Unternehmen fertigt im Schwalm-Eder-Kreis für den Weltmarkt

Wikus hat 1,3 Millionen Meter Sägeband auf Lager

Im werkseigenen Sägezentrum testet Wikus in Spangenberg seine Sägebänder mit Maschinen verschiedener Hersteller und unterschiedlichen Materialien. Beim Sägen von Metall sorgt Wasser für die Kühlung.
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Im werkseigenen Sägezentrum testet Wikus in Spangenberg seine Sägebänder mit Maschinen verschiedener Hersteller und unterschiedlichen Materialien. Beim Sägen von Metall sorgt Wasser für die Kühlung.

„Wir bieten unseren Kunden nicht einfach ein Produkt an – es geht um ganzheitliche Lösungen“, sagt Patrick Gleim zur Philosophie des Unternehmens Wikus. Die Kernaufgabe eines Sägebandes ist zwar das Zerteilen - dahinter steckt aber viel mehr.

Spangenberg - Gleim ist Leiter der Abteilung für Forschung und Entwicklung des Sägebandherstellers aus Spangenberg (Schwalm-Eder-Kreis), der zu den vier größten der Welt zählt und insgesamt 750 Mitarbeiter beschäftigt. In einem ehemaligen Pferdestall gründet der 2019 verstorbene Wilhelm Hubert Kullmann vor mehr als 60 Jahren sein Unternehmen. Mittlerweile führt sein Sohn Jörg H. Kullmann die Geschäfte, auch die dritte Generation der Familie ist in die strategischen Entscheidungen der Unternehmensgruppe eingebunden. Am Hauptsitz in Spangenberg im Schwalm-Eder-Kreis sitzen rund 600 Beschäftigte.

Patrick Gleim ist zuständig für Forschung und Entwicklung.

Trotz dieser Tradition und Familienverbundenheit hat Wikus schon früh den Gang ins Ausland gewagt. Seit 50 Jahren besteht die Tochterfirma in Spanien, mittlerweile sind weitere Auslandsgesellschaften dazu gekommen: in den USA, China, Indien, Kanada und Frankreich etwa. Alle Gründungen im Ausland wurden von Spangenberg aus gesteuert. „Das ist wichtig, um unsere Standards und die Qualität zu halten. Das darf nicht abhängig vom Standort sein“, sagt der 48-jährige Chefentwickler Gleim, der seit 2006 in der Firma ist.

Wikus ist hochspezialisiert beim Trennen von Metall

Das Kerngeschäft von Wikus bilden Sägebänder aus Metall, auch Kreissägeblätter werden produziert. Von den Sägebändern gibt es mehr als 1400 Varianten mit unterschiedlichen Spezifikationen wie Breite, Höhe, Zahntyp und Beschichtung – je nach Einsatzfeld. Von zurückgebauten Schutzhüllen von Atomkraftwerken über Siliziumblöcke für Handydisplays bis hin zu Fischstäbchen – all das kann mit Sägebändern aus Spangenberg zerteilt werden. Die Firma ist hochspezialisiert beim Trennen von Metall – für den klassischen Holzschnitt hat Wikus allerdings keine Sägebänder im Angebot.

Mit stetigen Innovationen hat sich das Unternehmen als größter Sägebandhersteller Europas etabliert und machte im vergangenen Jahr 110 Millionen Euro. Für Forschung und Entwicklung werden pro Jahr 1,5 bis 2 Millionen Euro ausgeben. Für die Innovationskraft wurde Wikus kürzlich zum vierten Mal in Folge mit dem Forschungssiegel „Innovativ durch Forschung“ ausgezeichnet, welches vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft für Forschungs- und Entwicklungsarbeit verliehen wird.

Schulungen für die Kunden

Der selbstformulierte Anspruch von Gleim und seinen Kollegen ist aber nicht nur, ein einsatzbereites Sägeband abzuliefern – Stichwort ganzheitliche Lösung. Das Unternehmen bietet Kunden auch Schulungen im Sägezentrum, wo verschiedene Sägebänder auf Maschinen der wichtigsten Hersteller getestet werden. „Die richtige Abstimmung von Maschine, Sägeband und dem zu zerteilenden Material aufeinander ist entscheidend“, erklärt Gleim. Dazu kooperiere man mit Lieferanten, Maschinenbauern und Forschungseinrichtungen wie der Uni Kassel.

Im hauseigenen „Supermarkt“, wie das Lager genannt wird, liegen 1,3 Millionen Meter Sägeband. Kunden können das eigene Lager direkt an das Bestellsystem von Wikus koppeln, sodass es nie an Sägebändern fehlt.

Wissen der Mitarbeiter aus 60 Jahren

Damit die Kunden einfach die richtige Kombination dieser drei Komponenten finden können, hat Wikus eine Datenbank entwickelt, welche die richtigen Maschineneinstellungen und Sägebänder für Hunderttausende Werkstoffe bereithält. „Da steckt das Wissen unserer Mitarbeiter aus 60 Jahren drin“, berichtet Gleim stolz.

Nicht nur mit seinen Produkten will das Familienunternehmen neue Wege gehen. Eine eigene Abteilung kümmert sich ausschließlich um interne Prozessoptimierung. Ein Ergebnis sind neue Produktionslinien, die selbst entwickelt und aufgebaut wurden und seit 2017 dazu beigetragen, Fertigungs- und Energiekosten sowie Durchlaufzeiten zu senken. „Wir arbeiten seitdem gradliniger, weil die Fertigung nun in einer Linie am Stück stattfindet und nicht mehr in verschiedenen Hallen“, berichtet Wikus-Sprecherin Claudia Kaiser. Für ein besseres Miteinander im Betrieb soll die 2018 eröffnete Firmenzentrale sorgen. Freiräume und Tageslicht sollen „agiles Arbeiten“ ermöglichen, sagt Kaiser. Das Motto des modernen Baus: „Offenheit in Kopf und Raum“. (Von Gregory Dauber)

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