Drogeriemarktkette braucht ein neues Image – Kinder des Gründers sollen helfen

Die netten Schleckers

Schleckers neue Gesichter: Die Kinder des Firmengründers, Lars und Meike, haben viel vor. „Im nächsten Jahr werden wir das Filialnetz noch bereinigen“, sagt Lars Schlecker in einem Interview. „Und 2012 werden wir wieder voll angreifen und wachsen.“ Foto: Schlecker/nh

Ehingen / Kassel. Die Drogeriemarktkette Schlecker räumt ihr Filialnetz auf. „Schlecker arrondiert sein Portfolio“, heißt es in Branchenkreisen. In Belgien und Holland ist das Unternehmen demnach auf dem Rückzug.

Aktuelle Umsatz- und Ertragszahlen nennt das Unternehmen auf Anfrage nicht. Geht’s um Geld, werden die Schwaben zu Geheimniskrämern. Doch das könnte sich bald ändern.

Denn der Discounter geht in die Offenheits-Offensive. Firmenpatriarch Anton Schlecker, der es vom Metzgermeister zum Milliardär gebracht hat, rückt auf dem Chefsessel ein bisschen zur Seite. Seine Tochter Meike (37) und ihr zwei Jahre älterer Bruder Lars sollen frischen Wind in das Unternehmen bringen – und die Kommunikation nach außen übernehmen. Vielleicht werden sie in Zukunft sogar Zahlen nennen.

Auf dem Bild, das Schlecker von den Geschwistern freigibt, posieren sie im sommerlichen Park. Er, schlaksig mit Wuschelhaaren, sie, das blonde Haar zum Pferdeschwanz zusammengefasst, im korrekten Business-Blazer. Ein sympathisches junges Paar, die netten Schleckers von nebenan.

Die beiden Sympathieträger haben gut zu tun. Der Ruf, ramponiert durch Schlagzeilen über Mitarbeiterkontrolle und durch Dumping-Löhne, die schließlich ein Tarifvertrag beendete, bedarf der Rundumerneuerung. Und dann wären da noch die Filialen. Knapp 8000 davon mit 39 000 Mitarbeitern gibt es allein in Deutschland. Viele wirken vermufft und unzeitgemäß. Branchenkreise sagen Schlecker nach, seit Jahren rote Zahlen zu schreiben, von einem Minus von 90 Millionen Euro 2009 ist die Rede.

Als Machtübernahme wollen Lars und Meike Schlecker den neuen Kurs jedoch nicht verstanden wissen. „Nein, es ist kein Wechsel und kein Rückzug der Eltern“, sagte Lars Schlecker gegenüber dem „Manager Magazin“ und: „Wir entscheiden immer gemeinsam als Familie.“ Einen Stichtag für einen Wechsel gibt es nicht, sagt Unternehmenssprecher Alexander Güttler. „Das hat sich schrittweise entwickelt.“ Seit sieben Jahren sind sie in dem Familienunternehmen dabei, in dem die Geschwister und der Vater auf dem selben Flur der Firmenzentrale in Ehingen bei Ulm sitzen, haben die Online-Apotheke Vital Sana aufgebaut. Bei aller Offenheit ist Privates kein Thema. Ende 1987 waren die Geschwister entführt worden und erst gegen Lösegeld wieder freigekommen. Schlecker soll die Summe, so heißt es um knapp die Hälfte auf 9,6 Mio. Mark gedrückt haben.

Das Unternehmen hat sich eine gewaltige Rundumerneuerung verschrieben. 230 Millionen Euro sollen in den kommenden eineinhalb Jahren für die Neugestaltung der Filialen ausgegeben werden. Auch Sortiment und Preisgestaltung sollen angepasst werden. Welche Auswirkungen das auf die Filialen in Nordhessen und Südniedersachsen hat, ist noch offen.

Von Barbara Will

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