Musikstudenten müssen Perfektionisten sein und hart arbeiten

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Ein großer Konzertsaal, ein furioser Auftritt, und ein begeistertes Publikum jubelt einem zu - viele junge Musiker wünschen sich nichts mehr, als das einmal zu erleben. Tausende bewerben sich jedes Jahr um einen der begehrten Studienplätze für Musik in Deutschland.

Aber selbst wer die strengen Aufnahmeprüfungen besteht, schafft nur selten den Schritt zum erfolgreichen Solomusiker. Und noch weniger werden umjubelte Stars. Die Hoffnung auf den großen Ruhm ist aber ohnehin weniger, was Musikstudenten antreibt. „Die Hauptmotivation ist schon, dass sie musizieren wollen“, sagt Thomas Erlach, Studienfachberater an der Universität Dortmund. An ihre berufliche Zukunft dächten viele dabei erstmal nicht so sehr. Die meisten hätten von klein auf ein Instrument gelernt, viele lebten regelrecht für die Musik.

Es reicht aber nicht, für die Musik zu leben - ein Profi muss auch von der Musik leben können. „Natürlich ist es wichtig, Ideale zu haben. Aber man sollte auch realistisch sein“, gibt Erlach zu bedenken. Gerade die Hoffnung, Solo-Musiker zu werden, platze oft. Deshalb sollten sich angehende Musik-Studenten früh überlegen, was sie später mit dem Studium anfangen wollen, rät Dorothee Göbel von der Hochschule für Musik und Theater München. Die Bandbreite ist riesig: Vom Solo- oder Orchestermusiker reicht sie über Musikmanager, Tontechniker bis hin zum Lehrer an Schulen oder Musikschulen. Entsprechend vielfältig ist das Studienangebot: So gibt es Studiengänge für Populärmusik, alte Musik oder Musical. Außerdem kann man Musikmanagement, -therapie oder -pädagogik lernen. Und jede Hochschule bietet in diesen Fächern andere Schwerpunkte an.

Aufnahmetests nicht unterschätzen

Um das passende Angebot zu finden, müssen Bewerber also genau hingucken. „Dabei darf man auch die Aufnahmeprüfungen nicht außer Acht lassen“, sagt Hanna Prins, Studentin an der Musikhochschule Lübeck. „Da muss man einfach gucken, welche Prüfungen man mit den eigenen Erfahrungen schaffen kann.“ Die Tests sind dabei nicht überall gleich streng. Für Lehramtsstudenten liegt die Latte generell etwas niedriger als für Instrumentalisten. An reinen Musikhochschulen sind die Tests oft noch strenger als an Uni-Fakultäten. „Trotzdem sollte man das nicht unterschätzen“, warnt Prins. „Man muss sich wirklich vorbereiten und darf sich nicht nur auf sein Talent verlassen.“

Generell besteht die Eignungsprüfung immer aus einem theoretischen und einem praktischen Teil. Mindestens ein halbes Jahr lang sollte man sich auf die praktische Prüfung vorbereiten, um die geplanten Vortragsstücke möglichst perfekt zu beherrschen, rät Prins. Auch das Spielen unbekannter Stücke vom Notenblatt müsse man üben. Für die meisten Studiengänge muss man zwei Instrumente sehr gut beherrschen.

„Es ist nicht so, dass man sich bei der Aufnahmeprüfung nicht verspielen darf“, ergänzt Erlach. „Die Prüfer wollen hören, ob jemand die grundlegenden technischen Fähigkeiten hat, und ob er das Stück, das da vor ihm liegt, auch versteht.“ Bei der theoretischen Prüfung komme es vor allem auf das Hören an. „Man muss zum Beispiel zu einem einfachen Volkslied nach Gehör die Noten aufschrieben können.“ Auch im Studium wechseln Theorie und Praxis: Musikgeschichte, systematische Musikwissenschaft und weitere Theoriestunden gehören zum Programm. Wer Profi werden will, müsse oft bis zu acht Stunden am Tag üben, sagt Prins. Aber selbst Lehramtstudenten verbringen ein bis drei Stunden am Tag mit ihrem Instrument. (dpa)

Hintergrund: Institut für Musik der Universität Kassel

„Am Institut für Musik der Universität Kassel versuchen wir im künstlerischen Bereich aktuelle Musik aller Stilistiken - also sowohl Populäre Musik als auch Avantgarde Musik - zu thematisieren, erläutert Prof. Dr. Frauke Heß. Das Institut bietet sogar eine Professur für Populäre Musik.

Die pädagogischen Studienanteile stellen immer wieder Beziehungen zur Berufspraxis her und machen diese zum Gegenstand der Reflexion. Eine weitere Besonderheit in Kassel ist ein Pflichtmodul „Projektarbeit“, in dem die Studierenden prozessorientiertes und ergebnisoffenes Arbeiten in eigenen Projekten kennen lernen. Dahinter steckt die Überzeugung, dass nur der, welcher selbst einmal so gearbeitet hat, den Mut haben wird, projektorientiert in der Schule zu arbeiten.

Komplettiert wird das Studium durch musikwissenschaftliche Anteile, also historische, musiksoziologische und musikpsychologische Angebot. Eine Ausbildung zum Instrumentalpädagogen kann man in Kassel an der Musikakademie der Stadt absolvieren. (hko)

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