Werden Chips und Pommes teurer?

Mieses Jahr für die Kartoffel

+
Die Kartoffelernte wird in diesem Jahr wohl bescheiden ausfallen.

Berlin - So wie es aussieht, dürfte die Kartoffelernte 2013 ziemlich schlecht ausfallen. Verarbeiter warnen bereits: Die Preise für Kartoffelprodukte könnten nach oben gehen.

2013 ist kein gutes Jahr für des Deutschen liebstes Gemüse. Nicht einmal 10 Millionen Tonnen Kartoffeln werden die Landwirte ernten, befürchtet der Deutsche Bauernverband. Im Spitzenjahr 2004 waren es noch 13 Millionen Tonnen. Die Erntesaison ist zwar noch nicht ganz vorbei - Kartoffeln könne man bis etwa Anfang Oktober einfahren, sagte der Ackerbaupräsident Wolfgang Vogel am Donnerstag bei der Präsentation des diesjährigen Ernteberichts. Trotzdem zeichnet sich ab: Die Kartoffelernte 2013 dürfte eher bescheiden ausfallen.

"Preise werden deutlich steigen"

Der Hauptgrund ist das Wetter. Der verregnete Frühling und die sehr heiße, trockene Phase im Juli waren nicht gerade Idealbedingungen für die Kartoffeln. Die Engpässe spüren die Verbraucher schon im Supermarkt an der Kasse: Um satte 44 Prozent haben die Kartoffelpreise in den vergangenen 12 Monaten zugelegt, wie das Statistische Bundesamt kürzlich errechnete.

Und auch Kartoffelprodukte wie Chips, Tiefkühlpommes oder Fertigpüree könnten sich einem Branchenverband zufolge verteuern. „Die Verbraucher werden sich (...) auf sehr deutlich steigende Preise für alle Kartoffelverarbeitungsprodukte einstellen müssen“, warnt der Bundesverband der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) in einer Mitteilung.

Insgesamt drei Millionen Tonnen Kartoffeln beziehen die Verbandsmitglieder, zu denen auch die Pommes-Riesen McCain und Agrarfrost gehören, von den deutschen Bauern, erklärt Geschäftsführer Horst-Peter Karos. Daraus machen sie eine Million Tonnen Produkte, also Pommes, Chips und Co. Wie viele Kartoffeln die Verarbeiter zusätzlich aus dem Ausland genau importieren, ist unklar. Die Ernte aus Deutschland mache aber den Großteil der zu verarbeitenden Menge aus, sagte Karos.

Bei diesen Lebensmitteln wird geschummelt

Pesto Basilico (Buitoni) ohne 100 Prozent Pesto (Pesto alla genovese). Stattdessen Olivenölanteil laut Zutatenliste unter zwei Prozent, minderwertiges Cashewkernpulver statt Pinienkernen (unter zwei Prozent) und kostengünstiger Hartkäse ersetzt zu Dreiviertel den Wert gebenden Pecorino. © Verbraucherzentrale Hamburg
Hähnchenschnitten Wiener Art (Vossko-Tiefkühlkost) - es fehlt Hähnchenschnitzel aus einem Stück gewachsenem Fleisch. Stattdessen: Verschnitt von kleinen Stücken aus Hähnchen- und Putenfleisch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Mucci Vanilleeis (Aldi Nord) ohne echte Vanille und 100 Prozent Milchfett. Stattdessen: überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett. © Verbraucherzentrale Hamburg
Bio-Vollkorn-Toastbrötchen (Proback); ohne Vollkorntoast-Brötchen mit Vollkornmehl hergestellt. Statt 90 Prozent Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot gefordert, sind im Produkt nur 60 Prozent enthalten; gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup. © Verbraucherzentrale Hamburg
Surimi-Garnele ohne echte Garnele. Stattdessen: Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß geformt. © Verbraucherzentrale Hamburg
Fol Epi Nuss, Fromageries Rambol (mit Bild von Käse auf der Packung). Die sogenannte Schmelzkäsezubereitung besteht nur zu 65 Prozent aus Käse, ist zusätzlich mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalzen (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt. Bei Käse ist dies nicht erlaubt. © Verbraucherzentrale Hamburg
Du darfst Putensalat mit Joghurtdressing (Unilever) ohne Putenfleisch. Enthalten sind zusammengefügte Fleischreste: Das Fleisch im Produkt besteht nur zum Teil aus gewachsenem Putenfleisch, dazu kommt Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Combi Weiß in Salzlake 50 Prozent Fett (EfeFirat Feinkost) mit Bild eines Schafskäses auf der Packung. Tatsächlich enthalten sind billiges Pflanzenfett statt Milchfett und Magermilch aus Kuhmilch statt Schafsmilch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Mini Keks Bolde „Schoko“ (Biscuits Delacre) - es fehlt Schkoladenfüllung im Keks. Stattdessen: Kakaocremefüllung mit billigem Schokoladenimitat, das u.a. aus fettarmem Kakaopulver (3,7%), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt wird. © Verbraucherzentrale Hamburg
Wasabi-Erdnüsse (Lorenz) - es fehlt Wasabi (japanischer Meerrettich). Geschmack: Spirulina-Konzentrat, Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff, Algenkonzentrat. © Verbraucherzentrale Hamburg
Meeresfrüchte Cocktail mit Krebsfleischimitat (Kaufhof) ohne 100 Prozent Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen, Tintenfische etc. Produkt ist mit billigem Surimi (Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß) gestreckt. © Verbraucherzentrale Hamburg

Aktuell liegen die Erzeugerpreise dem Bauernverband zufolge bei 30 Euro je 100 Kilogramm. 2012 seien es noch weniger als 20 Euro gewesen. Für die Kartoffel-Verarbeiter ist die Lage besonders brenzlig, weil auch das Jahr 2012 keine hohen Ernteerträge gebracht hat. „Als Folge kann der Bedarf der Industrie nicht gedeckt werden“, mahnte der BOGK noch im Juli.

Mittlerweile habe sich die Lage entspannt, weil momentan die Frühkartoffeln mit einigen Wochen Verspätung auf dem Markt seien, sagt Karos. Trotzdem sieht er für das Gesamtjahr schwarz. „Die Versorgung ist zwar jetzt gerade wieder gewährleistet, aber die Sachlage bleibt weiterhin schlimm für den Kartoffelbereich.“ Die Qualität sei nicht gut, den Pommes-Produzenten fehle es an großen Kartoffeln. Entspannung sieht Karos nicht kommen. „Mittelfristig werden die Preise mit Sicherheit hoch bleiben“, prognostiziert er. Auch der Bauernverband geht davon aus, dass das Niveau anhält.

Ob die Preise für Chips und Pommes in der nahen Zukunft nach oben gehen, ist damit allerdings nicht gesagt. McDonald's Deutschland beispielsweise ist nach eigenen Angaben von Preissteigerungen derzeit nicht betroffen. Das liege an den langfristigen Verträgen, die die Fastfood-Kette mit Zulieferern geschlossen habe. Auch Ackerbau-Referentin Katja Börgermann vom Bauernverband glaubt nicht daran, dass Kartoffelprodukte von heute auf morgen teurer werden. Das sei wegen der Verträge nicht möglich. Außerdem gebe es zu Preissteigerungen eine Alternative: „Vielleicht werden die Pommes ja ein bisschen kürzer.“

dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.