Das kesselt endgültig nicht mehr

Motorradhersteller Horex: Wiederbelebung der Firma ist gescheitert

Kassel/Augsburg. Horex, die Kult-Motorradmarke, ist zahlungsunfähig. An den Erfolg, den das Unternehmen mit den Modellen Regina, Imperator und Resident verzeichnete, konnte es nicht anknüpfen.

Historische Horex-Modelle zeigt das Museum PS-Speicher in Einbeck (Kreis Northeim).

Beliebt waren die Motorräder zwischen 1923 und 1956. Kultstatus sprach man ihnen spätestens seit dem Jahr 1981 durch die Comicfigur Werner zu. Der hemdsärmelige Installateurlehrling ergab mit seinem Motorrad die perfekte Symbiose aus knatterndem Stahl, Benzingeruch und Ölflecken auf dem Blaumann. Sein Spruch „Das muss kesseln“ wurde zum geflügelten Wort. „Heimliche Herrscherin der Werner’schen Kultschmiede“ wird das Motorrad auf der Homepage der Comicfigur genannt. Oder auch „zweirädrige Legende“. Ein Chopper, „wie unter Rabauken üblich“.

Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg war Horex ein klangvoller Name, bis die Deutschen mit steigendem Wohlstand in den 1950er-Jahren auf das Auto umstiegen. Nachdem die Firma zwischen mehreren Eigentümern hin- und hergeschoben worden war, nahm sich im Jahr 2010 der in der IT-Branche beheimatete Clemens Neese der Marke an.

Für 12 Millionen reanimiert

Das sagt Werner-Erschöpfer Rötger Feldmann (Brösel) zur Insolvenz

Ein bekannter Horex-Fahrer ist die Comic-Figur Werner des Zeichners Rötger Feldmann. Zum Ende der Kult-Marke sagt Feldmann, der selbst Horex fährt: „Die neue Marke Horex hat mit der alten nichts zu tun, wir kennen die Macher nicht und haben uns über die Art und Weise der Leute geärgert. Die Insolvenz ist insofern kein Wunder. Die neue Marke bedeutet mir garnichts. Das waren früher schöne Motorräder, die durch Werner und mich ein Revival erlebt haben. Ich fahre meine alten Schüsseln heute immer noch gerne.“ (jvp)

Die Wiederbelebung der Horex wurde mit Finanzspritzen der KfW-Mittelstandsbank und des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie gefördert. Mehr als zwölf Millionen Euro soll das gekostet haben. Im Jahr 2013 hatte sich Neese noch optimistisch gegeben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten laufe die Produktion gut. Er sei „froh, mit dem VR6 ein Alleinstellungsmerkmal zu haben“, sagte er damals.

Der VR6 ist ein Motor, der Eigenschaften des Hubkolben- und des Reihenmotors vereint. So konnte er schmal gebaut werden und fand Platz in der neuen Horex VR6. Doch bereits in der Anfangsphase zeigten sich Probleme bei dem Flaggschiff, dessen Motor zum Patent angemeldet worden war. Die Produktion der VR6 war für Ende 2011 angekündigt. Mehrfach wurde dieser Termin verschoben, letztlich kam das Motorrad im Frühjahr 2013 in den Verkauf - für etwa 25.000 Euro. Wie viele Maschinen abgesetzt wurden, ist unklar.

Im Geschäftsjahr 2012 belief sich der Jahresfehlbetrag der Horex GmbH laut Bundesanzeiger auf 2,7 Millionen Euro. Seinerzeit beschäftigte die Gesellschaft durchschnittlich 16 Arbeitnehmer.

Das neue Image der Marke beschrieb Designer Peter Naumann im Jahr 2010 dem Spiegel: „Der Plan war, die Konturen der alten Horex-Maschinen wie der Regina oder der Imperator in die aktuelle Zeit zu übersetzen.“ Gleichzeitig wolle man auf modischen Schnickschnack verzichten. Vielleicht war es diese Übersetzung in die Neuzeit, die der Marke geschadet hat. Denn die neuen Modelle knattern zwar. Aber nach Rabauken sehen sie nicht aus.

Von Jürgen von Polier

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