"Zeit der erheblichen Verunsicherung"

Nach Brexit: Britische Notenbank senkt Leitzins auf Rekordtief

London - Die britische Notenbank hat sechs Wochen nach dem Brexit-Votum den Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt.

Angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten durch das Brexit-Votum senkt die britische Notenbank den Leitzins auf ein neues Rekordtief. Er liegt jetzt bei 0,25 Prozent und damit auf dem tiefsten Stand in der 322-jährigen Geschichte der Bank of England. Zugleich legte die Notenbank am Donnerstag ein milliardenschweres Anreizprogramm auf, um die britische Wirtschaft anzukurbeln und ein Abdriften in die Rezession zu vermeiden.

Die Bank of England senkte den Leitzins von 0,5 auf 0,25 Prozent herab. Es war die erste Absenkung seit März 2009, als sich das Land angesichts der weltweiten Finanzkrise mitten in einer Rezession befand.

Zugleich kündigte die Zentralbank an, ihr Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen um 60 Milliarden Pfund (71 Milliarden Euro) auf 435 Milliarden Pfund aufzustocken. Außerdem stellt sie zehn Milliarden Pfund für den Aufkauf von Unternehmensanleihen bereit. Bis zu 100 Milliarden Pfund sollen genutzt werden, um für die Banken die Kreditvergabe an Privatleute und Firmen attraktiver zu machen.

"Zeit der erheblichen Verunsicherung"

"Wir erleben eine Zeit der erheblichen Verunsicherung", sagte der Chef der Bank of England, Mark Carney mit Blick auf das Brexit-Votum. "Die wirtschaftlichen Aussichten haben sich deutlich verschlechtert."

Die Notenbank beließ zwar ihre Wachstumsprognose für 2016 bei 2,0 Prozent. Allerdings korrigierte sie ihre Prognosen für die Folgejahre deutlich nach unten: Für 2017 rechnete sie nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent, für 2018 mit 1,8 Prozent. Bisher war sie für beide Jahre von einem Zuwachs von je 2,3 Prozent ausgegangen.

Die Briten hatten sich am 23. Juni mehrheitlich für einen Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union entschieden. Vor allem bei Unternehmen sorgte diese Entscheidung für Unsicherheit.

In ihrer ersten Sitzung nach dem Referendum über den EU-Austritt hatte die Bank of England Mitte Juli noch von einer Leitzinssenkung abgesehen und den Zinssatz bei 0,5 Prozent belassen. Inzwischen haben sich aber mehrere Indikatoren für die Wirtschaftsentwicklung eingetrübt.

afp

"Was haben wir nur getan?" Presse-Schlagzeilen zum Brexit

The Sun
"See EU later! Großbritannien hat sich für den EU-Ausstieg entschieden. Der britische Politiker Nigel Farage nimmt Stellung: 'Nach einer nervenaufreibenden Nacht haben die einfachen Leute gewonnen'." © The Sun/Screenshot
The Times
"Die Ängste vor den schrecklichen Folgen des EU-Ausschlusses sind nun wahr geworden." © The Times/Screenshot
MailOne
"Große Panik macht sich auf den Märkten breit, nachdem Großbritannien der EU den Rücken zukehrt: FTSE 100 Index (INDEXFTSE) fällt um mehr als 7% ab, man spricht von dem größten Pfund-Einbruch in der Geschichte Großbritanniens." © MailOne/Screenshot
Mirror
"''Was haben wir nur getan?' Briten zeigen sich beschämt und distanzieren sich von ihrer 'Albtraum'-Entscheidung des EU-Ausstiegs." © Mirror/Screenshot
The Scotsman
"Britannien hat die EU verlassen: Wie geht es jetzt weiter?" © The Scotsman/Screenshot
Metro
"EU-Volksentscheid. So reagiert die Welt auf das Thema Brexit." © Metro/Screenshot
EveningStandard
"Resultat des Volksentscheids schockt Führungskräfte"  © EveningStandard/Screenshot
Daily Record
"Welche Folgen hat der Brexit-Beschluss für den Euro im Urlaub? Umtauschraten sinken." © Daily Record/Screenshot
Bild-Zeitung
"Die Meinungen zum EU-Ausstieg gehen weit auseinander." © Bild-Zeitung/Screenshot
Frankfurter Allgemeine 
"Die Wähler haben die Zukunft Großbritanniens und Europas bestimmt." © Frankfurter Allgemeine /Screenshot

Rubriklistenbild: © afp

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