Milliardengeschäft mit norwegischer Statoil

Wintershall baut Geschäft in der Nordsee aus

Kassel/Stavanger. Wintershall-Chef Rainer Seele und Statoil-Lenker Helge Lund dürften sich mittlerweile ganz gut kennen. Vor gut einem Jahr hatte sich der BASF-Konzern, Mutter des Kasseler Erdöl- und Gasförderers, mit rund einer Milliarde Euro an drei Statoil-Feldern in der norwegischen Nordsee beteiligt.

Am Freitag vereinbarten die Unternehmen in Stavanger ein Geschäft in nahezu gleicher Größenordnung: Für 1,25 Milliarden Dollar, aktuell knapp 670 Millionen Euro, bringt sich Wintershall weiter vor der Küste des skandinavischen Landes in Stellung. Die Kasseler stocken ihre Beteiligung an den Offshore-Feldern Gjøa und Vega auf, die bereits Öl und Gas produzieren, und kaufen sich beim Entwicklungsprojekt Aasta Hansteen sowie beim Fund Asterix ein.

 Die Behörden müssen dem Geschäft noch zustimmen. Erst vor kurzem hatten Seele und Lund für das Nordseegas getrommelt. Die europäischen Vorkommen reichten für 200 Jahre, allein Norwegen könne Deutschland 50 Jahre komplett versorgen, erklärten sie im Juni – während der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine Fahrt aufnahm und sich die Europäische Union in Diskussionen über Sanktionen warmlief. „Versorgungssicherheit beginnt für Deutschland traditionell vor der eigenen Haustür“, erklärt Wintershall auch jetzt. Mit dem drohenden Wirtschaftskrieg zwischen der EU und Russland habe das nichts zu tun.

Zwar hat sich Statoil mit dem zweiten großen Deal in knapp zwei Jahren zu einem der wichtigsten Geschäftspartner von Wintershall entwickelt, aber als Abkehr von der russischen Dauerbeziehung Gazprom wollen die Kasseler das nicht verstanden wissen. Im Vorjahr holten sie Öl und Gas in einer Menge aus dem Boden, die 132 Millionen Barrel (jeweils 159 Liter) Öl entspricht. Knapp die Hälfte davon stammt aus Russland. Schon im nächsten Jahr soll die Förderung auf mehr als 160 Mio. Barrel sogenannten Öläquivalents hochgetrieben werden.

Bis dahin wird Wintershall bis zu zwei Milliarden Euro in Norwegen investiert haben – die Zukäufe nicht mitgerechnet. Die Förderung soll dort um die Hälfte auf 60 000 Barrel am Tag steigen. Der Anteil der russischen Förderung an der Gesamtmenge wird sich aber nach den Plänen kaum verändern. Kein Wunder: Schließlich haben Gazprom und Wintershall ihre Beziehung ebenfalls mit Milliardengeschäften gefestigt.

So geben die Kasseler im Tausch für Beteiligungen an sibirischen Gasfeldern ihre Anteile an der Gashandelstochter Wingas sowie ihre Gasspeicher komplett an den russischen Konzern ab. Das politisch nicht unumstrittene Geschäft ist allerdings schwieriger zu Ende zu bringen als erwartet worden war: Komplizierte Rechtsfragen ziehen die Umsetzung in die Länge.

Von Barbara Will

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