Deutsche Bahn will britische Arriva übernehmen - auch Strecken in Niedersachsen betroffen

Metronom bald in neuen Händen?

Halt in Göttingen: Seit 2005 betreibt Metronom die Regionalstrecke von Südniedersachsen über Hannover nach Uelzen. Sie könnte bald einen neuen Besitzer bekommen. Foto. nh/Archiv

berlin / hannover. Die Deutsche Bahn will es wissen. Mit der angestrebten Übernahme des britischen Arriva-Konzerns will das größte Verkehrsunternehmen Europas seine Vormachtstellung auf dem alten Kontinent weiter ausbauen und die Nummer zwei, die französisches Staatsbahn SNCF, beim Ringen um Platz eins endgültig abhängen. Gestern abend gab der Aufsichtsrat der Bahn grünes Licht für ein Angebot.

Wenn das auf 2,8 Milliarden Euro bezifferte Geschäft zustande kommt, kann die Bahn auch ihre starke Position auf der Insel festigen. Denn vor Jahren bereits übernahmen die Deutschen unter anderem die größte britische Güterbahn EWS, die wiederum mit einer Tochter in direktem Wettbewerb zum Erzrivalen SNCF in Frankreich steht.

Aber das Geschäft hätte für die Bahn im Inland einen erheblichen Preis. Denn aus kartellrechtlichen Gründen müsste sie sich zumindest vom deutschen Arriva-Bahngeschäft trennen. Und dazu gehört über ein kompliziertes Beteiligungskonstrukt auch der niedersächsische Regionalzuganbieter Metronom, der seit 2005 unter anderem die 195 Kilometer (km) lange Strecke Göttingen-Hannover-Uelzen betreibt.

Metronom mochte sich zu dem Thema auf Anfrage dieser Zeitung nicht äußern, und die Deutsche Bahn AG lehnte unter Hinweis auf eine laufende Aufsichtsratssitzung am Mittwochabend eine Stellungnahme ab. Dagegen sagte die Sprecherin der landeseigenen Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), Kerstin Heinemann: „Wir gehen davon aus, dass die Bahn im Falle eines Kaufs die deutschen Arriva-Aktivitäten nicht übernehmen darf.“ Ob es bereits Interessenten für Metronom gebe, wisse sie nicht. Die LNVG vergibt die Nahverkehrs- und Regionalstrecken in Niedersachsen und überwacht deren Betrieb.

Metronom betreibt in Niedersachsen auch die Strecken Bremen-Hamburg-Uelzen (200 km) sowie Hamburg-Stade-Cuxhaven (115 km). Das Unternehmen gilt als zuverlässig und sicher und schneidet in Kundenbefragungen gut ab.

Die Pläne der Bahn stoßen unterdessen auf harte Kritik. Der Grünen-Verkehrsexperte Anton Hofreiter forderte die Bundesregierung auf, den „Größenwahn“ des bundeseigenen Konzerns zu stoppen. Bahnchef Rüdiger Grube solle ein Konzept für besseren Bahnverkehr in Deutschland vorlegen, statt die falsche und riskante Strategie eines globalen Mobilitätsdienstleisters weiter zu verfolgen. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer warnte ebenfalls vor einer kostspieligen Expansion der mit 15 Mrd. Euro in der Kreide stehenden Bahn auf Pump. Statt sich weiter zu verschulden, solle die Bahn Verbindlichkeiten abbauen, mehr für die Qualität im Personenverkehr tun und die Frachtsparte sanieren, meinte auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD).

Weitere Hürden könnten die EU-Kartellwächter aufbauen. Denn mit der Arriva-Übernahme würde die Bahn zu einem der größten Busbetreiber in Europa - vielleicht zu groß für den Geschmack der Brüsseler Wettbewerbshüter.

Derweil scheinen die Franzosen Abstand von einem zunächst geplanten Gebot für Arriva zu nehmen. Nach unbestätigten Medienberichten steigt die SNFC erst gar nicht ins Bieterrennen ein.

Von José Pinto

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.