gesprächen jederzeit offen gegenüber, sehe sich aber nicht in der Lage, die Vorbedingungen der Lufthansa Konzernführung zu akzeptieren. Diese stellten bereits bestehende Tarifverträge mit der Fluggesellschaft in Frage. “Es ist bedenklich, dass die Konzernspitze der Lufthansa, die von der VC in den vergangenen Monaten mehrfach um Teilnahme an Verhandlungen gebeten wurde, den nach ihren Aussagen 'größten Streik der deutschen Luftfahrtgeschichte' verantworten möchte, ohne je im direkten Dialog mit der VC-Spitze den Versuch unternommen zu haben, den Streik abzuwenden, sondern hierzu Bedingungen stellt, von denen von vornherein klar ist, dass sie unerfüllbar sind“, erklärte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hatte die Tarifparteien zuvor zu Verhandlungen aufgerufen, um den Streik, der zur Streichung von zwei Dritteln aller Flüge führen würde, doch noch abzuwenden. Als positives Beispiel verwies der CSU-Politiker auf die Einigung in der Metallbranche am Donnerstag. Zugleich warnte er vor schweren Belastungen, die im Fall des Arbeitskampfs auf die Luftverkehrswirtschaft zukämen. “Dieser Streik kommt zu einer Unzeit. Es kann nicht sein, dass die größte deutsche Flotte vier Tage lang fast komplett am Boden bleibt.“ Für die Reisenden sei das eine Zumutung - und für die Luftverkehrswirtschaft ein weiterer schwerer Schlag. “Und obendrein ein Imageverlust für eine der renommiertesten Fluglinien der Welt“, fügte der Minister warnend hinzu.

apn

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.