Universität Kassel und Unternehmen zeigen reale Energieeffizienzsteigerungen

Modellfabrik lehrt sparen

Ein Baustein der Effizienzstrategie der Bundesregierung ist die Steigerung des Anteils der Kraft-Wärme-Kopplung an der Stromversorgung. Betriebe sind wie geschaffen dafür. Wie es funktioniert zeigen Eric Junge (Limón, li.) und Prof. Jens Hesselbach mit einer dieser „cleveren Kisten“. Foto: M. Wewetzer

Kassel. Die Hitzewelle hat nicht nur ICE-Zügen Probleme gebracht, sondern auch in vielen Unternehmen die Kältetechnik überlastet und die Energiekosten anschwellen lassen. Wie sich Energie effizienter einsetzen lässt, welche Lösung die wirtschaftlichste ist und welche Kosten am Ende gespart werden, kann die Modellfabrik HIER an der Universität Kassel berechnen. HIER steht für „Hessen – Innovationen für Energie- und Ressourceneffizienz“. Gestern wurde das Projekt der Öffentlichkeit vorgestellt.

Angesiedelt ist HIER bei den Maschinenbauern. Dort imulieren Prof. Jens Hesselbach (Umweltgerechte Produkte und Prozesse) und der Energieeffizienz-Experte Dr. Eric Junge vom Kasseler Unternehmen Limón, Lösungsansätze. Beim imulieren wird die Software der Modellfabrik mit den echten Daten der realen Fabrik gefüttert. Anhand der Berechnungen werden praxistaugliche Konzepte erstellt. Imulieren geht über simulieren hinaus.

Viele Unternehmer wollen zwar die Energiekosten senken, so die Erfahrung von Hesselbach, kämpfen aber mit einem Maschinenpark, der einen Lebenszyklus von zehn bis 17 Jahren hat. Um diese Maschinen auf Effizienz zu trimmen, lassen sich mit der Software Alternativen durchspielen. „Zwischen zehn und 50 Prozent weniger Energieverbrauch sind möglich, je nachdem wie effizient die Fabrik aufgestellt ist“, sagt Hesselbach.

Geringere Energiekosten rechnen sich in höheren Gewinnmargen, aber auch bei Entscheidungen für weltweite Standorte. Ein Beispiel: Baut man eine Fabrik baugleich in Nordhessen, Indonesien und Russland, dann glänzt zum punktgenauen Vergleichszeitpunkt der Standort Nordhessen, der 150 Kilowatt (kW) Leistung benötigt, Indonesien liegt bei 300 kW, Russland bei 200 kW. Der Grund: In Indonesien frisst die Klimaanlage den Strom, in Russland ist es die Heizung. Ziel des Projektes ist, das Wissen in Unternehmen zu verbreiten und umzusetzen. „Denn die formulierten Einsparziele der Bundesregierung werden bei weitem nicht erreicht, auch, weil die vorhandenen Möglichkeiten effizienter Energienutzung noch zu wenig bekannt sind“, sagt Hesselbach.

Projekt-Förderer

Unterstützt wird HIER von Partnern wie VW (Baunatal), Imtech (Kassel) und Viessmann (Allendorf-Eder). Gefördert wird es über drei Jahre mit insgesamt 1,2 Millionen Euro, die vom Land Hessen kommen, sowie mit weiteren 1,1 Mio. Euro von verschiedenen Unternehmen. † www.hier-hessen.de

Von Martina Wewetzer

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