190 Mio. Euro für VW-Werk Kassel: Konzern zieht Investitionen vor

Baunatal. Mit einer Investition von über 190 Millionen Euro, verteilt auf 2011 und 2012, wird im Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal die Kapazität von drei Typen der Direktschaltgetriebe (DSG) ausgebaut. Das beschloss der Aufsichtsrat in Wolfsburg.

Damit zieht der Konzern Investitionen für Produktionsanlagen vor und steigert die Produktion bei drei Getriebe-Modellen in Baunatal um 25 Prozent.

Im Juli hatte Werkleiter Hans-Helmut Becker bereits prognostiziert, dass die Stückzahl der Getriebe zulegen würde. Nun sorgen die Kunden dafür, dass die Nachfrage größer ist, als geplant.

Laut Betriebsratschef Jürgen Stumpf wird die Produktion beim DSG 200 für Polo und Golf von 1640 auf 2000 Stück pro Tag gesteigert, beim DSG 250 für Golf und Passat klettert die Zahl von 2000 auf 2400 und beim DSG 500, das in den Audi und den Transporter T 5 eingebaut wird, springt die Zahl von 420 auf 700 Einheiten pro Tag. Ein Teil des Anstiegs ist auf die nach wie vor hohe Nachfrage aus China zurückzuführen, so Becker.

Werkleiter  Hans-Helmut Becker

„Dieser Anstieg sowie die vorgezogenen Investitionen sichern die Arbeitsplätze im Werk und in der Region“, sagte Becker. Für ihn ist die Investition ein „großer Vertrauensbeweis in die Kasseler Mannschaft“. In der Geschichte des Werkes ist diese Höhe der Investition für Kapazitätserweiterungen einmalig. Im Schnitt investieren die Wolfsburger jährlich 200 Mio. Euro ins gesamte Werk, höhere Investitionen gab es lediglich bei Neuanläufen von Produkten.

Wenn Kapazitäten ausgebaut werden, sind Auswirkungen auf die Belegschaft fast die Regel. Zwar spricht offiziell niemand über Personalaufbau, aber Fakt ist, dass der Getriebebau ausgelastet ist - die DSG-Fertigung stärker als die Schaltgetriebe. In Teilen des Getriebebaus arbeiten Mitarbeiter seit geraumer Zeit auch am Wochenende. Das heißt: „Die Mitarbeiter arbeiten sechs Schichten oder sechs Tage die Woche“, sagt Stumpf. Die Entlastung durch die Übernahme von 63 Leiharbeitern werde nicht reichen, um höhere Stückzahlen ohne Mehrbelastungen für die Beschäftigten zu stemmen.

Betriebsrat Jürgen Stumpf.

Betriebsrat und Werkleitung spielen derzeit etliche Varianten durch wie ein neues Schichtmodell funktionieren könnte. „Leiharbeiter sind keine Dauerlösung“, betont Stumpf. Denn es könne nicht sein, dass Mitarbeiter nach Monaten wechseln, wenn gleichzeitig die Qualität der DSG-Fertigung erhalten bleiben soll. In den Engpassbereichen liege der Anteil der Leiharbeiter über zehn Prozent. Insgesamt arbeiten im Getriebebau inklusive Gießerei und Fertigung 5800 der 13 000 Mitarbeiter.

Noch befinden sich alle Varianten für ein Schichtmodell in der Prüfung. „Es kann aber sein, dass am Ende das Ergebnis steht, dass wir für die Fertigung mehr Leute brauchen“, sagt Werkleiter Becker.

Von Martina Wewetzer

Hintergrund:

Der Kasseler VW-Betriebsratsvorsitzende Jürgen Stumpf wurde in den neu gebildeten „Ausschuss für Geschäftsbeziehungen mit Großaktionären“ (AfGG) gewählt. Der Ausschuss , dem acht Mitglieder angehören, hat zur Aufgabe, Verträge der Volkswagen AG und der von ihr abhängigen Unternehmen mit Aktionären zu überwachen.

Salopp gesagt: Der Ausschuss schaut noch einmal auf die Geschäfte, die etwa die Porsche SE mit VW macht. Der Ausschuss ersetzt den im September 2008 während einer spektakulären Aufsichtsratssitzung gebildeten „Ausschuss für besondere Geschäfte“, der vor allem Audi seinerzeit vor Übergriffen des damaligen Porsche-SE-Managements schützen sollte. Vorsitzender ist Prof. Dr. Ferdinand Piëch, zu seinem Stellvertreter wurde der IG Metall Vorsitzende Berthold Huber gewählt. (mwe)

Rubriklistenbild: © VW

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