„Vertrauensbasis nicht weiter erodieren“

Nach Türkei-Referendum: Industrie und Handel „besorgt“

Berlin/Ankara - Aus Sicht der deutschen Industrie schadet sich die Türkei mit dem mehrheitlichen Votum für mehr Machtbefugnisse des Präsidenten wirtschaftlich selbst am meisten.

„Das Ergebnis des Referendums besorgt mich“, sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, am Dienstag in Berlin. „Die Türkei entfernt sich damit weiter von europäischen Grundwerten.“ Dabei sei das Land „auf ausländische Direktinvestitionen angewiesen, die im vergangenen Jahr bereits um knapp ein Drittel eingebrochen sind“. Die Bundesrepublik sei wichtigster Handelspartner der Türkei.

„Rund 6800 deutsche Unternehmen sind in der Türkei aktiv. Das bilaterale Handelsvolumen liegt bei 37 Milliarden Euro“, betonte der BDI-Chef. „Die Wirtschaft braucht Verlässlichkeit und Berechenbarkeit.“ Daher müsse Präsident Recep Tayyip Erdogan „im wirtschaftlichen Interesse seines Landes dafür sorgen, dass die Vertrauensbasis der europäischen Partner nicht weiter erodiert“.

Beim Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) hieß es, der wichtigste Absatzmarkt EU rücke zusehends von der Türkei weg. „Dies beobachten wir mit großer Sorge“, meinte Präsident Anton Börner. „Gleichzeitig hoffen wir aber, dass die Regierung alles daran setzen wird, einer weiteren Spaltung der Türkei entgegenzuwirken und zu einer sachorientierten Diskussion auch mit der EU zurückzukehren. Hierzu gehören insbesondere auch die Klärung der offenen Fragen zum Wahlprozedere sowie die Sicherstellung von Rechtssicherheit im Land.“

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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