Migros sanfte Übernahme

Fulda. „Alles was den Tegut-Kunden lieb ist, werden sie auch weiterhin bei Tegut finden und vielleicht ein paar Dinge von Migros, die sie künftig gern haben“, verspricht Jörg Blunschi (51). Er ist der Geschäftsleiter der Genossenschaft Migros Zürich, die die 290 Märkte von Tegut übernommen hat.

Zum Januar soll der Verkauf vollzogen sein.

Gestern sprach der Schweizer erstmals zur Belegschaft in der Fuldaer Zentrale. Trübe Gesichter und hängende Mundwinkel sah man gestern nicht - stattdessen schwirrten Kommentare wie „das wird schon“, „das klappt“ durch das Treppenhaus.

Große Veränderungen hat Blunschi nicht verkündet. Die 5000 der 6400 Mitarbeiter, die vom Verkauf betroffen sind, werden übernommen. Da es keine Synergien zwischen Tegut und Migros gebe, gibt es auch keine Pläne, innerbetriebliche Dienstleistungen in die Schweiz zu verlegen. Vielleicht werden Bereiche in den Märkten neu geordnet und personalintensive Bereiche zusammengeführt. Blunschi hat einen Blick für solche Dinge. Wenn er mit Einkaufzettel und Ehefrau oder den zwei Töchtern einkauft, dann achtet er nicht nur auf die Ware, sondern auch auf Regalabstände und Wege.

Die geplanten Investitionen kommen zunächst den bestehenden Tegut-Häusern zugute, damit „die Gruppe wirtschaftlich eigenständig am Markt bestehen kann“, sagt Betriebswirt Blunschi. Erst im zweiten Schritt denkt Migros an Expansion. Die Schweizer Genossenschaft will einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag in die Tegut-Gruppe investieren. In die Karten schauen lässt er sich nicht.

30 unrentable Filialen hat Tegut in den vergangenen zwölf Monaten in Hessen, Teilen von Thüringen, Bayern und Südniedersachsen sowie im Rhein-Main-Gebiet geschlossen. Das vergangene Geschäftsjahr schloss die Handelsgruppe mit „einem kleinen Minus ab“, sagt Thomas Gutberlet (42). „Es war ein Jahr des Aufräumens“, ergänzt er. Der Enkel des Unternehmensgründers soll auch künftig die Geschäfte in Fulda führen - mit einem Migros-dominierten Aufsichtsrat an der Seite.

Für die kapitalstarke Migros ist es die erste Übernahme dieser Größe, sagt Migros-Finanzchef Christian Keller (47). Erfahrungen gesammelt hat die Genossenschaft bei einer Reihe kleinerer Übernahmen, wie Sportstudios oder Schweizer Clubschulen. Doch warum nun der hart umkämpfte Lebensmittelmarkt Deutschland? Der Schweizer Markt sei zu klein, um zu wachsen. In Frankreich seien die Einstiegshürden zu hoch und in Österreich habe die Genossenschaft vor vielen Jahren eine Bauchlandung hingelegt. „Wenn wir eine Rendite von vier bis fünf Prozent wollten, würden wir unser Geld woanders anlegen“, sagt Blunschi, der vor dem Studium eine Banklehre gemacht hat. Und lacht - das macht Blunschi, der in der Freizeit dem Fliegenfischen nachgeht, sehr gern. Von der Übernahme sind die „Herzberger Bäckerei“, die „Kurhessische Fleischwaren Fulda“ sowie die landwirtschaftlichen Betriebe nicht betroffen. Sie werden außer Migros nun verstärkt auch andere Betriebe beliefern.

Von Martina Wewetzer

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