Vom Schulband-Gitarristen zum Profi

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Eine großartige Stimme: Auftritt von Michael Holderbusch im Baunataler Parkstadion. The voice: Michael Holderbusch appears at the Park Stadium in Baunatal. Photo: Schachtschneider Glücklich: Michael Holderbusch freut sich über den 2. Platz beim RTL-Supertalent-Wettbewerb.Overwhelmed: Michael is delighted with his second place in the „Super Talent“ TV show. Photo: privateOpen-Air Festival Bringhausen 2015: Michael Holderbusch sang seine Hits von „Walzing Matilda“ bis „You are so beautiful“.Bringhausen Open Air Festival 2015: Michael sang his hits from ”Waltzing Matilda“ to ”You are so beautiful“. Photo: J. Hennig Noch mehr Gänsehaut: Michael Holderbusch singt bei einem Spiel der Kassel Huskies.Intimate atmosphere: Michael sings at a Kassel Huskies game. 

Michael Holderbusch? Ach, ist das nicht der mit der Joe-Cocker-Stimme? Stimmt. Mit einem Song von Joe Cocker wurde der Künstler aus Baunatal Zweiter in der RTL-Show „Das Supertalent“.

Das liegt jetzt fünf Jahre zurück. Und seitdem hat sich einiges getan. Der Musiker ist in Baunatal aufgewachsen, dort lebt er immer noch. „Warum sollte ich wegziehen? Es ist doch schön hier“, sagt er. Mit 15 Jahren spielte er Gitarre in einer Schulband an der Theodor-Heuss-Schule in Baunatal. Das Repertoire: Instrumentaltitel aus Rock, Pop und Blues. Als jemand auf die Idee kam, die Besetzung um eine Gesangsstimme zu erweitern, waren alle einverstanden, aber niemand wollte singen. „Irgendwann war ich es leid und habe es einfach probiert“, erinnert sich Michael Holderbusch. Seine Stimme war rauchig, kratzig, voll. Die Schule arbeitete eng mit der Musikschule vor Ort zusammen. Bei einem musischen Abend präsentierten die Schüler sich und ihr Können in der Stadthalle. Dort trat Holderbusch mit seiner Schulband zum ersten Mal vor großem Publikum auf – und begeisterte hunderte Zuhörer. Die musikalische Laufbahn des Baunatalers hatte begonnen.

Auftritte als Sänger 

Im Laufe der Zeit probierte er unterschiedliche Felder aus, spielte mit in einer Kirchenrockband und sang in einem Gospelchor. Im Laufe der Zeit rückte die Gitarre in den Hintergrund. Musik machen hieß nun für Michael Holderbusch: singen. Das Schulende markierte auch das Ende der Band. Die nächste musikalische Etappe wurde mit einem Auftritt in einer Kasseler Bikerkneipe eingeleitet. Dort gab es eine Hausband mit fester Besetzung, die sich einmal im Monat einen Gastmusiker einlud. Im Winter 2003/2004 war er so etwas wie ein musikalischer Stammgast dort.

„Das hat unglaublich viel Spaß gemacht, es war eine tolle Zeit. Und ich habe dort wichtige Kontakte zu anderen Musikern und Managern geknüpft“, sagt der 35-Jährige. Beruflich arbeitete er als Eisenbahner im Betriebsdienst, bis er im Jahr 2006 seine Stelle verlor. Musikalisch war er inzwischen Frontmann der Gruppe Fatman und bekam immer wieder Anfragen für Konzerte – auch als Solist. Ein Highlight: Der Auftritt als Vorgruppe der legendären Deutschrock-Band „The Puhdys“.

Die Show

Viele Menschen waren schon da der Meinung, der Sänger aus Baunatal müsse mehr aus seinem Talent machen. Einer drängte ihn ohne Unterlass, sich an einem Wettbewerb zu beteiligen: Eddi Sinning, Musiklehrer und langjähriger Freund. „Wenn du dich bewirbst, begleite ich dich am Klavier“, hatte er Holderbusch versprochen. Schließlich meldete er sich zum Vorcasting bei der RTL-Show „Das Supertalent“ an – „damit ich meine Ruhe habe“, erinnert sich der Baunataler lachend. Nicht im Traum habe er daran geglaubt, weiterzukommen, sagt er. „Die Jurymitglieder saßen da, als ob sie auf den Bus warten würden“. Umso überraschender dann die Nachricht, dass er weiterkommt. Ein paar Monate später die Entscheidung, der Triumph: Michael Holderbusch sang im Finale die Cocker-Ballade „You are so beautiful“ und wurde Zweiter – von ursprünglich rund 47 000 Mitbewerbern. Danach gab es jede Menge Anfragen für Konzerte. Ab dem Jahr 2011 tourte er mit dem Mundharmonikaspieler Michael Hirte durch Deutschland. Siebzig Auftritte in zwei Jahren standen für die Musiker aus unterschiedlichen Genres auf dem Tourplan. Volksmusik und Schlager meets Bluesrock – das Konzept funktionierte, die Zuhörer waren begeistert. In seiner Heimat konnte er keinen Schritt auf die Straße machen, ohne erkannt und angesprochen zu werden. Und heute? Der Rummel hat sich gelegt, es ist ruhiger geworden. Michael Holderbusch arbeitet an neuen Projekten, darunter auch an eigenen Kompositionen. Seine Idole sind immer noch Jimi Hendrix, Deep Purple und Tom Waits. Der Tod von Joe Cocker im vergangenen Dezember berührte ihn sehr. „Ich wusste nicht, dass er so krank ist. Aber es war auch nicht sein Ding, das an die große Glocke zu hängen“, sagt er. Und eins ist klar: Er selbst macht weiter.

ILONA POLK

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