GlaxoSmithKline hat an viele Staaten Impfstoff gegen Schweinegrippe verkauft – Deutschland zahlt Millionen

Milliardengeschäft mit dem Piks

Gegen Schweinegrippe impfen oder nicht? Für die Pharmaindustrie ist es schon jetzt ein Riesengeschäft. Foto: dpa

Kassel. Frühst möglicher Stichtag für eine Impfung gegen Schweinegrippe ist der 26. Oktober. Dann sollen Medizinpersonal, chronisch Kranke und Schwangere den Arm hinhalten – wenn sie wollen. So empfiehlt es die Ständige Impfkommission.

Für das Pharma-Unternehmen GlaxoSmithKline (GSK) sind die Massenimpfungen mit Pandemrix – so heißt der Impfstoff – schon jetzt ein Milliarden-Geschäft: 16 Staaten sollen sich 195 Millionen Impfdosen gesichert haben. Geht mit dem Impfstoff etwas schief schützt GSK in der Bundesrepublik das Gesetz.

Deutschland hat 50 Millionen Impfdosen geordert. Der Impfstoff sowie die aufgrund der Kühlung aufwendige Logistik, um die sich die Länder kümmern müssen, plus dem Piks beim Arzt kosten den Staat bereits jetzt „700 Millionen Euro“, bestätigt Thomas Schulz, Sprecher des Gesundheitsministeriums Thüringen. Sein Bundesland hat den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz der Länder und koordiniert die Bereitstellung des Impfstoffes. Mit der bei GSK georderten Menge könne etwa ein Drittel der Bevölkerung geimpft werden. Seit Sommer wurden bundesweit rund 22 000 Fälle von Schweinegrippe registriert: Zwei Patienten seien gestorben, alle anderen seien gesund oder auf dem Weg dorthin, so Schulz.

Bislang bleiben die Länder bei den Kosten unter einer Milliarde Euro, so Schulz. Diese Summe hat die Krankenkasse für die Impfung zugesagt. Die Entscheidung für GSK mit Standort in Dresden habe nichts „mit den dort 160 geschaffenen Stellen in der Produktion zu tun“, betonte Schulz. Ein Kaufkriterium sei die schnelle Lieferung gewesen.

Das gekaufte Pandemrix von GSK ist nicht unumstritten, weil es einen Wirkungsverstärker (Adjuvans) enthält. Darüber liegen laut Alexander Kekulé, Professor für Medizinische Mikrobiologie in Halle, „nur sehr begrenzte Erfahrungen vor“. Laut Kekulé wurde er „noch nie bei Schwangeren und erst bei einigen hundert Kindern getestet“, schreibt er im „Tagesspiegel“.

Nun scheint der Impf-Gau perfekt: Die Impfkommission, der das Paul-Ehrlich-Institut und das Robert-Koch-Institut angehören, empfiehlt „dass Schwangere bis zum Vorliegen weiterer Daten mit nicht-adjuvantierten Spaltimpfstoffen geimpft werden sollen.“ Die Lösung für Schwangere ein Impfstoff ohne Verstärker. Nur solch einen hat die Bundesregierung nicht geordert.

Geht mit dem Impfstoff etwas schief, haftet die Bundesregierung. So steht es im Infektionsschutzgesetz. Diese Haftung greift stets dann, wenn eine Landesbehörde die Impfung empfiehlt.

Laut Wolfgang Becker-Brüser, Arzt, Apotheker und Herausgeber des Pharma-kritischen Arznei-Telegramms, habe sich GSK eine Haftungsfreistellung vertraglich zusichern lassen: „Da aufgrund der besonderen Situation im Pandemiefall weder umfangreiche klinische Daten noch Erfahrungen mit dem Pandemie-Impfstoff in seiner konkreten Zusammensetzung vorliegen“, wird die Firma für Umstände, die Nutzen-Schaden-Abwägung der Vakzine negativ ausfallen und die nicht in der Produktinformation der Zulassung enthalten sind, „von einer Haftung freigestellt“. Becker-Brüser: „Der Pandemie-Impfstoff enthält ein Wirkverstärkergemisch, dass bislang nicht in handelsüblichen Impfstoffen verwendet wurde. Dies erachten wir als bedenklichen Großversuch.“

GlaxoSmithKline äußerte sich gestern nicht.

† www.arznei-telegramm.de

Von Martina Wewetzer

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