Neue Vorwürfe: VW-Hybride im Visier

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Panamera S E-Hybrid - hier im April bei einer E-Mobilität-Konferenz in Leipzig: Der US-Zulieferer Paice wirft dem Patentrechtsverletzungen beim Einbau von Hybrid-Technologie vor, auch beim Panamera.

Wolfsburg. Das Ende des Skandals um die VW-Manipulationssoftware sind noch nicht mal zu erahnen, da tut sich in den USA eine weitere Baustelle auf, die teuer werden könnte.

Die US-Handelskommission (USITC) hat am Mittwochabend die Einleitung neuer Ermittlungen gegen Volkswagen bekanntgegeben.

Jetzt geht es um Hybridfahrzeuge, Autos, die einen Verbrennungsmotor und einen E-Antrieb unter der Haube kombinieren. Der US-Zulieferer Paice aus Baltimore hat Volkswagen im April vorgeworfen, patentierte Technologie von Paice ohne Genehmigung bei den Konzernmarken VW, Audi und Porsche zu verbauen. Nun fordert der Zulieferer ein Importverbot für Hybride des VW-Konzerns. Die USITC prüft die Klage und will Anfang Juli den Abschluss ihrer Untersuchung terminieren.

Das wäre dann kurz nach Ablauf jener Frist am 21. Juni, die VW zur Wiedergutmachung in Sachen Abgas-Manipulation gesetzt ist: Dieses Paket soll den Rückkauf einer halben Million Diesel-Autos, die Entschädigung der US-Käufer sowie eine Milliarden-Strafe wegen der Verstöße gegen US-Umweltrecht enthalten.

Die neuen Vorwürfe des Zulieferers Paice haben knapp 19 000 Hybrid-Autos im Visier, die seit 2010 in den USA verkauft wurden. Darunter die Modelle VW Jetta Hybrid, Audi A3 e-tron Hybrid, Audi Q5 Hybrid, Porsche Cayenne S E-Hybrid und Panamera S E-Hybrid. Der Wolfsburger Konzern äußert sich derzeit zu den Vorwürfen nicht.

Der Dieselmarkt, in den USA sowieso eine Nische, liegt darnieder. Nach dieser Pleite, so vermutet Paice, wollten VW, Audi und Porsche in den USA nun verstärkt mit Hybrid-Modellen punkten. Diesen Neustart-Versuch soll die Klage offenbar verbauen. „Wenn ausländische Firmen US-Technologie verwenden, müssen sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt Paice-Vorstand Robert Oswald, einst Manager bei Bosch.

Tatsächlich geht es um Lizenzgebühren: Toyota, dessen Bänder laut Paice zwei Drittel aller Hybrid-Modelle in den USA liefern, arbeitet mit Paice-Lizenzen, Hyundai und Kia ebenso. Allerdings erst nach Vorwürfen wie jetzt gegen VW, Streit um Dutzende Dollar-Millionen und außergerichtlicher Einigung.

Von 2001 bis 2004 hätten Paice-Ingenieure mehr als 350 Tage lang ihre Technologie in Deutschland bei VW offengelegt - samt umfangreicher Computerprogramme. Dann habe Wolfsburg die Kooperation „abrupt beendet“, klagt der US-Zulieferer in seinem 61-Seiten-Schriftsatz an die US-Handelskommission. Statt auf Hybrid-Technologie habe VW lieber auf seine „Clean Diesel“-Strategie gesetzt. Die Motoren hätten US-Umweltvorgaben aber nicht einhalten können und dann mithilfe von Betrug Hybrid-Abgaswerte erreichen sollen, merkt Paice süffisant an.

Info:  Paice-Klageschrift (engl.)

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