Ein Buchstabe könnte die New Yorker Börse erschüttert haben – Kursstürze weltweit

„millions“ statt „billions“?

Frankfurt. An die Börsen ist die Furcht zurückgekehrt. Nach dem überaus rätselhaften Kurssturz am Donnerstagabend (Ortszeit) in New York, gaben in Deutschland die Aktienkurse deutlich nach. Um 17.30 Uhr notierte der Dax bei 5715 Punkten. Das waren 3,26 Prozent weniger als noch am Tag zuvor. Im Laufe des Handels war er sogar bis auf 5655 Zähler abgerutscht – den tiefsten Stand seit zwei Monaten. Entsprechend übel liest sich die Wochenbilanz: Unterm Strich häufte der Dax Verluste von insgesamt 6,9 Prozent an. Zum Wochenende siegte die Panik an der Deutschen Börse.

Die Anleger reagieren äußert verschreckt, sagten am Freitag die Händler. Nervös würden die Investoren auf Griechenland schauen. Viele fürchten, das hellenische Schuldendrama könne einen Flächenbrand auslösen. Ob der am Donnerstag auch an der Wall Street für den größten Kurssturz in der Geschichte gesorgt hat, wurde am Freitag nicht geklärt. Am Donnerstag war der Dow-Jones-Index um fast 1000 Punkte binnen Minutenfrist abgesackt. Nun ermittelt die Börsenaufsicht SEC. Fest stand gestern bereits : Die Turbulenzen sind nicht durch einen technischen Defekt ausgelöst worden. Das teilte der Börsenbetreiber Nasdaq in New York mit. Allerdings wurden einige Käufe und Verkäufe aus der heißen Phase des Kursabsturzes rückabgewickelt.

Betroffen waren Aufträge von jenen Werten, deren Kurs zwischen 14.40 Uhr und 15 Uhr New Yorker Ortszeit um mehr als 60 Prozent ausgeschlagen habe. Ein Beispiel: Der Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (Gillette, Pringles Chips, Head & Shoulders Shampoo) verlor binnen Minuten 60 Milliarden Dollar an Marktwert.

Japan flutet Geldmarkt

Hartnäckig hielt sich die Erklärung, dass der Absturz möglicherweise auf einen Tippfehler zurückgeht. Im Englischen macht lediglich ein Buchstabe den Unterschied zwischen Billion (Milliarden) und Million (Millionen). Geprüft wurde, ob ein Händler versehentlich Aktien im Wert von 16 Milliarden statt 16 Millionen Dollar verkauft hat. Der Tippfehler hätte dann automatische Verkäufe ausgelöst (siehe ComputerSquash und Hintergrund).

Der Kurssturz in New York schickte auch in Tokio die Aktienbörse auf Talfahrt. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index brach um 3,1 Prozent auf10 365 Punkte ein. Angesichts der dramatischen Entwicklung an den Finanzmärkten plant die Bank von Japan umgerechnet rund 17 Milliarden Euro in den Geldmarkt zu pumpen.

2009 war die Staatsverschuldung des Landes auf 6,8 Billionen Euro gestiegen. Das entspricht 189,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) des Landes. Zum Vergleich: Deutschland hat einen Schuldenstand von 1,69 Billionen Euro und einen Verschuldungsgrad von 73,2 Prozent des BIP.

Von Martina Wewetzer

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