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Mit fünf Jahren saß sie schon an der Ladenkasse 

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Von: Peter Dilling

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Die Beste:  Annalena Eggert, zweite von links, mit IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan, links, ihren Eltern Lothar und Susanne Rommel und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes.
Die Beste: Annalena Eggert, zweite von links, mit IHK-Präsident Jörg Ludwig Jordan, links, ihren Eltern Lothar und Susanne Rommel und IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Arnd Klein-Zirbes. © Harry Soremski

Manchmal kommt es anders als geplant – und endet doch mit einem Happy End: So ist das bei Annalena Eggert, die eigentlich Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin werden wollte und dann Kauffrau im Einzelhandel geworden ist – mit der Chance einer Karriere als Marktleiterin im Familienunternehmen. Die 24-Jährige hat kürzlich als beste Auszubildende im Bereich der Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg (IHK) ihren Abschluss gemacht. Mit der Traumnote von 98,8 von 100 möglichen Punkten.

Reiner Zufall ist das nicht: Die verheiratete junge Frau hat bei ihrem Vater Lothar Rommel im Edeka-Markt von Ahnatal-Heckershausen die letzte Zeit ihrer Lehre verbracht. Vorher lernte sie im Edeka-Markt von Lothar Rommel in Harleshausen, der während ihrer Ausbildung geschlossen wurde. „Schon mit fünf Jahren hat Annalena zum ersten Mal an der Ladenkasse gesessen. Das fanden die Kunden lustig“, erinnert sich Lothar Rommel.

Als Gymnasiastin und Abiturientin half die junge Frau ihrem Vater bei den Abrechnungen und der Buchführung. Die Rommels sind eine eigene Edeka-Familie. Auch Annalenas Bruder leitet einen Markt, ihre Tante ebenso. Doch Eggert entschied sich wegen ihres „relativ guten“ Abiturzeugnisses, wie sie sagt, für ein Studium an der Uni Kassel. 

Frisch gebackene Kauffrau im Einzelhandel: Annalena Eggert (rechts) unterstützt ihren Vater Lothar Rommel (links) bei der Führung des Edeka-Markts in Heckershausen.
Frisch gebackene Kauffrau im Einzelhandel: Annalena Eggert (rechts) unterstützt ihren Vater Lothar Rommel (links) bei der Führung des Edeka-Markts in Heckershausen. © Peter Dilling

Damit war Schluss, als die junge Frau plötzlich schwanger wurde. Nach drei Semestern gab sie das Studium auf. Unter anderem weil sie mit Baby nicht mehr nebenbei bei ihrem Vater im Supermarkt arbeiten konnte, um es zu finanzieren. Schon vorher seien ihr Zweifel gekommen, ob sie auf dem richtigen Weg ist, erzählt Eggert. „Das Studium hat Spaß gemacht, aber die Fächer waren nicht so optimal. Außerdem hätte ich in irgendeine Großstadt gehen müssen, um beruflich Erfolg zu haben“, sagt sie.

Einfach nur einen Job machen, das ist ohnehin nicht das Ding der jungen Mutter. „Von Anfang an hat mich die Selbstständigkeit interessiert. Ein Unternehmen zu führen, sich selbst verwirklichen können, ist ein großer Anreiz“, meint Eggert.

Spitzenergebnis erreicht

Nach der Babypause entschied sie sich, da weiterzumachen, wo sie sich schon gut auskannte – im Einzelhandel. Die Vorkenntnisse in der Branche und das Abi hätten ihr sehr geholfen, erzählt Eggert. Anstrengend sei es dennoch gewesen. „Vor der Berufsschule habe ich Windeln gewechselt“, erzählt die junge Frau.

Auszeiten vom Beruf sind sehr wichtig: Annalena Eggert kann sich am besten bei einem Ausritt mit ihrem Pferd Sunny entspannen.
Auszeiten vom Beruf sind sehr wichtig: Annalena Eggert kann sich am besten bei einem Ausritt mit ihrem Pferd Sunny entspannen. © Foto: privat/nh/Repo: Peter Dilling

Und dann musste sie auch noch ihr Pferd versorgen, das im Stall an der Brückenmühle steht. Wie bewältigt man diese Mehrfachbelastung und schafft ein Spitzenergebnis bei der Prüfung – und das auch noch in der Hälfte der regulären Ausbildungszeit? „Ich bin ein absoluter Fan von Struktur und Planung. Man muss die Alltagsabläufe planen. Für mich waren auch Auszeiten wichtig, um dem ständigen Druck zu entfliehen“, antwortet Eggert. Dann habe sie sich nur um ihr Kind und um Privates gekümmert.

Außerdem habe sie große Unterstützung von ihrer Mutter und ihrem berufstätigen Ehemann erhalten. „Die Lehrer an der Paul-Julius-von-Reuter-Schule haben sich auch sehr viel Mühe gegeben. Von meiner Seite war auch Ehrgeiz dabei“, sagt die junge Mutter weiter. Ebenso habe sie vom Wirtschaftslehre-Leistungskurs an ihrem Gymnasium, der Friedrich-List-Schule, profitiert. Schließlich habe ihr auch das, was sie schon von ihrem Vater gelernt hatte, Vorteile verschafft.

Immer weiter lernen

Inzwischen geht Eggerts dreijährige Tochter schon länger in den Kindergarten – und die frischgebackene Einzelhandelskauffrau hat sich neue Ziele gesetzt: Sie arbeitet nicht nur im Edeka-Markt in Heckershausen, sondern qualifiziert sich auch zur Ausbilderin. Eine weitere, einjährige Edeka-interne Weiterbildung steht im Herbst an. 

In drei bis fünf Jahren, so sagt Eggerts Vater, könne seine Tochter wohl einen eigenen Edeka-Markt übernehmen. Selbstständiges Arbeiten und der persönliche Kontakt mit Kunden, das sei ihr sehr wichtig, erklärt Annalena Eggert. (Peter Dilling)

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