Toyoda, der schüchterne Vorstandschef von Toyota, vor dem Kongress – ein Porträt

„Mein Mitgefühl gehört ihnen“

Über sieben Stunden dauerte die Anhörung vor dem US-Kongress, der sich Aiko Toyoda stellen musste. Foto: ap

Washington. Große Worte macht Aiko Toyoda nicht. Der Präsident des weltgrößten Autokonzerns Toyota, der sich für ein 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring hinter das Steuer setzt, steht nicht gern in der Öffentlichkeit.

Mittwoch (Ortszeit) blieb sie ihm nicht erspart. Da musste sich der schüchterne Toyoda (53), über dessen Privatleben fast nichts bekannt ist, in den USA wegen der Pannenserie der harschen Kritik von den Mitgliedern des US-Kongresses stellen. Mit Aussagen wie „Toyota hat Beschwerden ignoriert oder kleingeredet“, „Toyota hat vor den Kunden versagt“, mit denen ihn Edolphus Towns, Vorsitzende des US-Untersuchungsausschusses, anklagte, wurde er abgestraft.

Mittlerweile hat der Autobauer weltweit 8,5 Millionen Fahrzeuge zurückgerufen, den Löwenanteil auf dem US-Markt, wo sich der Konzern über Jahre auf den zweiten Platz in der Beliebtheit vorgearbeitet hatte. 34 Todesfälle soll es in den USA durch unkontrolliert beschleunigende Toyota-Modelle gegeben haben. Nun haben die Amerikaner ihren Schuldigen – Toyoda, Prinz aus der Gründerfamilie der japanischen Autodynastie – quasi auf der Anklagebank.

Späte Entschuldigungen

Dabei gilt Toyoda, der Autosport und Hockey liebt, mehr als Mannschaftsspieler, denn als Kapitän. Im Juni 2009 hat der Toyota-Verwaltungsrat den Juristen zum Präsidenten gewählt. Vor dem US-Kongress hat er nun seine Pflicht erfüllt, hat sich entschuldigt. Jeder Tote und jeder Verletzte tue ihm leid. „Mein Mitgefühl gehört ihnen vom Grunde meines Herzens.“ Die Sicherheit der Kunden habe oberste Priorität. Späte Einsichten, zu späte Entschuldigungen.

Bei all den Gesten des Bedauerns, die bei der Anhörung zu sehen sind, wirkt er von dem Schlamassel überfordert. Mit 53 wurde er früh auf das Schild des Autokonzerns gehoben. Und nun sahen die Alt-Vorstände zu, wie aus den Pannen Krisen wurden.

Toyoda wurde von seiner Familie zur Führungsfigur aufgebaut, doch seinen Erfolg auf diesen Bonus zurückzuführen wäre falsch. Toyoda kennt den Konzern: Gestartet ist er am Fließband, er arbeitete im Handel und im Rechnungswesen. Es folgten Produktion und China-Geschäft. Das Rüstzeug für den Kapitalmarkt holte er sich nach dem Studium als Investmentbanker bei der heutigen Investmentbank Merrill Lynch.

Doch statt Rückendeckung der Alten, Anklagen aus den USA wegen einer Präsentation aus vergangenen Tagen, in der sich der Autobauer damit rühmt, vor drei Jahren durch gute Lobby-Arbeit einen massiven Rückruf verhindert zu haben. Vermutlich würde Toyoda derzeit das Steuer eines Rennwagens vorziehen – das scheint weniger gefährlich als sein Vorstandssessel.

Von Martina Wewetzer

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