Migrantenunternehmen: Mehr als Dönerbude und Gemüsehandel

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Der Geschäftsführer des Textil-Unternehmens Beysun, Vedat Güney (l), und sein Bruder in Berlin. Laut der Studie steigt der volkswirtschaftliche Nutzen von Migrantenunternehmen. Foto: Soeren Stache

Berlin (dpa) - Über das Unternehmertum von Migranten in Deutschland gibt es viele Vorurteile: Backshop und Nagelstudio. Studien räumen mit Klischees auf. Trotzdem haben viele der Neu-Unternehmer Startschwierigkeiten.

Dönerbude, Gemüseladen und der Italiener um die Ecke - viele Vorurteile prägen das Bild über den Unternehmergeist von Migranten. Eine Studie im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung (FES) zeigt jetzt: Unternehmen ausländischer Gründer sind nicht mehr nur aus der Not geboren, der volkswirtschaftliche Nutzen von Migrantenunternehmen steigt. Rund eine dreiviertel Million Selbstständige mit ausländischen Wurzeln schaffen zahlreiche Arbeitsplätze in Deutschland - rund 2,2 Millionen, so die Schätzung der Studie.

"Migrantenunternehmen werden größtenteils unterschätzt", bilanziert René Leicht von der Universität Mannheim. Er ist Mitautor der Studie und hat in mehreren Erhebungen einige Tausend Unternehmer unterschiedlicher Herkunftsländer befragt. Seit Anfang der 1990er Jahre hat sich die Zahl selbstständiger Migranten fast verdreifacht. Jeder sechste Unternehmer in Deutschland hat mittlerweile ausländische Wurzeln - meist in Polen oder der Türkei. "Ohne migrantische Unternehmen geht mancherorts bei der Nahversorgung nichts mehr", schreibt auch das Bundeswirtschaftsministerium.

Doch es sind nicht mehr nur Kioske und Supermärkte. Die Entwicklung geht laut Studie mit einem steigenden Bildungsniveau der Gründer einher. Dadurch nehme der Anteil einfacher Dienstleistungen ab: Jedes vierte Migrantenunternehmen erziele seinen Umsatz inzwischen mit wissensintensiver und moderner Leistung. Ingenieure, Architekten, Dolmetscher und Kulturschaffende, aber auch Medienschaffende spielen laut Leicht dabei eine bedeutende Rolle. Die Bereiche Gastgewerbe und Handel machten "nur (noch) ein Drittel aus", heißt es in der Studie.

Hintergrund ist Leicht zufolge, dass auf dem Markt zunehmend die Vielfalt des Angebots an Bedeutung gewinnt. Es gebe kaum noch geschützte Nischen: Pizzerien werden zunehmend auch von Osteuropäern betrieben, die Konkurrenz an Dönerbuden ist immens. Umso mehr helfe spezifisches "ethnisches Wissen" weiter, beispielsweise Sprachkenntnisse oder das Know-how über die Strukturen und Gepflogenheiten eines Import- oder Exportlandes. Im Handel führen Kenntnisse über Heimatmärkte häufig zu Geschäftsideen, schreibt auch die KfW-Bank in einem Gutachten vom August.

Doch es gibt auch Schwierigkeiten: Zwar sei der Anteil an Migranten, der zum Start auf Finanzierungsschwierigkeiten stößt, laut der Bank 2013 im Vergleich zum Vorjahr überdurchschnittlich stark auf 25 Prozent zurückgegangen. Gleichwohl hätten Migranten häufiger mit Geldproblemen zu kämpfen als der Gründerdurchschnitt (17 Prozent).

Auch die Quote der Abbrecher sei bei Migranten höher: Nach drei Jahren gebe es 39 Prozent der Unternehmen nicht mehr (Durchschnitt 30 Prozent) - teils auch, weil sich zwischenzeitlich attraktivere Jobmöglichkeiten böten. Entscheidender Faktor für das Abbruchrisiko ist laut Bank allerdings nicht die Staatsangehörigkeit der Gründer, sondern dass viele Migranten besonders jung und aus der Arbeitslosigkeit heraus ihr Projekt Unternehmensgründung starten.

Mit einem weiteren Klischee will die FES-Studie dagegen aufräumen: Jene Unternehmen, die nur durch Selbstausbeutung und unbezahlte Familienarbeit überleben können, seien keineswegs "migrantentypisch". Einheimische Unternehmen verhielten sich in wettbewerbs- und arbeitsintensiven Branchen genauso.

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