Ein Kasten, der die Welt veränderte

Als Musik tragbar wurde: Das Transistorradio feiert seinen 60. Geburtstag

Kleiner als eine Schachtel Zigaretten: Ein Mädchen betrachtet 1961 in Fürth den „Solo-Boy“, ein Transistorradio, das vom Format her kleiner als eine Schachtel Zigaretten und damit das kleinste Radio seiner Zeit war. Hergestellt wurde der Solo-Boy von der Firma Grundig.     Fotos: dpa

New York. Vor 60 Jahren hieß der iPod „Regency“. Er war klein. Und leicht. Und tragbar. 1954 wurde mit dem „Regency TR-1“ das Transistorradio erfunden – und zum ersten Mal in der Geschichte wurde für jeden das Empfangsgerät für Musik tragbar.

Heute hat fast jeder immer Musik dabei. MP3-Spieler, Telefon, Computer – auf Geräte, kleiner als Streichholzschachteln, passen Tausende Stunden Musik. Noch Elvis Presleys erste Platte aber konnte man, wenn man nicht gerade im Auto saß, nur zu Hause hören. Dabei war es die Hochzeit des Radios, in der man stundenlang vor den Kästen saß.

Musik unterwegs? Wie sollten das denn mit den großen Stromschluckern namens Röhrenradio funktionieren? Es gab sie, aber nur als Randerscheinung. Und ihre Produktbezeichnung war nicht umsonst Kofferradio. Und dann kam der Transistor. Der machte im Grunde das gleiche wie eine Röhre, Schalten und Verstärken.

Aktion

Mit dem Transistorradio verbinden viele Menschen tolle Momente. Wenn auch Sie, liebe Leser, Erinnerungen an ihr Transistorradio haben, und diese auf Foto festgehalten haben, schicken Sie uns bitte Ihre Bilder mit einer kurzen Beschreibung per Mail an nachrichten@hna.de oder per Post an: HNA-Nachrichtenredaktion, Postfach: 34010 Kassel. Wir veröffentlichen die Bilder in einer unserer nächsten Ausgaben.

Doch anfangs gab es wirtschaftlichen Widerstand, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wollte das Gerät so recht keiner. Und als die Branche dann doch neugierig wurde, gab es keine Transistoren: Das Militär hatte alle weggekauft, weil man Funkgeräte ganz praktisch fand, die man nicht als Rucksack mit sich rumschleppen musste.

So dauerte es bis 1953, bis das Intermetall-Halbleiterwerk aus Düsseldorf ein Transistorradio zeigte. Doch wieder waren die US-Amerikaner schneller, ein Produkt marktfähig zu machen: Texas Instruments stellte mit einem Partner am 18. Oktober 1954 das Regency TR-1 vor. Slogan: „See it! Hear it! Get it!“ – sehe es, höre es, kaufe es.

Die erste Nachricht vom Mauerbau oder dem ersten Mann im All hörten die meisten Menschen vermutlich aus dem Transistorradio. Doch die Qualität des Radios war schlecht, und es kostete 50 Dollar – ein Brot 17 Cent.

Im nächsten Jahr gab es das Raytheon 8-TP: größer, teurer, aber besser. Innerhalb von zwei Jahren fiel der Preis auf 15 Dollar. Es gab immer kleinere, bessere und billigere Radios, und die besten kamen aus Japan. Tatsächlich war es der Transistor, der den Grundstein zur japanischen Wirtschaftsmacht legte. Masura Ibuka sah das Bauteil in den USA. Seine Firma erwarb Patente und baute das TR-55. Das Transistorradio war so erfolgreich, dass Ibuka seiner Firma den Beinamen des Radios gab: Sony. (dpa)

Im Musik-, Radio- und Kinomuseum in Helsa-Eschenstruth (Kreis Kassel) sind viele Transistorradios ausgestellt. Kontakt: 05602/918833.

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