Moody's stuft deutsche Landesbanken herab

Frankfurt/Main - Den meisten deutschen Landesbanken weht von Seiten der Ratingagentur Moody's rauerer Wind entgegen. Die Agentur senkte am Mittwochabend ihre Bewertung der Bonität einiger Häuser um teils bis zu drei Stufen.

Neuer Schreckschuss für die Landesbanken: Die Ratingagentur Moody's schickt den meisten Instituten blaue Briefe. Die umstrittenen Bonitätswächter senkten ihre Bewertung der Kreditwürdigkeit drastisch, zum Teil um bis zu drei Stufen. Wie schwer die Landesbanken zu kämpfen haben, zeigen auch die jüngsten Quartalsergebnisse: Der Primus LBBW rutschte im dritten Quartal beim Ergebnis vor Steuern in die roten Zahlen. Am Vortag hatte schon die BayernLB einen Verlust veröffentlichen müssen.

Die großen, in der Finanzkrise vom Staat gestützten Landesbanken stehen wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten und den strengen Auflagen durch die EU schwer unter Druck.

Am schlechtesten schnitt bei Moody's die HSH Nordbank ab, auch die BayernLB geriet an den Pranger, mit am besten hielt sich trotz Abstufung die Helaba. Die Landesbanken reagierten allerdings gelassen, zum Teil gab es auch Kritik, dass jüngste Fortschritte bei Umstrukturierungen nicht ausreichend bewertet worden seien. Auch der Deutsche Sparkassen- und Giroverband zeigte sich nicht überrascht, schob die Herabstufung auf eine geänderte Systematik der Ratingagentur.

Moody's erklärte ausdrücklich, dass nicht die aktuelle Schuldenkrise der Grund für die Herabstufung sei. Vielmehr sei inzwischen weniger wahrscheinlich, dass der Staat die größtenteils noch im Besitz der Länder oder öffentlichen Einrichtungen befindenden Häuser stützen wird.

