E10: Sechs Monate nach Einführung sind die meisten Zapfsäulen noch leer

Kassel. Bereits im Januar sollte der Ökosprit E10 flächendeckend an deutschen Tankstellen eingeführt werden. Doch ein halbes Jahr später sind viele Zapfsäulen noch leer. Wo bleibt das Benzin, in dem bis zu zehn Prozent Bioethanol stecken?

Klaus Picard, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes, kann darauf keine Antwort geben. Stattdessen reagiert er gereizt: „Bei Ihnen ist wohl das Sommerloch ausgebrochen. E 10 ist doch kein Thema.“

Eine Übersicht über Tankstellen mit Biosprit hat der Verband, über den Mineralölkonzerne und freie Tankstellen organisiert sind, nicht. Die Verkaufszahlen ließen sich zudem nur grob einschätzen. In Regionen, in denen E 10 angeboten wird, lag dessen Marktanteil in den ersten vier Monaten des Jahres bei 20 und 30 Prozent. Wie hoch der Anteil am Gesamtabsatz von 6,2 Mio. Tonnen Ottokraftstoff im selben Zeitraum lag, weiß niemand, weil die E10-Grenzen zum Teil durch Kreise verlaufen. Eine befriedigende Zahl? „Natürlich nicht“, sagt Picard.

Beim ADAC reagiert man auf die Frage erfreut: „Das ist ein sehr gutes Thema.“ ADAC--Experte Wolfgang Steichele fasst zusammen: „Die Einführung verläuft schleppend, in der Mitte Deutschlands ist er kaum zu haben.“

Detlef Brandenburg, Aral-Pressesprecher, bestätigt: „In Nordhessen und Südniedersachsen ist E10 an unseren Tankstellen noch nicht erhältlich. Ändern soll sich das bereits ab August und spätestens zum Jahresende sind alle Zapfsäulen umgerüstet“, verspricht er. Die Absatzzahlen von E 10 möchte er dann doch nicht kommentieren. „Wir können und wollen den Verbrauchern nicht vorschreiben, was sie zu tanken haben.“

Auch Total hat den Biosprit noch nicht überall eingeführt, wie Pressesprecher Burkhard Reuss erklärt: „ Bei der Umrüstung schauen wir aus logistischen Gründen auch auf unsere Mitbewerber.“

Die Bild-Zeitung berichtete kürzlich, dass die Mineralölkonzerne einen zweiten Anlauf planen: Bis Ende des Jahres soll es das Benzin demnach im ganzen Land geben – allerdings als preisgünstigste Variante. Klaus Picard weiß nichts von solchen Plänen: „Das halte ich für Blödsinn. Benzinpreise entstehen schließlich nicht nach Gutsherrenart.“

Der ADAC betont, dass die Debatte über den Sinn alternativer Kraftstoffe nicht beendet werden dürfe. Geplant sei, erneut das Gespräch mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik zu suchen – Termin noch unbekannt.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.