In Südhessen entsteht ein Logistikzentrum – Nordhessen bislang nicht vertreten

Millionen für die Mobilität

Kassel. Die Rhein-Main-Region bekommt ein millionenschweres Logistik-Zentrum. Am so genannten „House of Logistics and Mobility“ (Holm) bauen derzeit neben dem Land Hessen, der Stadt Frankfurt, den Universitäten von Frankfurt und Darmstadt sowie der European Business School in Wiesbaden auch die OFB Projektentwicklung GmbH. Mit im Boot sind der Flughafenbetreiber Fraport und der Rhein-Main Verkehrsverbund.

Doch nun drohen die Südhessen den Nordhessen die Kompetenz in Sachen Logistik streitig zu machen. „Wir wollen uns nicht abhängen lassen“, sagt Günter Schwind, Vorsitzender von Movin.net, der Netzwerkinitiative für Mobilitätswirtschaft vom Regionalmanagement Nordhessen.

Auf 22 000 Quadratmetern soll bis 2012 eine Forschungs-, Bildungs- und Begegnungsstätte für Logistik und Mobilität entstehen. Kosten: 40 Millionen Euro. „Eher etwas mehr“, so Christian Langenhagen-Rohrbach, Referent für Verkehrspolitik im hessischen Wirtschaftsministerium, vor einigen Wochen. Vor einem Jahr rechnete Ministerpräsident Roland Koch in der FAZ vor, dass der „Staat während der Anlaufphase zwei Mio. Euro im Jahr zuschießen muss“. Mittelfristig müsse sich Holm selbst tragen.

Die angedachte Kosten-Verteilung: 49 Prozent von Land, Kommune und Universitäten, 51 Prozent aus der Wirtschaft. Genaueres könne man nach der Ausschreibung des Bauprojekt sagen. Dafür wurden 2009 im Haushaltsplan des Landes 500 000 Euro veranschlagt.

„Es ist eine unglaubliche Geschichte, was in Südhessen gemacht wird. Da werden 40 Mio. Euro vom Steuerzahler genommen, um einen Komplex hochzuziehen, der sich über Vermietung rechnen soll“, sagt Schwind. „Was hat der Steuerzahler davon? Da kann man nur den Kopf schütteln.“ Schwind: „In Nordhessen zahlen rund 100 Mitglieder von movin.net einen Beitrag von 300 Euro, um Projekte anzustoßen oder mitzufinanzieren. Wir wollen mindestens ein Drittel der Summe, die für Südhessen veranschlagt ist.“

Was in Südhessen mit Millionen entstehen soll, ist in Nordhessen mit einem Bruchteil der Summe in weiten Teilen erreicht. Von 2003 bis 2009 förderte Hessen das Mobilitätscluster des Regionalmanagements Nordhessen sowie das daraus entstandene Anwendungszentrum Metakus mit insgesamt 1,9 Mio. Euro.

Für Holm werden Professoren von den südhessischen Universitäten abgezogen. In Nordhessen bemühe man sich seit Jahren, um eine weitere Professur für Logistik, da „es hier produzierende Unternehmen gibt, die davon profitieren könnten“, so Schwind.

2010 soll die Region einen Sitz im Holm-Aufsichtsrat bekommen. In einem Memorandum vereinbaren die Nord- und Südhessen eine Kooperation. Doch auf der Internet-Seite von Holm ist Nordhessen bislang nur als Internet-Adresse des Regionalmanagement vertreten.

Von Martina Wewetzer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.