Sika misst Temperaturen, Drücke, Durchfüsse und Flüssigkeitsstände - Geschäfte laufen derzeit gut

Messtechnik für die ganze Welt

Christian Siebert

Kaufungen. Sie messen die Temperaturen in Schiffsmotoren, den Wasserdurchfluss in Brennwertheizungen, Drücke in Maschinen und Anlagen und Ölstände in Getrieben: Wo immer präzise gemessen wird und robuste, langlebige Instrumente gefragt sind, ist die Sika GmbH und CoKG aus Kaufungen (Kreis Kassel) nicht weit.

Der Messtechnikprofi, der 1939 mit seinem Maschinenglasthermometer einen bis heute geltenden weltweiten Temperaturmess-Standard für industrielle Anwendungen setzte, erfreut sich auch 109 Jahre nach seiner Gründung bester Gesundheit.

Den geschäftlichen Erfolg verdankt das Familienunternehmen, das von Christian (57) sowie Werner (67) und dessen Sohn Sebastian (36) geführt wird, seiner Innovationsfreude. Mit immer neuen Produkten schlagen sie der Konkurrenz ein Schnippchen und behaupten sich erfolgreich gegen Billiganbieter aus Fernost. „Wir sind der Nischenspezialist mit einigen Alleinstellungsmerkmalen“, erklärt Christian Siebert.

Ein Beispiel für die Findigkeit von Sika ist die kleinste Wasseruhr der Welt. Das elektronische, Zigarettenschachtel-große Instrument misst nicht nur exakt den Wasserverbrauch an jeder beliebigen Entnahmestelle, sondern funkt ihn auch an einen zentralen Rechner, der die Daten speichert, auswertet und Rechnungen erstellt. Die Funkenergie produziert das handliche Gerät selbst: Der Durchfluss treibt einen kleinen Dynamo an, der den Strom erzeugt.

Ein Schweizer Hausverwalter fand den kleinen Alleskönner so gut, dass er gleich 60 000 Stück davon orderte. „Dieses Produkt vereint unsere geballte Messkompetenz auf engstem Raum“, sagt Christian Siebert nicht ohne Stolz.

Viel Elektronik

Besonders gut im Geschäft ist Sika aber auch bei den erneuerbaren Energien, wo Elektronik vielfach die Mechanik ersetzt hat. Und dennoch laufen die klassischen Temperaturmesser, deren technisches Prinzip sich im Laufe der Jahrzehnte nicht geändert hat, nach wie vor. 1200 mechanische Sika-Instrumente wachen auf dem Luxusliner „Queen Mary 2“ darüber, dass Maschinen und Aggregate nicht überhitzen, im Frankfurter Messeturm sind 400 Präzisionsmessgeräte aus Kaufungen im Dauereinsatz.

Die Produkte von Sika sind weltweit gefragt, der Exportanteil liegt bei 55 Prozent. Ihren Weltmarktanteil bei Schiffen sehen die Kaufunger bei 50 Prozent. Und im Inland sind sie mit ihren Kalibriergeräten, also jenen Apparaturen, mit denen die Instrumente regelmäßig überprüft werden müssen, mit 80 bis 90 Prozent unangefochtener Marktführer.

Der Erfolg gibt dem Traditionsunternehmen Recht. Mit Ausnahme des Krisenjahres 2009, als der Umsatz von 30 auf 26 Millionen Euro sank, ist der mittelständische Familienbetrieb immer stetig und solide gewachsen. In diesem Jahr wird Sika das hohe Umsatzniveau von 2008 sogar noch übertreffen und einen „angemessenen Gewinn“ in ungenannter Höhe erzielen. Das Wachstum schlägt sich auch in den Beschäftigtenzahlen nieder. Gut 300 (2006: 270) Mitarbeiter sind es in der Gruppe, von denen etwa 280 am Firmensitz arbeiten. Deren Zahl dürfte nach Einschätzung von Werner Siebert weiter moderat steigen.

Hintergrund: Gründung nach Fehldiagnose

Die Fehldiagnose eines Arztes führte 1901 zur Gründung der „Sika Dr. Siebert & Kühn GmbH & CoKG“ in Kassel. Carl Siebert hatte zwei Jahre zuvor die heutige „Engel Apotheke am Rathaus“, verkauft, nachdem ihm ein Mediziner den baldigen Tod vorhergesagt hatte. Doch Siebert wurde wieder gesund, erkannte den großen Bedarf an Industrie-Thermometern, holte den Spezialisten Albert Kühn aus dem thüringischen Ilmenau - dem damaligen Thermometrie-Zentrum Deutschlands - nach Kassel und gründete mit ihm das heutige Unternehmen.

Im Strudel der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er-Jahre schied die Familie Kühn aus dem Unternehmen aus. 1940 siedelte Sika nach Kaufungen um. Mit Sebastian Siebert sitzt mittlerweile die vierte Generation in der Geschäftsführung des Traditionsbetriebs. Sika steht übrigens für die Anfangsbuchstaben des Gründernamens und des Gründungsortes Kassel. (jop)

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