Wirtschaftskrise: Diese Banken hat es am meisten getroffen

Kaupthing Bank
Zahlungsunfähig seit einem Jahr: Die isländische Kaupthing Bank steht seit Oktober 2008 unter staatliche Aufsicht. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen. Die deutschen Kaupthing-Anleger bangen noch immer um ihre Einlagen. © dpa
Protest nach Lehman-Pleite
Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers am 15. September 2008 war die größte Pleite eines Unternehmens, das die Welt je gesehen hat. In Folge brachen weltweit die Aktienmärkte ein und das globale Finanzsystem befand sich am Rande des Kollapses. Ein Jahr nach der Pleite erheben deutsche Banken Anspruch auf 50 Milliarden Dollar aus der Insolvenzmasse.  © dpa
Hypo Real Estate
Die Hypo Real Estate ist seit 13. Oktober 2009 vollständig in staatlicher Hand. Die Bank war in Schieflage geraten und konnte nur mit staatlichen Hilfen vor der Pleite bewahrt worden. Viele Anleger fühlen sich nun um ihr Erspartes gebracht. © AP
Bayern LB
Die BayernLB hatte allein 5,2 Milliarden Euro mit verbrieften US-Immobilienkrediten verspielt. Weitere 2,6 Milliarden Euro kostete das Engagement bei der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria. Dem Freistaat Bayern gehören inzwischen 94 Prozent der Bank. Doch 2010 erzielte die Bank wieder einen Profit von 635 Millionen Euro. © AP
westLB
Die nordrhein-westfaelische Landesbank WestLB steckt seit 2007 durch Fehlspekulationen und die Auswirkungen der Finanzkrise in Schwierigkeiten. Für 2010 meldete sie ein Minus von 240 Millionen Euro - und das, obwohl sie marode Kredite im Volumen von 77 Milliarden Euro in eine Bad Bank ausgelagert hat. © AP
IKB
Bereits im Sommer 2007 wäre die in Düsseldorf ansässige IKB beinahe pleite gegangen. Als erstes großes Geldinstitut in Deutschland. Zehn Milliarden Euro waren notwendig, um die Mittelstandsbank zu retten, vor allem der Staat musste einspringen. Doch noch immer sind die Ursachen für die Pleite nicht aufgeklärt. © AP
Commerzbank
Die Commerzbank musste vom Staat mit Milliardensummen gestützt werden. Dennoch hat die Bank Anfang Oktober 2009 nach Berichten des Handelsblatts Teile der von der Politik beschlossenen Regeln zum Anlegerschutz heftig attackiert. Bis Juni 2011 will die Bank 14,3 Milliarden Euro Rettungsgelder zurückzahlen. Das sind 88,3 Prozent der Stillen Einlage des staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin von 16,2 Milliarden Euro. © dpa
HSH Nordbank
Die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen. 2008 legte die HSH Nordbank einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro hin. Sie überlebte nur dank Steuermilliarden. 2010 erzielte sie nach harter Restrukturierung einen klitzekleinen Gewinn von 48 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von 151 Milliarden Euro. Die verbliebene Neun-Milliarden-Euro-Bürgschaft des Bankenrettungsfonds SoFFin will sie bis Mitte 2012 abbauen. © dpa
LBBW
Die finanziell schwer angeschlagene Landesbank Baden-Württemberg will bis 2013 ganze 2500 Stellen streichen, um so jährlich rund 700 Millionen Euro einzusparen. Inzwischen ist klar: Im Frühjahr 2009 war die LBBW quasi pleite. Gerettet haben sie Land und Sparkassen und ein Risikoschirm von 12,7 Milliarden Euro. © dpa
Bear Stearns
Die Finanzkrise erreichte mit dem Notverkauf der fünftgrößten US-Investmentbank Bear Stearns im März 2008 einen ersten Höhepunkt vor der Lehman-Pleite. Die Bank wurde mit Unterstützung der US-Notenbank von ihrem früheren Konkurrenten JP Morgan Chase übernommen. © AP
Uni Credit
2006 übernahm die italienische Uni Credit, der Mutterkonzern der Bank Austria, die deutsche Hypo Bank. Unser Archivfoto zeigt den Uni Credit Chef Alessandro Profumo beim Verkünden dieser Nachricht. Die Wirtschaftskrise nötigte die Bank zu einer Kapitalerhöhung bis zu 6,6 Milliarden Dollar und zu einem Expansionsstopp in Osteuropa. © dpa
Goldman Sachs
Bei Goldman Sachs, einer weltgrößte Investmentbank, ist Warren Buffett eingestiegen. Die Finanzbranche fürchtet erneute Rückschläge, die Krise ist längst noch nicht vorbei. Aber Goldman Sachs legte im Juli 2009 Zahlen wie aus Tagen des Turbokapitalismus: Mit einem Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar hat das krisengeschüttelte Institut für einen Paukenschlag gesorgt. © AP
Merill Lynch
Die drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch hat sich inmitten der Wall-Street-Krise in einem Eilverkauf unter das Dach der Bank of America gerettet. Der Kaufpreis lag bei 50 Milliarden Dollar - allerdings nur in Aktien. Damit bewahrte der Merrill-Chef sein Traditionshaus vor dem Schicksal des insolventen Konkurrenten Lehman Brothers. © dpa
Northern Rock
Lange Schlangen gab es vor den Fillialen von Northern Rock, einem Baufinanzierer aus Großbritannien, da die verzweifelten Kunden ihr Ersparnisse retten wollten. Trotz eines Notfall-Kredits durch die Bank von England wurde das Institut im Februar 2008 verstaatlicht. © dpa
Zentrale US-Versicherungsgigant American International Group AIG
Beim taumelnden US-Versicherungsgiganten American International Group AIG hat die US-Regierung kaum vorstellbare 180 Milliarden Dollar Steuergelder zu dessen Rettung investiert. Die Gehälter der Manager der Handelssparte will die US-Regierung drastisch kappen. © dpa
Chrysler-Zentrale Michigan
Nur dank enormer Staatshilfen hat die Autobank Chrysler-Financial des Chrysler-Konzerns die Wirtschaftskrise bislang überstanden. In der Zentrale des Konzerns in Auburn Hills, Michigan, müssen die Manager derweil mit Gehaltseinbußen rechnen. Die US-Regierung will deren Bezüge drastisch kürzen. © dpa
citigroup
Die US-Großbank Citigroup hatte im September 2009 angekündigt, Staatshilfen im Wert von 20 Milliarden Dollar zurückzahlen zu wollen. Doch bislang stimmte die US-Regierung dem nicht zu. Diesen will zunächst offenbar keine weiteren staatlich gestützten Finanzinstitute aus ihrer Kontrolle entlassen. © AP
GM-Zentrale Detroit Michigan
Der Autokonzern General Motors, hier seine Zentrale in Detroit, betreibt auch eine Autobank namens GMAC. Der größte Autofinanzierer des Konzerns musste wegen Milliardenverlusten Staatshilfen in Anspruch nehmen. © dpa

