Machtkampf bei VW: "Es kann nur einen geben"

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Nur einer wird bleiben: Im Machtkampf bei Volkswagen scheint das Tischtuch zwischen dem Vorstandschef Martin Winterkorn (67, links) und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch (77) zerschnitten.

Im Konflikt bei Volkswagen gibt es viel Rückhalt für Vorstandschef Martin Winterdorn, doch mehr spricht für den Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch. Eine Analyse.

Scheinbar unbeeindruckt von der Kritik des VW-Patriarchen Ferdinand Piëch (77) hat VW-Vorstandschef Martin Winterkorn (67) gestern seinen Auftritt auf der Hannover Messe absolviert. Die Frage eines NDR-Redakteurs nach seiner Zukunft soll er lachend mit „es gibt eine“ beantwortet haben. Winterkorn, dem der Ruf vorauseilt, sich selbst penibel um die Details der Fahrzeuge zu kümmern, wirkte „gelöst“, verlautete gestern aus seinem Umfeld.

Liegt es daran, dass sich mit der Arbeitnehmerseite, den Vertretern von Niedersachsen und Piëch-Cousin sowie VW-Großaktionär Wolfgang Porsche im Aufsichtsrat eine starke Allianz um ihn formiert hat? Oder liegt es an Winterkorns Abgeklärtheit und dem Wissen darum, dass einer von beiden gehen muss?

„Es wird einer auf der Strecke bleiben - und das wird nicht Ferdinand Piëch sein“, sagte gestern Piëch-Biograf Wolfgang Fürweger. Am Ende hätten sich „die Familienbande Porsche-Piëch noch immer durchgesetzt. Es geht ums Geschäft, ums Geld.“ Piëch ist zu klug, um solch einen Vorstoß ohne einen Trumpf in der Hinterhand zu wagen.

Zwar hatte selten ein von Piëch angezählter Manager einen solchen Rückhalt im Aufsichtsrat. Und: Für eine Absetzung Winterkorns müsste dieser sich laut Aktiengesetz eine „grobe Pflichtverletzung“ geleistet haben oder „unfähig zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung“ sein. Laut Mitbestimmungsgesetz müssten für sein Aus 14 der 20 Aufsichtsräte stimmen. Käme es zu einer Abstimmung und wertet man die jüngsten Lippenbekenntnisse als Stimmen, stünde es zwölf zu acht für Winterkorn. Aber wie stabil ist die Allianz hinter Winterkorn? Auch bei der Ablösung von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking 2009 schwankte der Porsche-Clan hin und her. Dann setzte sich Piëch durch.

Winterkorn hat in den vergangenen sieben Jahren eine perfekte Performance hingelegt (siehe Grafik). Er ist ein hervorragender Ingenieur, ein Workaholic, aber es wird ihm auch nachgesagt, dass ihm die Visionen für die Weiterentwicklung des Konzerns fehlen würden. Kurzum: Winterkorn steht dafür Vorhandenes zu optimieren, zu expandieren und Volumen zu steigern. Doch ohne Neuentwicklungen stößt eine derartige Strategie schnell an Grenzen.

Oder geht es einzig um die Frage, wer nach Piëch den Vorsitz im Aufsichtsrat übernimmt? Über Wochen hielt sich die Spekulation, dass es seine Frau Ursula sein würde. Das hat er zwar bereits dementiert. Aber über sie hätte der Patriarch noch weit über das Ende seiner Amtszeit 2017 hinaus mitsprechen können. Über ein Wirtschaftsmagazin soll im Wolfsburger Betriebsrat angefragt worden sein, wie die Stimmung für diese Personalie wäre. Frau, Quote - hätte gepasst. Geäußert hat sich der Betriebsrat nicht. Und Winterkorn hätte dafür auf den Vorsitz verzichten müssen. Vielleicht wollte er das nicht.

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