Neuer BayernLB-Chef Häusler: Milliardenjob für 500 000 Euro

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Gerd Häusler wird voraussichtlich der neue Chef der BayernLB.

München - Wenige Jahre vor dem Ruhestand stürzt sich der ehemalige Direktor des Internationalen Währungsfonds Gerd Häusler in das größte Abenteuer seiner Karriere. Er soll Chef der BayernLB werden.

Häusler will einen der schwierigsten Jobs übernehmen, der in der deutschen Bankenlandschaft zurzeit zu vergeben ist: Chef der BayernLB. Der 58-Jährige muss es schaffen, die zweitgrößte deutsche Landesbank nach ihrem rasanten Absturz mit Milliardenverlusten wieder aufzurichten und den Steuerzahlern keine weiteren Belastungen zuzumuten. Das alles für einen - für Bank-Verhältnisse bescheidenen - Jahreslohn von 500 000 Euro und unter den Augen der bayerischen Staatsregierung, die sich keine weiteren Katastrophen bei der BayernLB mehr leisten kann.

Eine Milliarde - wieviel ist das?

Eine Milliarde - wieviel ist das?

Sein Vorgänger Michael Kemmer war an dieser Aufgabe gescheitert. Schon nach wenigen Monaten im Amt überwarf er sich mit Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und musste Ende vergangenen Jahres nach massivem Druck aus der Politik schließlich seinen Posten räumen. Auch sein kommissarischer Nachfolger Stefan Ermisch konnte es Seehofer nicht recht machen, er wird seinen Stuhl für Häusler räumen müssen, der als Wunschkandidat des CSU-Chefs gilt.

Die Erwartungen an den Neuen sind enorm, aber Häusler weiß, worauf er sich einlässt. Seit einem halben Jahr ist er Mitglied des Verwaltungsrats der BayernLB und hat das katastrophale Zahlenwerk der Bank wohl zumindest schon gesehen. Für das Jahr 2009 rechnet die BayernLB wie bereits im Vorjahr mit einem Milliardenverlust. Ihr größtes Problem ist sie zwar erstmal los, nachdem sie die österreichische Tochter Hypo Alpe Adria vor wenigen Monaten an Österreich abgab. Allein dieser Fehlkauf aus dem Jahre 2007 hatte Bayern einen Schaden von 3,7 Milliarden Euro eingebrockt.

Trotzdem schleppt die BayernLB weltweit immer noch Altlasten mit sich herum, die sie unter Häusler los werden muss. Erklärtes Ziel ist es, aus der weltweit agierenden Großbank eine Regionalbank für den Mittelstand in Bayern, Deutschland und Europa zu machen - in dieser Reihenfolge. Die Grünen hoffen darauf, dass Häusler auch beim Personal einen echten Neuanfang wagt. Er solle dafür sorgen, dass auch die letzten noch amtierenden Vorstände aus alten Zeiten gehen, sagte der Grünen-Finanzsprecher Eike Hallitzy. “Wenn er das nicht macht, ist er wohl doch wieder nur ein Knecht des Herren.“

Häusler selbst hatte in der Vergangenheit gerade bei staatlichen Banken für ein hartes Durchgreifen geworben. “Angesichts des Gefahrenpotenzials moderner Finanzmärkte kommt es heute darauf an, dass in den Kontrollgremien der Banken deutlich mehr Finanzprofis sitzen sollten“, sagte er auf dem Höhepunkt der Finanzkrise Ende 2008 in einem Interview. Solche Worte nähren in der Opposition in Bayern Hoffnung, dass die Kompetenz bei der BayernLB nach jahrzehntelanger CSU-Herrschaft künftig einen höheren Stellenwert erhält als das Parteibuch.

Für Häusler steht mit dem Job bei der BayernLB vor allem der gute Ruf auf dem Spiel, den er sich in rund drei Jahrzehnten bei der Bundesbank, beim IWF oder der Hessischen Landesbank erworben hatte. Sollte es ihm aber gelingen, das Ruder bei der BayernLB herumzureißen, könnte er seine Karriere krönen: Als Retter der BayernLB.

dpa

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