Mitten im Tarifkonflikt: Real und Kaufhof zahlen mehr

Mönchengladbach. Über 55.000 Mitarbeiter der Metro-Tochterunternehmen Real und Kaufhof bekommen mitten in den stockenden Tarifverhandlungen des Einzelhandels mehr Geld. Die Supermarktkette und die Warenhäuser erhöhen das monatliche Tarifentgelt bundesweit um 2,5 Prozent.

Das teilten Sprecher am Mittwoch in Mönchengladbach und Köln mit. Die Anhebung tritt in den Tarifgebieten jeweils entweder zum 1. August, zum 1. September, zum 1. Oktober oder rückwirkend ab 1. Juli in Kraft. Die Töchter der Metro AG behalten sich vor, die freiwillige Entgelterhöhung auf einen späteren Tarifabschluss anzurechnen. Bei Real bekommen über 35.000 Mitarbeiter und bei Kaufhof rund 20.000 Mitarbeiter mehr Geld.

Die dritte Einzelhandelstochter des Düsseldorfer Metro-Konzerns, Media-Saturn, äußerte sich am Mittwoch nicht zu ihrem Vorgehen in dem Tarifkonflikt des Einzelhandels. „Kein Kommentar“, sagte eine Sprecherin in Ingolstadt. Europas führende Elektronikketten Media Markt und Saturn hatte Ende 2012 hierzulande rund 27.000 Mitarbeiter. Das Warenhausunternehmen Kaufhof teilte in Köln außerdem mit, dass auch die Ausbildungsvergütungen um 2,5 Prozent angehoben werden.

Die regional geführten Tarifverhandlungen im Einzelhandel gelten als festgefahren. Verdi fordert 6,5 Prozent mehr Geld. Die Gewerkschaft verlangt außerdem, dass die von der Arbeitgeberseite gekündigten Manteltarifverträge ohne Abstriche wieder in Kraft gesetzt werden. In mehreren Tarifbezirken wie Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben die Arbeitgeberverbände ihren Mitgliedern empfohlen, auch ohne Tarifabschluss schon eine Einkommenserhöhung von 2,5 Prozent zu zahlen. Die Arbeitgeberverbände hatten zuvor Angebote mit zwei Stufen von 2,5 Prozent in diesem und 1,5 Prozent im nächsten Jahr vorgelegt. Sie verknüpfen ihre Angebote aber mit Forderungen. Unter anderem wollen sie flexiblere Arbeitszeitregelungen erreichen.

Die Metro ist Schwergewicht im Lager der Arbeitgeber. Konzernchef Olaf Koch hatte Anfang Mai in der Metro-Hauptversammlung betont, dass Real eines der tarifkonformsten Unternehmen im Lebensmittelhandel Deutschlands sei. Dafür nehme man nicht geringe Mehrkosten in Kauf, die andere nicht hätten. „Ich hoffe, dass wir als das tarifkonformste Unternehmen im Lebensmittel-Einzelhandel am Ende nicht Opfer werden einer Verhandlungseskalation, in der wir dann, die eigentlich die Musterknaben sind dieser Branche, dann noch mit Knüppeln was zwischen die Beine geschmissen bekommen“, sagte er damals vor Aktionären.

Bei der Reform von Tarifverträgen wolle man den Beschäftigten nichts wegnehmen, unterstrich Koch in seiner Rede Anfang Mai. Verdi sieht das jedoch anders und befürchtet erhebliche Verschlechterungen. Die Metro-Töchter Real und Kaufhof sind von zahlreichen Warnstreiks betroffen. Metro gibt an diesem Mittwoch Quartalszahlen bekannt. (dpa)

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