Moody's stützte sich dabei auf die neuen Regeln zur Abwicklung von Banken in Deutschland. So greift bereits seit Januar das Banken-Restrukturierungsgesetz. Es sieht vor, dass Banken mögliche künftige Krisen selbst schultern müssen und den Staat nicht mehr zu Rettungsmaßnahmen zwingen können.

Je schlechter die Agenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto teurer und schwieriger wird es für diesen in der Regel, sich am Markt Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, schlimmstenfalls ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Da die Eigentümerstrukturen bei Landesbanken höchst unterschiedlich sind und damit auch die Refinanzierung, muss dies hier aber nicht unbedingt gelten.

Von der Herabstufung sind nahezu alle Landesbanken betroffen: Ausgenommen ist die Landesbank Berlin (LBB), deren Bewertung nicht geändert wurde. Die sich im Umbau befindliche WestLB wird von Moody's noch genauer geprüft und blieb auch außen vor.

Der Sparkassen-Dachverband sieht in der Herabstufung keinen Bezug zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Häuser. Die Ergebnisse seien vielmehr das Ergebnis einer Änderung der Rating-Systematik bei Moody's, sagte Karl-Peter Schackmann-Fallis, Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands.

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) begründete ihren aktuellen Quartalsverlust vor Steuern von 191 Millionen Euro mit Belastungen durch Kreditausfallversicherungen und weiteren Abschreibungen auf griechische Staatsschulden. Seit Jahresbeginn summierten sich die Belastungen aus der Staatsschuldenkrise bereits auf 750 Millionen Euro.

Neben der LBBW, die um drei Stufen auf A2 herabgestuft wurde, traf die Neubewertung auch die BayernLB, von A1 gleich auf Baa1 - damit ging das erstklassige A-Niveau verloren. Während die LBBW eine Stellungnahme ablehnte, erklärte die BayernLB, sie rechne nicht mit unmittelbaren Problemen. Um drei Stufen herunter ging es auch für die NordLB und deren Töchter Bremer Landesbank sowie Deutsche Hypothekenbank, um zwei Stufen für die Helaba, die HSH Nordbank und die SaarLB.

“Die Unterschiede in den Herabstufungen sind dadurch zu verstehen, dass zuvor sehr unterschiedliche Unterstützungsgrade eingerechnet waren. Heißt: Bei Instituten, die in der Krise 2008/2009 Rettungsgelder bekamen, ist die Korrektur der Ratings jetzt größer“, sagte Moody's-Bankenanalystin Katharina Barten der dpa.

Wie die Helaba, die mit der Benotung A1 unter den Landesbanken am besten abschnitt, erwarten auch die NordLB und weitere Landesbanken durch die schlechteren Benotungen keine schwerwiegenden Auswirkungen.

Das Schlusslicht (von A3 auf Baa2) bildete die HSH Nordbank. Sie äußerte deutliche Kritik. “Moody's erkennt zwar die große Verbundenheit der Länder Hamburg und Schleswig-Holstein mit der HSH Nordbank an. Wesentliche nachweisbare und gegenüber den Analysten im Detail dargelegte Fortschritte blieben bei der Entscheidung von Moody's leider unberücksichtigt“, sagte HSH-Chef Paul Lerbinger.

Das Modell der Landesbanken, die meistens im Eigentum der Länder und der jeweiligen Sparkassen sind, steht seit Jahren unter anderem wegen des hohen Einflusses der Politik in der Kritik von Experten und den Ratingagenturen. Seit dem Wegfall der sogenannten Gewährträgerhaftung, die den Landesbanken eine Absicherung der Kredite über den Staat garantiert hatte, im Jahr 2005 steht der gesamte Sektor unter Druck. Dazu kamen wie bei der BayernLB und der WestLB eine Reihe von hausgemachten Problemen, so dass viele Landesbanken in der Finanzkrise 2008 mit staatlichen Geld gerettet werden mussten. Die EU-Kommission hatte im Gegenzug strenge Auflagen erlassen.

dpa

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