Drei Stiftungen wachen über das Vermögen des Handelsriesen

Machtkampf bei Aldi-Nord - Familien streiten

Schleswig. Erben des Gründers einer der größten Discounter-Ketten Deutschlands, Aldi Nord, streiten vor Gericht um Geld und Einfluss. Nun hat der sonst zurückgezogen lebende Theo Albrecht junior die Familie seines Bruders öffentlich kritisiert. Nicht involviert ist die Familie von Karl Albrecht und Aldi Süd.

Nach dem plötzlichen Tod des Nord-Gründer-Sohns Berthold Albrecht 2012 kämpfen Mitglieder aus dessen Familienzweig um möglichst viel Kontrolle in der Jakobusstiftung. Vor dem Verwaltungsgericht Schleswig erstritten sie im Januar zunächst in erster Instanz die Chance auf mehr Einfluss in der Institution und damit auch in dem Essener Unternehmen. Das Gericht kippte aus formalen Gründen eine Satzungsänderung aus dem Dezember 2010. Sie hätte der Seite des verbliebenen Gründer-Sohns Theo Albrecht junior mehr Mitsprache bei der Besetzung des Stiftungsvorstands eingeräumt – und somit auch bei den Ausgaben der Stiftung. Gemeinsam halten drei Stiftungen mit den christlichen Namen Markus-, Lukas- und Jakobusstiftung 100 Prozent des Kapitals, der Stimmen sowie der Anteile des Handelsriesen, der 2014 deutschlandweit etwa zwölf Milliarden Euro umsetzte.

Nun hat sich Theo Albrecht selbst geäußert, noch bevor das Oberverwaltungsgericht (OVG) Schleswig über die Zulassung des Antrags auf Berufung in diesem Fall entschieden hat. Im Magazin Stern attackiert der sonst so öffentlichkeitsscheue Milliardär die Familie seines toten Bruders – Witwe Babette und fünf Kinder.

„Ich bin sehr traurig darüber, dass Babette und ihre Kinder das Testament und die Stiftungssatzung ihres Ehemanns nicht akzeptieren wollen und diese bekämpfen“, zitiert der Stern Theo Albrecht. Der 65-Jährige wolle demnach gegen eine mögliche „Selbstbedienung am Vermögen“ der Stiftung vorgehen.

Die Jakobusstiftung mit Sitz in Nortorf ist laut schleswig-holsteinischem Stiftungsverzeichnis unter anderem für Zuwendungen für die Sicherung eines angemessenen Lebensunterhaltes“ da. Dem Stern teilt Theo Albrecht nun schriftlich mit: „Der Name Albrecht verpflichtet zu einem bescheidenen Lebensstil.“ Außerdem betont er: „Das Unternehmen steht immer an erster Stelle. Auch unsere Familien müssen sich unterordnen.“

Vor Gericht hatte die Seite Berthold Albrechts argumentiert, „der Satzungszweck der Stiftung liege allein in der materiellen Förderung der Destinatäre“ – vor allem zugunsten von Babettes Vierlingen (Jahrgang 1990) und eines weiteren Mädchens (geboren 1992).

Auch sonst scheint das Vertrauen zerstört. So wirft die Berthold-Seite der Theo-Seite vor, ein aus dem Vorstand der Jakobusstiftung inzwischen ausgeschiedener Notar habe unzulässigerweise 10,5 Millionen Euro für die Testamentsvollstreckung verlangt. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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