Messtechnik-Hersteller will nach „Katastrophenjahr 2009“ zurück in die Gewinnzone

Mahr kämpft sich aus Krise

Hochpräzise: Marcel Gail stellt eine Hochleistungsmessanlage ein. Die Produkte der Göttinger Mahr GmbH kommen weltweit in Fertigungsprozessen zum Einsatz. Die Exportquote liegt bei rund 70 Prozent. Fotos: Mahr/nh

Göttingen. Der Göttinger Messtechnik-Spezialist Mahr hat das schlimmste Jahr seiner neueren Geschichte hinter sich, blickt aber mit Zuversicht nach vorn. „Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt und erwarten, mit anziehender Nachfrage Marktanteile zu gewinnen“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter der weltweit tätigen Gruppe Thomas Keidel, am Donnerstag am Firmensitz.

2009 war der Umsatz des Herstellers von Präzisionsmessanlagen krisenbedingt um 40 Prozent auf 115 Millionen Euro eingebrochen. Unterm Strich erlitt Mahr einen Verlust von mehr als 15 Millionen Euro. Genaue Zahlen mochte Keidel nicht nennen, betonte aber, dass das Unternehmen die Krise aus eigener Kraft bewältigt habe.

60 Prozent des Umsatzes macht Mahr mit der von der Krise besonders gebeutelten Autoindustrie, weitere 20 mit dem ebenso betroffenen Maschinenbau.

„Das war ein Katastrophenjahr“, sagte Keidel. In der Folge verkaufte Mahr ein Werk im Saarland mit 55 Beschäftigten. Besonders bluten mussten ausländische Standorte, an denen insgesamt fast 200 Stellen wegfielen.

Der Firmensitz kam auch dank Kurzarbeit und eines breit angelegten Sparprogramms, das 32 Mio. Euro brachte, glimpflich davon. Die Stammbelegschaft von 700 Beschäftigten wurde gehalten, arbeitet aber immer noch zu 20 Prozent kurz. „Das war ein gemeinsamer Kraftakt von Beschäftigten, Betriebsrat und Geschäftsleitung“, sagte Keidel. Die Arbeitnehmer verzichteten unter anderem auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld, führende Mitarbeiter auf Boni.

Für 2010 erwartet Keidel einen Umsatz von mindestens 130 Mio. Euro sowie ein leicht positives Ergebnis. Zuviele Unwägbarkeiten sind noch im Spiel. So weiß derzeit niemand, ob der aktuelle Aufschwung von Dauer ist, und Lieferengpässe etwa bei elektronischen Bauteilen könnten auch bei Mahr das angestrebte Wachstum bremsen.

Der Spezialist für Fertigungsmesstechnik wie sie etwa Hersteller von Motoren und Komponenten benötigen, hat das Krisenjahr mit bis zu 40 Prozent Kurzarbeit in der Spitze genutzt, seine Marktposition weiter zu verbessern. Produktionsprozesse wurden optimiert, Mitarbeiter geschult, der Service ausgebaut, neue Produkte entwickelt und neue Märkte etwa in der Medizintechnik erschlossen.

Beim Auftragseingang verspürt das Unternehmen gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 30 Prozent. „Wir müssen auch wachsen, sonst können wir die Beschäftigung nicht halten“, sagte Keidel. Bis Mitte 2011 gilt ein Beschäftigungspakt, der betriebsbedingte Kündigungen ausschließt, außerdem kann Mahr noch bis Februar kurzarbeiten. „Wir wollen die Belegschaft halten und erwarten aus heutiger Sicht keinen Abbau“, betonte Mitgeschäftsführer Stephan Gais.

Mahr sieht sich bei komplexer Fertigungsmesstechnik weltweit auf Platz drei nach Mitutoyo (Japan) und Hexagon (Schweden). Außerdem stellen die Göttinger kleine Messgeräte, so genannte Handmesstechnik, sowie Spinnpumpen für die Produktion von Kunstfasern her.

Von José Pinto

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