Schweröl ohne Partikelfilter

Nabu: Kein Kreuzfahrtschiff aus Umweltsicht empfehlenswert

+
Derzeit fahren alle Reedereien mit Schweröl und nutzen keine Rußpartikelfilter gegen Feinstaub. Der Nabu prangert das an. Foto: Marcus Brandt

Die Umweltschützer des Nabu haben erneut die Kreuzfahrt-Reedereien scharf kritisiert. In Sachen Umweltschutz passiere zu wenig. Die Reedereien weisen das zurück - auch der Nabu sieht immerhin einen Lichtblick.

Hamburg/Berlin (dpa) - Schweröl als Treibstoff und kaum Abgasreinigung: Laut dem Naturschutzbund Nabu ist aus Umweltsicht kein einziges Kreuzfahrtschiff in Europa empfehlenswert.

"Die Umweltbilanz der Kreuzfahrtreeder ist insgesamt weiterhin schlecht", sagte Bundesgeschäftsführer Leif Miller bei der Vorstellung des jährlichen Rankings in Hamburg.

Der Nabu verwies daneben auf verdeckte Messungen an Bord von Kreuzfahrtschiffen, die eine hohe Belastung mit krebserregenden Rußpartikeln zeigten. Auch in den großen Häfen gebe es massive Luftbelastungen.

Noch am besten schnitten in dem Ranking die beiden deutschen Reedereien Tui Cruises mit den vier Neubauten "Mein Schiff 3" bis "Mein Schiff 6" und Hapag-Lloyd Cruises mit der "Europa 2" ab. Sie verwenden laut Nabu immerhin einen Stickoxid-Katalysator.

Kritik äußerte der Umweltschutzverband unter anderem an Aida Cruises. Das Unternehmen habe Investitionen in Abgassysteme angekündigt, ohne diese dann aber umzusetzen. Auch über ein Jahr nach der Indienststellung der "Aida Prima" sei dort kein Abgasfilter im Einsatz.

Dem widersprach allerdings Aida Cruises: Sechs Schiffe der Flotte - darunter die "Aida Perla" und "Aida Prima" - verfügten über Systeme zur Abgasnachbehandlung. Wo es die Genehmigung zum Betrieb der Systeme gebe, würden diese auch genutzt.

Auch der Kreuzfahrtverband Clia kritisierte die Darstellung des Nabu. Bereits seit 2015 gelte zum Beispiel in der Nord- und Ostsee ein Schwefel-Grenzwert von 0,1 Prozent. Das bedeute, dass dort kein Schiff mehr mit Schweröl fahren darf, ohne eine Filtertechnik an Bord zu haben. Die Behauptung, dass alle Schiffe mit Schweröl fahren, treffe ebenfalls nicht zu. Sämtliche Kreuzfahrtschiffe erfüllten die gesetzlichen Grenzwerte oder gingen darüber hinaus.

Kritik gab es von Clia auch an den Messmethoden des Nabu. Diese entsprächen nicht wissenschaftlichen Standards. Grundsätzlich verfolge man aber das gleiche Ziel: eine Reduzierung der Emissionen und den Schutz der Umwelt.

Eine positive Teilentwicklung sieht auch der Nabu. Besserung sei ab 2018 in Sicht, wenn die ersten komplett mit Flüssigerdgas (LNG) betriebenen Schiffe in Dienst gestellt werden. Das erste wird die "Aida Nova" sein, die im Dezember 2018 an den Start gehen soll.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.