Liebe zur Marke währt bis heute

Mercedes in Kassel: Werkleiter Ludwig Pauss hat Standort fit gemacht

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Wechselt nach zwölf Jahren in Kassel in den selbst gewählten vorzeitigen Ruhestand: Ludwig Pauss. Am 6. Dezember wird der 60-Jährige verabschiedet. Er hat den Standort mit dem gesamten Team fit für die Zukunft gemacht. Fotos:

Kassel. Seine Liebe zu Mercedes entdeckte der heutige Werkleiter in Kassel, Ludwig Pauss, als Kind. Während eines Besuchs im Irak, wo sein Vater Brücken über baute, beeindruckte ihn dieser mit der Querung einer Furt mit einem Mercedes.

Das schaffte seinerzeit neben dem Mercedes nur der geländegängige Landrover. Limousinen anderer Fabrikate soffen ab.

Diese Liebe zur Marke währt bis heute, und der scheidende Leiter des Mercedes-Benz-Achsenwerks in Kassel wird sie auch im Ruhestand pflegen. Denn daheim in Essen-Kettwig warten neben seiner Ehefrau seine Oldtimer-Schätzchen: ein Mercedes 220er-Coupé von 1965, ein ausgewachsener Bus von 1968, ein VW-Campingbus von 1984 und ein Porsche 911. Am 6. Dezember ist Schluss, dann wechselt der „Macher mit Herz“, wie ihn langjährige Weggefährten nennen, in den selbst gewählten, vorzeitigen Ruhestand. Sein Nachfolger wird Prof. Dr. Frank Lehmann, der zum 1. Dezember nach Kassel kommt.

2005 kam Pauss, der gelernte Kfz-Mechaniker und Maschinenbauingenieur, als Bereichsleiter für die Produktionsplanung ins nordhessische Kassel, wurde nach einem Jahr Produktions- und stellvertretender Werkleiter und übernahm 2011 die alleinige Führung. In dieser Zeit machte der 60-Jährige den Standort fit für die Zukunft und positionierte ihn als Leitwerk für Lkw-, Bus-, Transporter- und Van-Achsen im weltweiten Konzern-Produktionsverbund.

Aber der leidenschaftliche Hobbykoch und Modelleisenbahner, der künftig mehr Zeit mit Ehefrau und den beiden erwachsenen Kindern verbringen will, ist keiner, der Lob für sich reklamiert. „Wir sind erfolgreich, weil das Team klasse ist“, sagt Pauss, dessen Bescheidenheit und Bodenständigkeit nie aufgesetzt wirken.

Während seiner Ära sind viele alte Zöpfe abgeschnitten, Innovationen vorangetrieben und Abläufe gestrafft worden. Mit dem Resultat, dass der Standort mit seinen fast 3100 Mitarbeitern den Zuschlag für alle wesentlichen neuen Produkte bekommen hat und damit auf viele Jahre gesichert ist. Aber der hemdsärmelige Manager mahnt, in den Anstrengungen zur Effizienzsteigerung nicht nachzulassen. Man müsse jeden Tag an sich arbeiten, „sonst holt einen der Wettbewerb schnell ein.“

Keine Männerdomäne: Frauen sind in der Mercedes-Benz-Achsmontage gern gesehen. Unser Foto zeigt Bahar Celik bei ihrer Arbeit.

Wie gut das Werk dasteht, sagte einst der Chef der weltweiten Antriebstrang-Aktivitäten, Dr. Frank Reintjes. „Wenn ich an Kassel denke, kann ich ruhig schlafen“, gestand er während einer Feier. Ein Lob, das kaum zu toppen ist. Qualität, Leistung, Ergebnis – das sind die Eigenschaften, um die der Standort von manchem Schwesterwerk beneidet wird.

Der Erfolg von Pauss ist nicht nur in dessen fachlicher Kompetenz begründet, die ihm auch der langjährige Betriebsratsvorsitzende Dieter Seidel attestiert. „Pauss ist pragmatisch und weiß, wovon er redet“, lobt Seidel – und unterstreicht zugleich dessen Verbindlichkeit: „Was er zusagt, hält er auch.“ Diese Zuverlässigkeit und der ehrliche Respekt gegenüber den Mitarbeitern sind wesentliche Gründe für seinen großen Rückhalt in der Belegschaft.

Und nun? Er freue sich auf einen neuen, selbst bestimmten Lebensabschnitt ohne Terminzwang und die Taktung der Wochenenden. Aber es mische sich auch Wehmut in die Freude, sagt der Träger der Goldenen Ehrennadel der Stadt Kassel, auf die er besonders stolz ist. „Das war eine tolle Zeit, in der ich Kassel lieben gelernt habe“, sagt er und beteuert, dass er sich der Stadt sehr verbunden fühlt. Er hätte als Werkleiter verlängern können, aber er hat vor vielen Jahren beschlossen, mit 60 aufzuhören. „Alles hat seine Zeit, und jetzt kommt etwas Neues“, erklärt einer, der sehr viel erreicht hat und in sich ruht – zumindest nach außen.

Soziales Engagement: Die Star-Care-Initiative

Ludwig Pauss hinterlässt nicht nur ein geordnetes Werk, sondern auch eine Reihe sozialer Einrichtungen, die es ohne sein Engagement nicht geben würde. Mit der Kasseler Star-Care-Initiative, die vom Daimler-Konzern und seinen Beschäftigten getragen wird, hat der scheidende Werkleiter ebenso maßgeblich mitgewirkt wie an der Realisierung des Elternhauses am Klinikum Kassel, des Kinderbauernhof sam Wesertor sowie des winterfesten Baus des integrativen Zirkus‘ Zirkutopia Und in Planung ist ein Vereinsheim für die „Streetbolzer“, eine sozialpädagogische Initiative zur Förderung von Integration und gegenseitigem Respekt in der Nordstadt. Wenn das umgesetzt ist, hat Star Care Kassel rund 1,5 Millionen Euro in gemeinnützige Projekte investiert. In diesem Zusammenhang lobt Pauss als Vereinsvorsitzender die Spendenbereitschaft vieler Kasseler Unternehmer und Einzelpersonen, bei denen der ehrenamtliche Star-Care-Vorstand das Geld einsammelt. Lob gibt es auch für die Stadt, insbesondere für Jugenddezernentin Anne Janz, die bei allen Projekten kräftig mitgewirkt hat. Im Rahmen der Star-Care-Initiative bildet das Werk seit Langem zusätzlich jährlich sechs benachteiligte junge Menschen aus. Pauss begründet sein Engagement, das weit über das übliche Maß hinausgeht, mit der „sozialen Verantwortung“, die Menschen wie er haben müssten.

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