Kunde ist künftig besser vor Preiserhöhungen geschützt

Mehr Rechte bei Urlaub per Klick: EU baut Schutz für Reisende aus

Mehr Rechte für Urlauber: Wer seine Reisen im Internet zusammenwürfelt und dabei eines der großen Portale benutzt, kann künftig auf die gleichen Rechte setzen wie derjenige, der ein Reisebüro beauftragt. Im Bild der Hafen von Cala Figuera auf der spanischen Insel Mallorca. Foto: dpa

Dass aus einem Traumurlaub ein Albtraum werden kann, erfahren Urlauber immer wieder. Bisher blieben viele auf ihren Kosten sitzen, weil sie ihre Tour im Internet gebucht hatten.

Das wird jetzt anders. Ab 2017 haben alle die gleichen Rechte. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ändert sich, wenn man seinen Urlaub im Internet selbst zusammenstellt? 

Zwar werden über 30 Prozent aller Urlaube per Mausklick gebucht, aber die Pauschalreise-Richtlinie der EU war in diesem Fall nicht gültig. Ein Beispiel: Der Kunde bucht im Netz erst einen Flug. Dann wird er gefragt, ob er auch ein Hotel braucht und zum Schluss geht es auch noch um einen Mietwagen. In diesen Fällen war man bisher nicht geschützt, wenn ein Anbieter insolvent wurde. Nun gibt es einen Rechtsanspruch, auch im Fall eines Konkurses nach der Reise-Buchung aufgefangen zu werden.

Was gilt denn als Pauschalreise? 

Die Pauschalreise (zwei Wochen Balearen, inklusive Flug, Hotel, Transfer und Ausflügen) wird nun durch die verbundene Reiseleistung von Portalen wie Expedia oder Opodo ergänzt. Sie umfassen Hotel oder Pension, Beförderung, Auto-Vermietung oder Verleih von Fahrrädern. Das heißt aber auch: Eine Reiseversicherung zählt nicht dazu wie andere zusätzliche Leistungen – etwa der Transfer vom Flughafen zum Hotel oder die Benutzung von Sauna und Fitnessraum im Hotel.

Was ist mit Sprach- oder Konzertreisen? 

Tatsächlich sind Sprachurlaube von der Richtlinie ausgenommen. Eintrittskarten für Konzerte, Sportveranstaltungen, Ausflüge oder Vergnügungsparks werden von den neuen Vorschriften nur dann erfasst, wenn die Kosten für solche Eintrittskarten mindestens 25 Prozent des Reisepaketes ausmachen.

Was ändert sich für den Pauschalreisenden? 

Im Kleingedruckten hielten Unternehmen bislang fest, dass Preiserhöhungen an den Kunden weitergegeben werden konnten, nicht aber Preissenkungen (zum Beispiel für Flugkerosin). Wer sich künftig das Recht vorbehalten möchte, Preiserhöhungen an den Kunden weiterzugeben, wird verpflichtet, dies auch bei Preissenkungen zu tun.

Müssen deutsche Urlauber fürchten, dass die bisherige Pauschalreisen-Gesetzgebung nun verwässert wird? 

Nein. Es bleibt bei wichtigen Rechten für Kunden. Dazu zählt zum Beispiel die Möglichkeit von einer Reise, die einem bei einer Kaffeefahrt aufgeschwatzt wurde, bis zu zwei Wochen nach Abschluss zurückzutreten.

Schützen die EU-Vorschriften, wenn die angebotene Leistung nicht mit dem Gebuchten übereinstimmt? 

Ja. Wenn man statt im gebuchten Vier-Sterne-Hotel im Zwei-Sterne-Haus untergebracht wird, kann der Reisende nachträglich eine Reduzierung oder Erstattung verlangen. Außerdem werden die Anbieter verpflichtet, schwerwiegende Mängel (Insektenbefall oder kaputte Möbel) unverzüglich zu beheben. Tun sie das nicht, bekommt der Kunde das Recht, die Probleme beseitigen zu lassen und dies dem Unternehmen in Rechnung zu stellen.

Gibt es auch einen Haken bei der neuen Richtlinie? 

Ja. Die hiesigen Bestimmungen sehen ein Rücktrittsrecht vor, wenn sich der Preis einer Pauschalreise zwischen Buchung und Abflug um fünf Prozent oder mehr erhöht. Im verabschiedeten Richtlinien-Entwurf sind es nun acht Prozent.

Roaming-Gebühren entfallen 2017

Urlauber und Gelegenheitsreisende müssen ab Mitte 2017 keine Extragebühren für die Handynutzung im EU-Ausland mehr zahlen. Das hat das Europaparlament in Straßburg gestern beschlossen. Es gibt aber eine Einschränkung: Wer dauerhaft eine günstigere SIM-Karte aus dem Ausland daheim nutzt, dem kann sein Anbieter auch weiterhin Extrakosten aufbrummen. Welche Kontingente an SMS, Telefonminuten und Daten frei bleiben müssen von den Roaming-Aufschlägen, wird die EU-Kommission noch ausarbeiten.

Das Parlament hat auch neue Regeln zur Steuerung des zunehmenden Datenverkehrs im Internet beschlossen (Netzneutralität). Niemand soll sich seine Vorfahrt im Internet erkaufen dürfen, legt die Verordnung fest. Kritiker fürchten aber eine Einschränkung der Netzneutralität durch schwammige Formulierungen. (dpa)

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