Analyse: Rating-Agentur mahnt USA zum Handeln –Warnschuss für Obama

Mehr als eine Demütigung

Droht den Amerikanern nach der Ankündigung einer Abwertung durch die Rating-Agentur Standard & Poor´s (S & P) eine Schuldenkrise? Die Investoren meinen ja und reagierten am Montag heftig auf den Warnschuss von S & P. Sie zogen ihr Geld aus Aktien ab und trieben den Goldkurs hoch. Die Feinunze (rund 31 Gramm) kostete gestern 1495 Dollar (1047 Euro).

Finanzanalysten hingegen warnen vor Panik: Die Lage der weltgrößten Volkswirtschaft sei nicht vergleichbar mit jener der Euro-Sorgenkinder. Ein Grund: Die USA sind ein Nationalstaat, der eigenes Geld drucken kann.

Somit können die USA zwar faktisch nicht pleite gehen. Würde aber die US-Notenbank erneut Geld drucken, käme dies einer Kapitulation der Politik Barack Obamas vor den Problemen des Landes gleich und wäre ökonomisch riskant. Denn die USA leben seit Jahren über ihre Verhältnisse (Hintergrund).

Mit dem Geld der Notenpressen ließen sich zwar Gläubiger bezahlen, aber solch ein Akt würde die Inflation befeuern. Der Dollar würde an Wert verlieren. Dies würde US-Anleihen wertloser machen – zum Ärger der Gläubiger. Denn sie haben dem Staat harte Dollars gepumpt, bekämen aber nur weiche zurück.

Folglich würden sie ihr Geld aus den Anleihen abziehen, da die USA als Schuldner nicht mehr vertrauenswürdig wären. Künftig müssten die USA mehr Zinsen für neue Kredite zahlen. Dies könnte nach Expertenmeinung das zaghafte US-Wirtschaftswachstum abwürgen.

Ökonomisch wäre das gefährlich, politisch eine Demütigung. Denn Vertrauen ist das letzte Pfund, mit dem die Amerikaner noch wuchern können. Dieses scheint bereits zu leiden, denn Anleger steigen seit Montag auf Bundesanleihen um. Deutschland wäre somit Profiteur. Je größer die Nachfrage nach Bundesanleihen ist, desto weniger Zinsen muss Deutschland zahlen.

Deutschland zahlt weniger

Nach dem Warnschuss hatte es einen Run auf deutsche Anleihen gegeben. Die Zinsen fielen bis auf 3,23 Prozent, nachdem sie zu Handelsbeginn mit 3,4 Prozent starteten. Dass heißt, die Bundesrepublik zahlt weniger Zinsen – bei einem Schuldenberg von 2000 Mrd. Euro senkt jeder Prozentpunkt weniger Zinsen die Kosten um 20 Mrd. Euro pro Jahr.

Bundesanleihen sind nur eine Seite der Medaille. Für die deutsche Wirtschaft würde es bei einem weichen Dollar schwierig Waren in die USA zu verkaufen, denn die Amerikaner könnten sich keine teuren Euro-Produkte mehr leisten. Verliert das Export-Wachstum an Dynamik, träfe es die deutsche Automobilindustrie und die Maschinenbauer, so Deutsche-Bank-Analyst Reto Schemm-Gregory. Foto: dpa

Von Martina Wewetzer

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